27.06.2006 · Die Wurzeln einer besonderen Form der Solidarität und der Bereitschaft, einander zu helfen, reichen in Amerika vor die industrielle Revolution zurück. Mit dieser Tradition sind viele bekannte Namen verbunden: Nun auch der Warren Buffetts.
Warren Buffett selbst hat den Bogen gespannt: Er stimme mit Andrew Carnegie überein, daß Vermögen, die zum großen Teil aus der Gesellschaft zusammengetragen worden seien, letztlich auch in die Gesellschaft zurückfließen sollten, sagte der Milliardär zur Begründung seines Entschlusses, den größten Teil seines Reichtums für einen guten Zweck zu spenden.
Carnegie, der 1848 mit seiner Familie aus Schottland nach Amerika gekommen war und es später als Stahlbaron in Pittsburgh zu unvorstellbarem Wohlstand brachte, gilt vielfach als Vater des modernen Mäzenatentums in den Vereinigten Staaten. In seinem im Jahr 1889 veröffentlichten Buch "Das Evangelium des Reichtums" schrieb der Industrielle, all jenes Vermögen, daß zur Versorgung der eigenen Familie nicht unbedingt notwendig sei, solle in einen Treuhandfonds eingebracht und zum Wohle der Gesellschaft verwaltet werden.
Unternehmen verkauft, sich der Wohltätigkeit gewidmet
An diesen Vorsatz hielt sich Carnegie auch selbst. Mehr als 56 Millionen Dollar gab er beispielsweise Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts für den Bau von rund 2500 öffentlichen Bibliotheken in der englischsprachigen Welt aus, um Menschen den Zugang zur Literatur und damit die Möglichkeit zur Bildung zu ermöglichen. Eine der führenden Universitäten des Landes, die Carnegie-Mellon-Universität in seiner Heimatstadt Pittsburgh, trägt noch heute seinen Namen. Carnegie spendete während seines Lebens mehr als 350 Millionen Dollar. Er verkaufte sein Stahlunternehmen im Alter von 65 Jahren für 480 Millionen Dollar an J. P. Morgan und widmete sich bis zu seinem Tod im Jahr 1919 nur noch der Wohltätigkeit.
In einem Atemzug mit Carnegie wird unter den ersten bedeutenden amerikanischen Mäzenen John Rockefeller genannt. Rockefeller galt mit einem geschätzten Vermögen von 900 Millionen Dollar im Jahr 1913 als reichster Mann seiner Zeit. Präsident Theodore Roosevelt hatte Rockefellers Standard Oil Company 1911 in eine Vielzahl kleinerer Gesellschaften zerschlagen, woraufhin die Aktienkurse in den Keller gesunken waren. Rockefeller witterte eine Chance und kaufte die Aktien auf.
Wohltätigkeit aus Ausgleich zum Geschäftsgebaren?
Die Erfindung des Automobils und der folgende Weltkrieg ließen die Nachfrage nach Öl in die Höhe schnellen. Rockefeller wurde noch reicher. Der Ölmagnat sah sich häufig scharfer Kritik an seinem Geschäftsgebaren ausgesetzt, was ihn dazu bewogen haben mag, einen beträchtlichen Teil seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu verwenden. Auf seine Initiative wurden so die Universität Chicago und die Rockefeller Foundation gegründet. Die Stiftung, die sich der Armutsbekämpfung in der Welt widmet, hat ein Stiftungsvermögen von mehr als 3 Milliarden Dollar.
Fast ebenso klangvoll ist der Name Jean Paul Getty, dem Ende des 19. Jahrhunderts geborenen Gründer der Getty Oil Company. Getty erbte zwar bereits 500.000 Dollar aus dem 10-Millionen-Dollar-Vermögen seines Vaters, doch es waren sein Geschick und Geschäftssinn, die ihn zum Milliardär machten. Im Jahr 1957 veröffentlichte das Magazin "Fortune" eine Liste der reichsten Amerikaner, auf der Getty ganz oben stand.
Zivilisierender Einfluß durch Kunst
Seine große Leidenschaft war die Kunst, von der er meinte, sie übe einen zivilisierenden Einfluß auf die Gesellschaft aus. Im Jahr 1982 wurde der größte Teil seines Vermögens, einschließlich einer umfangreichen Sammlung, auf den J. Paul Getty Trust übertragen. Unter dessen Dach arbeiten heute eine Reihe von Einrichtungen, darunter das J. Paul Getty Museum und das Getty Research Institute for the History of Art and the Humanities.
Die Wurzeln der Solidarität und der Bereitschaft, einander zu helfen, reichen in Amerika allerdings noch vor die industrielle Revolution zurück, bis in die Zeit der Siedler. Die Menschen, die sich mit Hab und Gut auf Planwagen auf den großen Zug nach Westen machten, hatten keine staatliche Unterstützung zu erwarten. Sie waren, wenn Krankheit und Hunger sie plagten, auf die Hilfe jener angewiesen, denen es besser erging. Heutzutage gibt es zwar eine soziale Grundsicherung in Amerika. Doch bestimmt sich der gesellschaftliche Status der Reichen auch über deren soziales Engagement.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.384,98 | −0,66% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2456 | −0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 106,20 $ | −0,61% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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