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Manager-Boni Geld oder Ehre

Sollen sich die Boni für Manager in Zukunft an langfristigen Erfolgen ausrichten? Nein. Sie sollten verschwinden. Denn die Vorstellung, dass jemand dann am besten arbeitet, wenn man ihm gleichsam die Möhre immer vor die Nase hält, wissenschaftlich überholt.

© AP Vergrößern Oft funktioniert die Motivation über Geld weit weniger gut als die Motivation über Ehre

Eine Frage kommt in der Debatte um die hohen Boni der Banker zu kurz. Zwar sind sich inzwischen praktisch alle einig, dass es gefährlich ist, wenn sich die Boni für die Entscheidungsträger in Banken nur am kurzfristigen Erfolg orientieren. Über eine viel weiter gehende Frage aber wird kaum diskutiert: Sind erfolgsabhängige Bonuszahlungen für abhängig beschäftigte Manager überhaupt sinnvoll?

Dagegen spricht einiges. Zunächst ist schon die Vorstellung, dass jemand dann am besten arbeitet, wenn man ihm gleichsam die Möhre immer vor die Nase hält, wissenschaftlich überholt.

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Lange Zeit dachten die Ökonomen, der einzige Faktor, der jemanden zum Arbeiten motiviert, ist Geld. Aus dieser Annahme wurde geschlossen: Ein Unternehmen arbeitet dann am effizientesten, wenn die Bezahlung seiner Mitarbeiter möglichst unmittelbar von deren Erfolg abhängt. Jeder Euro mehr motiviert mehr, dachte man. Deshalb wurden Boni für Manager eingeführt. Und deshalb wurden auch leistungsabhängige Komponenten in die Tarifverträge von normalen Angestellten eingebaut.

Belohnung macht nervös und lenkt ab

Neuere Experimente von Ökonomen und Psychologen haben aber gezeigt: Ganz so einfach ist der Zusammenhang nicht. Im Gegenteil. In Experimenten amerikanischer Wissenschaftler schnitten oft diejenigen Teilnehmer in Versuchsgruppen am schlechtesten ab, denen die höchsten Belohnungen versprochen wurden, wenn sie eine bestimmte Aufgabe erledigten. Die Wissenschaftler erklärten das damit, dass diese Versuchspersonen allzu sehr mit der Frage der Belohnung beschäftigt waren. Sie wurden ganz nervös und abgelenkt und konzentrierten sich nicht ausreichend auf die Aufgabe selbst.

Auf Manager übertragen bedeutet das: Das Streben nach dem Bonus kann zum Selbstzweck werden und den Unternehmen am Ende schaden. Die Finanzkrise zeigte, dass dies nicht nur eine theoretische Befürchtung ist.

Ein zweites Argument spricht grundsätzlich gegen Boni: Unternehmen, die hohe Boni zahlen, locken Mitarbeiter an, denen es nur ums Geld geht. Unternehmen, die feste Gehälter zahlen, locken dagegen Leute an, die anders motiviert sind. Oft werden Menschen, die mit ihrer Leistung ihr Gehalt nur wenig beeinflussen können, über die Ehre motiviert. Professoren, Erfinder, Schriftsteller können mit ihrer Arbeit nicht herausragend viel Geld verdienen. Sie sind aber gleichwohl oft sehr motiviert: Sie haben das Gefühl, eine Aufgabe zu erledigen, die wichtig ist.

Motivation über die Ehre macht glücklicher

Die Glücksforschung, die in den vergangenen Jahren immer feiner wurde, hat nun gezeigt: Motivation über die Ehre macht die Menschen glücklicher als Motivation über Geld. Weil das Instrument der Motivation dichter an den Gefühlen der Menschen ist: Die Motivation über Ehre wirkt stärker innerlich als die Motivation über Geld. Sie ist deshalb vorzuziehen.

Und es gibt noch ein drittes Argument gegen Boni: Als sie eingeführt wurden, übertrug man einfach ein Prinzip aus einem anderen Bereich, ohne die elementaren Unterschiede zu beachten. Erfolgreiche Unternehmer verdienen am Profit ihrer Firma. Dafür haben sie ihr Geld eingesetzt, dafür tragen sie Risiko. Dieses Prinzip des Unternehmerlohns hat man einfach auf die Manager übertragen. Auch sie erhalten Boni je nach der Entwicklung des Unternehmens. Der gewaltige Unterschied aber ist: Sie tragen kein Risiko. Sie sind eben keine Unternehmer, sondern nur Handlanger der Eigentümer. Deshalb sollten sie für ihre Arbeit ein Festgehalt bekommen. Und das unternehmerische Risiko bleibt bei den Unternehmern.

Quelle: F.A.Z.

 
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