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Veröffentlicht: 08.01.2017, 11:13 Uhr

Künstliche Intelligenz Was wird der Mensch?

Stephen Hawking wird 75. Der Physiker ist ein lebendiges Beispiel für eine geradezu symbiotische Beziehung zwischen Mensch und Technik. Ohnehin stellt sich die Frage, wozu Computer künftig fähig sein werden, immer dringlicher.

von und
© dpa Stephen Hawking wird an diesem Sonntag 75 Jahre alt.

Seine Ärzte haben das niemals für möglich gehalten. Doch trotz seines schweren Nervenleidens wird der weltberühmte Physiker Stephen Hawking an diesem Sonntag 75 Jahre alt. In den sechziger Jahren hatten Mediziner die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose diagnostiziert, wenig später konnte er nicht mehr laufen, noch einmal zwanzig Jahre darauf nicht mehr eigenständig sprechen.

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Ein an seinem Rollstuhl installierter Computer ermöglicht ihm seither, mittels Bewegungen seiner Wangenmuskeln und Augen zu kommunizieren. Dass ihm trotz der düsteren Lebensvorhersage bis zum heutigen Tag eine Existenz als Physiker möglich ist, hat moderne Technologie ermöglicht; es ist eine philosophische Frage, wie sehr der gebürtige Brite eigentlich ein Cyborg ist, also im Grunde eine ungeheuer starke symbiotische Beziehung zwischen Mensch und Technologie.

„Computer werden uns übertreffen“

In weniger drastischer Art und Weise leben heutzutage Milliarden Menschen in so einer Symbiose. Das Smartphone ist eines der offensichtlichsten Beispiele dafür, das ein technisches Gerät als ständiger Begleiter zum eigenen Körper fast schon wie ein Organ gehört. Eine künstliche Erweiterung des Gehirns, auf die wir uns häufig verlassen wie auf das eigene Gedächtnis, wenn nicht sogar noch mehr. Gut möglich, dass unsere Enkelkinder einmal weniger zwischen ihren Körpern und deren technischer Erweiterung unterscheiden werden als wir das tun.

Passiert ist das wesentlich infolge der enorm gestiegenen Rechenleistung und Speicherkapazität von Computern. Wo und wie sie einmal enden wird, ist nicht absehbar. „Die Computer werden irgendwann in den kommenden hundert Jahren mit ihrer künstlichen Intelligenz den Menschen übertreffen“, sagt Stephen Hawking voraus.

Die Frage, wozu künstliche Intelligenz eines Tages fähig sein wird, stellt sich mit immer größerer Dringlichkeit. Ende des vergangenen Jahres haben Fachleute des Weißen Hauses in einem Aufsatz angeregt, sich auf eine zünftige Gesellschaft vorzubereiten, in der künstliche Intelligenz eine dominierende Rolle spielt. Und Forscher des Internationalen Währungsfonds haben analysiert, welche Folgen es hat, wenn Maschinen immer schlauer werden und mehr Arbeiten übernehmen können, die heute noch Menschen ausführen. Ihre Schlussfolgerung: Die wirtschaftlichen Chancen sind gigantisch, die Risiken aber ebenfalls substantiell – etwa in Form höherer Ungleichheit und eskalierender Verteilungskonflikte.

Zehn Millionen Youtube-Videos

Nicht jeder versteht unter künstlicher Intelligenz dasselbe. John McCarthy hat die Aufgabe der Disziplin in den fünfziger Jahren beschrieben, und zwar als „Erschaffen einer Maschine, die sich so verhält, dass man dies intelligent nennen würde, wenn ein Mensch sich so verhielte“. McCarthy war damals Mathematikprofessor am Dartmouth College in Hanover im amerikanischen Bundesstaat New Hampshire. Der amerikanische Wissenschaftler und Technologie-Unternehmer Jerry Kaplan fasst zusammen: „Die Essenz von künstlicher Intelligenz – tatsächlich die Essenz von Intelligenz überhaupt – ist die Fähigkeit, zügig probate Verallgemeinerungen zu treffen auf Basis begrenzter Daten.“

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