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Nach Wikileaks-Enthüllungen : Der digitale Waffenschrank der CIA

  • -Aktualisiert am

Das Zentrum der Macht: Die CIA-Zentrale in Langley Bild: Reuters

Die Wikileaks-Enthüllungen zeigen: Die Fundamente der Informationsgesellschaft sind auf Sand gebaut. Hersteller und Politik müssen sich entscheiden, wie sie dieser Unsicherheit begegnen wollen. Ein Gastbeitrag.

          Der ehemalige Chef der CIA tingelt gerade durch die amerikanischen Fernsehsendungen, um für sein neues Buch zu werben. Michael Hayden war nicht nur Direktor der CIA, sondern auch der NSA. Nun will es die Nachrichtenlage, dass er in jeder Sendung statt zu seinem Buch zu den beiden aktuellen Geheimdienst-Politskandalen befragt wird, mit denen die amerikanische Öffentlichkeit ringt: Die Behauptung des amtierendes amerikanischen Präsidenten, dass er im Trump Tower abgehört worden wäre, und die jüngsten Veröffentlichungen über die CIA und ihren Giftschrank voller Spionagesoftware.

          Nach einer ganzen Serie an Tweets von Donald Trump über die Spionage im Trump Tower ist bereits ein voller Tag vergangen, ohne dass er einen seiner rasenden Twitter-Kommentare zu den Spionagesoftware-Leaks mit dem Codenamen „Vault 7“ abgegeben hätte. Obwohl selbst Mitglieder der Kommission im amerikanischen Kongress, die für die Geheimdienstaufsicht zuständig ist, nun öffentlich sagen, man müsse bei der CIA doch etwas genauer hinschauen, blieb Trump seltsam zurückhaltend.

          Dass der damalige Präsidentschaftskandidat im Rahmen einer Abhörmaßnahme gegen die Russen im Wahlkampf vielleicht selbst ein Opfer solcher Spionagesoftware war, könnte ihn verstummen lassen haben. Denn mit den Russen möchte er lieber nicht mehr assoziiert werden.

          Spionagewerkzeuge nur gegen Ausländer?

          Redseliger ist da schon Hayden. Er sprach in den Interviews davon, dass die amerikanischen Steuerzahler ihren Geheimdiensten jedes Jahr über fünfzig Milliarden Dollar überantworten würden. Diese Zahl ist eigentlich geheim, erst seit den Veröffentlichungen der Dokumente von Edward Snowden kann offen darüber gesprochen werden. Auch Hacking-Operationen werden daraus finanziert, inklusive der Maßnahmen aus „Vault 7“.

          Hayden betonte aber in den amerikanischen Fernsehsendungen immer wieder, dass die Spionagewerkzeuge nur gegen Ausländer zum Einsatz kämen. Da war ihm wohl etwas entfallen: Die CIA musste sich nämlich im Jahr 2014 bei Senatoren öffentlich dafür entschuldigen, eine Datenbank in deren Computer gehackt zu haben. Ungünstigerweise war das rausgekommen und das Eindringen in die Kongress-Rechner nicht rechtmäßig.

          Die nun veröffentlichten Dokumente über die Hacking-Werkzeuge der CIA geben nicht preis, gegen wen IT-Angriffe ausgeführt wurden. Sie gewähren aber einen Blick auf die kommerziellen Vertragspartner der Spione und einen konkreten Einblick in den digitalen Waffenschrank der CIA. Auf der Liste stehen Technologiegrößen: Apple und Google wurden als Angriffsziel auserkoren, aber auch Samsungs Fernseher. Sie können durch die Ausnutzung von Sicherheitslücken zu Überwachungsgeräten umfunktioniert werden.

          Fundamente der Informationsgesellschaft sind auf Sand gebaut

          Ein deutlich drastischeres Beispiel ist laut den Dokumenten die kanadische Firma Blackberry, deren Software für Fahrzeuge betroffen ist. Das unter dem Produktnamen QNX vermarktete System wurde in Millionen Autos eingebettet. In den als hochgeheim eingestuften CIA-Dokumenten findet sich die QNX-Software als Hacking-Ziel. Ob seitens der CIA bereits ein Auto erfolgreich angegriffen wurde, wissen bisher nur die staatlichen Hacker selbst. Was die Öffentlichkeit allerdings sicher weiß, zeigten IT-Sicherheitsforscher schon an einem Jeep: Sie hackten ihn während einer Testfahrt – zum Entsetzen der betroffenen Branche.

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