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Managergehälter Dax-Chefs rücken zu globalen Spitzenverdienern auf

 ·  Die Spitzenverdiener unter den Dax-Konzernchefs haben inzwischen die internationale Champions League erreicht. Im Schnitt verdienen deutsche Vorstandsvorsitzende aber noch weniger als ihre Kollegen in Europa und Amerika.

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© F.A.Z. Vergrößern Mit seinem Jahresgehalt von 16,6 Millionen Euro liegt VW-Chef Martin Winterkorn international nur auf Platz 3.

„Die durchschnittliche Vergütung der Dax-Vorstandschefs ist im vergangenen Jahr um rund 9 Prozent auf 5,04 Millionen Euro gestiegen“, sagte Michael Kramarsch, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Hostettler, Kramarsch& Partner, in einem Pressegespräch in Frankfurt. Dieser Wert ergab sich nach einer Auswertung aller inzwischen publizierten Geschäftsberichte der 30 im Leitindex Dax vertretenen Konzerne. Die Spitzenmanager der im amerikanischen Dow-Jones-Index vertretenen Unternehmen erhielten im Schnitt umgerechnet 12,5 Millionen Euro, der europäische Durchschnitt (Konzerne aus dem Börsenindex Euro Stoxx 50) erreichte knapp 6,6 Millionen Euro.

„Im Einklang mit den Unternehmensergebnissen“

Das vergangene Jahr sei für manchen deutschen Konzernlenker durchaus ein Jahr der Rekorde gewesen, sagte Kramarsch. „Aber die Vergütungen haben sich dabei überwiegend im Einklang mit den Unternehmensergebnissen entwickelt.“ Seit Beginn des individuellen Ausweises der Vergütungen im Jahr 2006 seien die Dax-Gehälter im Schnitt jährlich um 2,9 Prozent gestiegen. Der Eindruck von ständigen Exzessen täusche also.

Die Millionengehälter der Konzernchefs

Zumindest VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann haben es mit ihren Gehältern unter die globale Top-20 der Spitzenverdiener geschafft. Winterkorn nimmt mit einer Direktvergütung (Festgehalt, kurzfristige und langfristige Boni) von 16,6 Millionen Euro Rang 3 ein, hinzu kommen bei ihm noch 875.000 Euro Altersvorsorge. Ackermann erhielt eine Direktvergütung von knapp 9,4 Millionen Euro plus 880.000 Euro Altersvorsorge.

Ford-Chef soll 58 Millionen Dollar erhalten

Internationaler Spitzenverdiener war der Chef des Unterhaltungskonzerns Walt Disney, Robert Iger, mit 21,9 Millionen Euro. Allerdings haben viele Konzerne aus dem Dow Jones noch keine Vergütungsberichte für 2011 publiziert. Der Ford-Chef Alan Mullaly soll nach einer Mitteilung des Autokonzerns für seine Arbeit Aktienoptionen im Wert von 58,3 Millionen Dollar erhalten, die Vergütung von GM-Chef Dan Akerson ist noch nicht veröffentlicht. Fiat (nicht im Euro Stoxx 50 vertreten) zahlt seinem Spitzenmanager Sergio Marchionne eine Gesamtvergütung von 14,5 Millionen Euro, das meiste davon sind Aktienoptionen.

All die Vergleiche leiden nach wie vor darunter, dass es keine einheitlichen Vergütungsberichte gibt und echte Transparenz nicht vorhanden sei, bemängelte Kramarsch. Die größte Schwierigkeit seien die langfristigen variablen Gehaltsanteile, die zum Beispiel bei Winterkorn 14,7 Millionen Euro ausmachen. Da diese Boni vom Unternehmenserfolg abhängen, kann es sein, dass im Lauf der Jahre deutlich mehr oder weniger ausbezahlt werden als die ursprünglich angegebenen Summen. Wie hoch die Zahlungen aber tatsächlich ausfallen, berichte im Nachhinein kein Unternehmen. „In der Frage, was konkret in einem Jahr auf das Konto eines Vorstands geflossen ist, stochert man im Nebel“, bemängelte Kramarsch.

Poß gegen Erhöhung des Gehalts der Kanzlerin

Deutlich sei allerdings die Terndenz, dass der direkt bezahlte Jahresbonus in den vergangenen Jahren „dramatisch an Bedeutung verloren hat“. Auch habe es in Folge des Vorstandsvergütungsgesetzes „nicht den befürchteten explosionsartigen Anstieg der Festgehälter“ gegeben. Wie vom Gesetz gewollt, habe sich der Anteil der mehrjährigen variablen Vergütung inzwischen deutlich erhöht. Er macht jetzt fast die Hälfte der Direktvergütung eines Konzernchefs aus.

Kramarsch sprach sich gegen eine Deckelung der Vorstandsvergütungen aus: „Die Höhe der Vergütung festzulegen ist Sache des Aufsichtsrats und der Eigentümer.“ Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, forderte dagegen eine „Begrenzung der Spitzengehälter von Unternehmern und Managern“. Er sprach sich zugleich gegen eine Erhöhung des Gehalts der Bundeskanzlerin auf 500.000 Euro aus, wie es der DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann in der F.A.Z. vorgeschlagen hat.

Auch der Frankfurter Rechtswissenschaftler Theodor Baums hat sich für eine Gesetzesänderung ausgesprochen, um Vorstandsgehälter zu begrenzen. Baums ist Mitglied der Regierungskommission, die regelmäßig den Deutschen Corporate Governance Kodex fortschreibt. Nach seiner Ansicht sollen Jahresbezüge von 5 Millionen Euro oder mehr von der Zustimmung der Hauptversammlung abhängen. Der Anstieg der Vorstandsgehälter zeige ein „Kontrollversagen“ in börsennotierten Publikumsgesellschaften an und könne das Vertrauen der Bürger in die soziale Marktwirtschaft verringern, schrieb Baums an die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag sowie an die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Eine absolute Deckelung lehnt der Wirtschaftsrechtler hingegen ebenso ab wie eine Koppelung an die Durchschnittseinkommen der Arbeitnehmer.

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