18.02.2012 · Der Tourismus auf den Malediven leidet unter der Unsicherheit, seit Präsident Nasheed aus dem Amt gedrängt wurde. Urlauber fürchten Unruhen und eine Islamisierung des Inselparadieses.
Von Christoph Hein, ColomboSandstrände, himmelblaues Wasser, absolute Ruhe: Dieses Bild des teuren Urlaubsparadieses der Malediven ist beschädigt. Seit dem Sturz der Regierung des gewählten Präsidenten Mohamed Nasheed nach Wochen der Unruhen fürchten die Menschen nun um ihre Haupteinnahmequelle, den Tourismus. Das Auswärtige Amt in Berlin rät von Besuchen der Hauptinsel Male ab: „Infolge einer akuten politischen Krise kam es in Male zu teilweise gewalttätigen Demonstrationen.“ Auch Australien, Großbritannien, Amerika und China haben Reisewarnungen für das vermeintliche Paradies mit seinen 1192 Inseln ausgegeben. Chinesen machen schon heute ein knappes Viertel der Gäste aus. Die Fachzeitschrift Condé Nast wählte den kleinen Staat 2011 noch zum besten Inselziel der Welt.
Allerdings schränken die deutschen Diplomaten zugleich ein: „Nach derzeit vorliegenden Informationen erstrecken sich die Unruhen jedoch nicht auf die Flughafeninsel oder die Ferien-Resorts.“ Auf rund hundert Inseln des Archipels werben Luxus-Ressorts um die Dollars der Gäste. In den Spitzenhäusern kann die Nacht mehr als 10.000 Dollar kosten.
Ob die Einschränkung der Diplomaten Reisende wirklich beruhigt, ist fraglich. So fürchtet die Tourismusindustrie der Malediven nun einen Rückgang des Geschäftes um mehr als 100 Millionen Dollar im nächsten halben Jahr. Schon jetzt seien Stornierungen von Buchungen zu spüren. „Besucher, die kommen wollen, hinterfragen ihre Sicherheit, da die politischen Unruhen für Schlagzeilen sorgen“, heißt es bei der Vereinigung der Tourismusindustrie der Malediven (Mati). Einige Hotelkomplexe hätten schon mehr als 500 Stornierungen gemeldet. Horrormeldungen kamen aus dem Lager von Nasheed: Seine Partei sprach von einer gewalttätigen Erpressung zum Rücktritt: „Die Opposition, unterstützt von Armee und Polizei, hat Präsident Nasheed ein Ultimatum gestellt: Tritt zurück oder mach dich auf ein Blutbad in der Hauptstadt Male gefasst.“ Schon 2003 hatte es Unruhen in Male gegeben.
Für die Malediven steht viel auf dem Spiel. Rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung der einst verschlafenen britischen Protektorates stammt heute direkt aus dem Geschäft mit den Gästen - sie steuern 60 Prozent zu den Deviseneinnahmen der Malediven bei. Erst 1972 entdeckte der Inselstaat sein Potential. Dank der Dollar aus dem Ausland wuchsen die Inseln zu Südostasiens Staat mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen heran. Mit 8400 Dollar liegt es in Kaufkraftparitäten bemessen auf derselben Höhe wie dasjenige Chinas und weit vor demjenigen Indiens (3700 Dollar).
Doch nicht nur die direkten wirtschaftlichen Folgen des Umsturzes schrecken potentielle Urlauber. Hinzu kommen Äußerungen einzelner Politiker, die eine Einführung des islamischen Rechts, der Scharia, ankündigen. Der Verband Mati kritisierte „antisemitische Äußerungen von Politikern auf öffentlichen Versammlungen“. Der abgesetzte Präsident Nasheed hatte die muslimischen Inseln erst jüngst für Direktflüge aus Israel geöffnet, von wo zahlungskräftige Urlauber kamen. In den Wochen vor seinem Rücktritt hatten ihn Oppositionspolitiker immer wieder als „unislamisch“ gebrandmarkt.
Die Malediven empfangen rund eine Million Gäste im Jahr. Vor allem ihnen verdanken die Inseln ein Wachstum ihres Bruttoinlandsproduktes von 8 Prozent 2010 und rund 6,5 Prozent im Jahr 2011. 2009 hatten die Malediven unter dem Fernbleiben ihrer Gäste gelitten, als die Finanzkrise zu einem Rückgang der Buchungen um 5 Prozent führte.
Der Tourismus ist die beherrschende Branche. Auf immer mehr Flächen werden gewinnträchtige Hotels erbaut, Arbeitskräfte wollen im verdienststarken Hotelsektor arbeiten. Industrie und Landwirtschaft stehen heute nur noch für ein Fünftel der Wirtschaftsleistung, die Dienstleistungen machen knapp 80 Prozent aus. Traditionelle Einnahmequellen wie Fischfang oder Ackerbau verlieren weiter an Bedeutung. Schon heute müssen die Malediven den Löwenanteil von Getreide einführen. Nach der Zahlungsbilanzkrise 2005 stützte der Internationale Währungsfonds (IWF) die Malediven, fror seine Auszahlungen aber aufgrund des wachsenden Haushaltsdefizits ein. Nasheed wollte die Inseln zu einem modernen Staat ohne Armut umbauen. Sein Bild ging um die Welt, als er sein Kabinett zur Warnung vor dem steigenden Meeresspiegel unter Wasser tagen ließ.
Ich dachte das Problem der Malediven sei der Klimawandel und in Folge
dessen das Untertauchen
klaus keller (klkeller)
- 19.02.2012, 19:37 Uhr
Es ist wie überall,
Herbert Sax (H.Sax)
- 19.02.2012, 09:40 Uhr
die chinesen sind taktvoller und nehmen auf die kultur der malediver
ruecksicht
nikolaus hesse (firenzass)
- 19.02.2012, 08:37 Uhr
Islamisierung
Richard Löwe (RichardL)
- 19.02.2012, 07:20 Uhr
Christoph Hein Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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