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Veröffentlicht: 13.02.2015, 14:45 Uhr

Zum 10. Geburtstag „Fernsehen ist kaputtes Youtube“


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Die Zuschauer dürfen mitreden

Umgekehrt zelebrieren die Youtube-Stars die Anarchie. „Wir können machen, worauf wir Bock haben“, schwärmen die drei Macher des Comedy-Channels „Ape Crime“ im Digitalradio Dradio Wissen. Kein Redakteur weit und breit, der ihnen reinreden könnte. Wer allerdings reinreden darf, sind die Zuschauer: Die werden ganz unverblümt nach ihren Präferenzen gefragt: Welche Videokamera sich für die Präsentation am besten eigne? Die große Canon oder lieber die handlichere kleine?

Auch Computerspiele sind eine beliebte Kategorie, die Hobbyspieler wie „Gronkh“ an die Spitze der Abonnentenliste katapultieren. Dabei tut Gronkh seit März 2006 nichts anderes, als - mitunter mit einer erstaunlichen Ernsthaftigkeit - Videospiele zu kommentieren. Dabei ist er noch nicht einmal selbst im Bild. Mehr als 6000 Filme hat er damit schon gefüllt. 3,5 Millionen Menschen finden das so wertvoll, dass sie seinen Kanal abonniert haben.

Das mag Menschen überraschen, die keinen Hang zum exzessiven Videospielen haben. Das dürfte die überwältigende Mehrheit der Deutschen sein. Tatsache ist allerdings, dass es ein Millionenpublikum gibt. Und das könnte sich anderweitig diesem Interesse gar nicht hingeben. Denn im Fernsehen, klassisch mit Fernbedienung und festen Sendezeiten, hat „Gaming“ gar keinen Platz. In diese Lücke ist Youtube gestoßen - und verdient mit Werbeeinnahmen prächtig daran.

Youtube brauchte einen neuen Zähler für Gangnam Style

Den absoluten Spitzenplatz im internationalen Ranking belegt allerdings noch immer, auch zwei Jahre nach seinem Erscheinen, das Musikvideo „Gangnam Style“ des südkoreanischen Musikers Psy. Sein Markenzeichen ist der leicht linkische Tanzstil, der seitdem zigfach kopiert wurde. Nach dem bisherigen Stand wurde das Video mehr als 2,2 Milliarden Mal aufgerufen. Für den Ansturm musste Youtube gar seine eigenen Zähler aufstocken. Auf diese Masse war das System bis zu diesem Zeitpunkt nicht angelegt.

Nun wäre der amerikanische Konzern unter dem Dach von Google nicht ansatzweise so erfolgreich, wenn er nicht wüsste, wie er solch eine Marktmacht noch weiter fördern und zu Geld machen könnte. Vor sieben Jahren schuf er deshalb das „Partnerprogramm“, mit dem er solche Publikumsmagneten fördert.

Davon hat auch Youtube etwas: Die Online-Plattform selbst ist für die Nutzer kostenlos, dafür kassiert der Konzern kräftig bei den Werbeeinnahmen. Und je mehr Menschen ein Video sehen, desto mehr Geld kann Youtube für die Werbung verlangen, die es vor den Clip schaltet. Über das Partnerprogramm beteiligt das Unternehmen seine Produzenten an den Einnahmen, mittlerweile sind das eine Million Menschen auf der ganzen Welt.

In Deutschland können etwa 100 Stars von ihren Youtube-Einkünften leben

Das klingt beeindruckend. Allerdings ist das Künstlerleben nicht nur im analogen Leben hart und frustrierend. Nur wenige Youtube-Stars können davon leben, dass sie vor aller Welt ihr Hobby zum Beruf machen. In Deutschland sind es maximal 100, schätzt der Medienwissenschaftler Gugel.

Oft müssen die „Youtuber“, wie sie sich nennen, jahrelang auf eigene Kosten und mit großer Ausdauer ihre Filmchen produzieren, ehe die breite Masse auf sie aufmerksam wird. Häufig gelingt das nur mit Hilfe von sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook und Instagram. Begleitet werden sie dabei manchmal von hämischen Kommentaren.

Bei „Wohnprinz“ Bastian ging es etwas schneller. Nach nur wenigen Monaten konnte er sich mit Hilfe seiner Werbeeinnahmen über Wasser halten. Was allerdings wohl auch daran liegen dürfte, dass er als selbsterklärter Einrichtungsspezialist in eine Marktnische stieß, für die sich immerhin mehr als 65 000 Abonnenten begeistern können.

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