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Nach der Wikileaks-Enthüllung : Die CIA an meinem Tisch

Amazons „Echo“ mit der künstlichen Intelligenz Alexa Bild: AP

Amazons „Echo“ mit der künstlichen Intelligenz Alexa steht in meinem Wohnzimmer. Die neuen Wikileaks-Enthüllungen haben mich an ein ständiges Dilemma erinnert.

          Die CIA hat es bei mir besonders komfortabel. Will sie mehr von mir wissen, kann sie sich einfach in meinen „Echo“ einschleichen, ein elegantes weißes zylinderförmiges Gerät von Amazon, ausgestattet mit einem erstaunlich leistungsstarken Lautsprecher und sieben Richtmikrophonen.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die hat es natürlich nicht, um dem amerikanischen Geheimdienst das Leben so leicht wie möglich zu machen. In „Echo“ steckt die künstliche Intelligenz von Alexa, ein cleverer Assistent, der sich durch Sprache steuern lässt, und dazu braucht Alexa nun einmal Richtmikrophone. Und zwar solche, die meine Befehle auch dann erkennen kann, wenn nebenbei der Fernseher läuft. Oder sonst jemand dazwischen quatscht.

          Viel Triviales

          Die Stasi hätte meine Alexa geliebt, das hab ich mir schon lebhaft vorgestellt, als ich mir Alexa ins Haus holte. Und es gibt keinen Grund, warum ausgerechnet die CIA sie weniger schätzen sollte. Oder der BND. Oder kriminelle Hacker.

          Dabei sieht Alexa wirklich unschuldig aus, wie sie da so mitten im Raum steht und nur darauf wartet, dass man sie anspricht. Erst wenn sie ihren Namen hört, wird sie aktiv. Das sieht man am blauen Ring, der plötzlich aufleuchtet. Das signalisiert mir, dass jetzt die Datenübertragung ins Amazon Rechenzentrum beginnt, verschlüsselt natürlich. Alles wird aufgezeichnet, solange, bis der blaue Ring wieder verschwindet. Dann ist die Übertragung vorbei, und ich bin wieder ganz allein.

          Jedenfalls dann, wenn sich die CIA nicht einmischt. Wenn sie sich in das System hackt, hat sie die einmalige Gelegenheit, mir pausenlos nah zu sein. Daran werde ich nach den neusten Wikileaks-Enthüllungen wieder erinnert. Zwanghaft gehe ich im Geist noch mal die Gespräche durch, die die CIA in den vergangenen Wochen schon mitgehört haben könnte. Viel Triviales. Viel Persönliches. Vor allem nichts, was sie angeht und was einem höheren Ziel der Terrorabwehr dient. Ein riesiger Skandal ist auch diese Volte schon wieder. Doch ich bin eher geschockt darüber, wie wenig es mich noch überrascht.

          Denn ich bin nicht so naiv zu glauben, dass Amazon mit seinem unstillbaren Wunsch, mir Dinge zu verkaufen, der einzige ist, der bei mir mithören kann. Aber genauso wenig, wie ich bei heiklen Gesprächen mein Smartphone im Eisfach versenke, möchte ich auf Echo verzichten. Oder den Fernseher. Oder auf all jene Annehmlichkeiten, die ich mir noch gar nicht vorstellen kann, aber die nur deshalb so praktisch sind, weil sie Verbindung zum Netz haben.

          Wikileaks-Enthüllung : CIA hackt Smartphones und Rechner

          Ist mir deshalb alles egal? Überhaupt nicht. Der Unterschied zu den perfiden Abhörmethoden der Stasi: Wir wissen Bescheid oder ahnen den Verrat zumindest. Und jede Attacke, egal ob nun vom Geheimdienst oder von Kriminellen, lässt Unternehmen immer gewiefter darin werden, ihre Geräte vor illegalen Zugriffen zu schützen. Das ist der Grund, warum inzwischen die meisten E-Mails verschlüsselt übertragen werden und warum Rechenzentren einem Hochsicherheitstrakt gleichen. Das muss immer besser werden. Sonst können wir uns den ganzen schönen technischen Fortschritt sparen.

          Quelle: FAZ.NET

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