Ein Jahr nach dem Ausscheiden aus dem internationalen Maklerverbund Colliers treibt das Hamburger Maklerhaus Grossmann & Berger seine überregionale Expansion voran. Zu Beginn dieses Jahres wurde die Berliner Immobilienberatungsgesellschaft Johs. Reese übernommen. Damit verfügt der Hamburger Großmakler nun über ein Standbein in der Hauptstadt. Weitere Standorte jenseits des norddeutschen Heimatmarktes seien in Planung, sagt der Sprecher der Geschäftsführung, Andreas Rehberg.
Grossmann & Berger unterwirft sich in seiner überregionalen Expansionsstrategie keinen starren Vorgaben. Zukäufe wie in Berlin seien genauso möglich wie Kooperationen, sagt Rehberg. Auch ein einheitlicher Markenauftritt sei keine Bedingung. Wenn es sich um einen eingeführten Namen auf dem jeweiligen Markt handele, könne die ursprüngliche Marke auch beibehalten werden. In Berlin sei dies zum Beispiel mit Reese der Fall.
„Das Investmentgeschäft ist national“
Rehberg will sich in der überregionalen Expansion nicht unter Zeitdruck setzen. Den überregionalen Wachstumsprozess sieht er vor allem als Risikodiversifizierung an. „Das Investmentgeschäft ist national“, stellt er fest. „Es geht darum, Grossmann & Berger stabil aufzustellen.“ Dass die Hamburger durchaus behutsam vorgehen und lokale Besonderheiten berücksichtigen, macht ebenfalls das Beispiel der neuen Niederlassung in Berlin deutlich. Das Maklerhaus wird sich dort auf die Investmentberatung und die Eigentümervertretung (Asset Management) fokussieren. Im Vermietungsgeschäft will der neue Eigner dagegen keine Aktivitäten entfalten. Dadurch sollen Friktionen mit Geschäftspartnern vermieden werden, begründet der Geschäftsführer der Berliner Niederlassung, Holger Michaelis, diese Entscheidung.
In Hamburg ist das Maklerhaus, dessen Hauptgesellschafter die Hamburger Sparkasse (Haspa) ist, im Geschäft mit gewerblich genutzten Immobilien der Marktführer. Gleichzeitig ist Grossmann & Berger aber auch auf dem dortigen Wohnimmobilienmarkt aktiv, was im Colliers-Verbund unüblich ist. Dabei war gerade dieser Geschäftszweig im vergangenen Jahr ein wesentlicher Wachstumstreiber. Inzwischen trägt der Provisionsumsatz mit Wohnimmobilien nach Angaben von Rehberg schon rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Insgesamt sei das Courtagevolumen 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent gestiegen.
Konkurrenzsituation zum Colliers-Verbund
Die Trennung vom Colliers-Verbund bezeichnet Rehberg als „freundschaftlichen Abschied“. Auf beiden Seiten hätte es Verständnis für diesen Schritt gegeben. Colliers ist an einem global einheitlichen Markenauftritt unter „Colliers International“ mit einheitlichen Servicelinien gelegen, womit es nicht mehr das ursprünglich lose Netzwerk unabhängiger Maklergesellschaften ist. Grossmann & Berger wiederum will nicht den eingeführten Namen auf dem Hamburger Markt aufgeben. Mit der Expansion des Hamburger Maklerhauses nach Berlin entsteht nun erstmals eine direkte Konkurrenzsituation mit dem früheren Partner, weil Colliers in Berlin schon vertreten ist. Achim Degen, Geschäftsführer der Colliers Deutschland Holding, hatte wiederum kurz nach der Trennung nicht ausgeschlossen, im Norden mit einer eigenen Gesellschaft anzutreten.