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Mark Zuckerberg : Facebook zahlt mehr Steuern als gedacht

Zuckerberg widerspricht seinen Kritikern: Facebook zahlt alle Steuern. Bild: dpa

Der Vorwurf, Zuckerberg wolle mit seiner 45-Milliarden-Spende nur Steuern sparen, ließ nicht lange auf sich warten. Dabei zahlt das soziale Netzwerk mehr als so manches deutsche Schwergewicht.

          Ganze 99 Prozent ihrer Facebook-Anteile wollen Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan spenden –das entspricht gemäß dem aktuellen Aktienkurs rund 45 Milliarden Dollar. Doch nicht überall stieß die Ankündigung auf Begeisterung. Das soziale Netzwerk steht seit längerem in der Kritik, weil es – wie viele andere Unternehmen auch – von legalen Steuervermeidungspraktiken profitiere. Der daraus folgende Vorwurf an Zuckerberg: Von nicht gezahlten Steuern lasse sich schließlich auch mehr spenden. Doch auch die neu gegründete Initiative wird kritisch gesehen: Zuckerberg packe sein Vermögen nur deshalb in eine Stiftung, um Steuern zu sparen.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Tatsächlich sparen viele Unternehmen mit Hilfe von legalen Steuertricks Milliarden. Vor allem global agierende Unternehmen wie Apple, Google oder Starbucks nutzen solche Schlupflöcher. Die OECD schätzt, dass sich der Schaden durch Gewinnverschiebungen zwischen den Ländern, dem sogenannten Base Erosion and Profit Shifting (BEPS), auf weltweit bis zu 240 Milliarden Dollar beläuft, die den nationalen Steuersystemen verloren gehen.

          Facebook-Chef Mark Zuckerberg selbst widerspricht den Stimmen, die seinem Unternehmen vorwerfen, Steuern zu vermeiden. Wenn Facebook einen Gewinn von 100 Dollar in Frankreich mache, der auf Technologie aus den Vereinigten Staaten basiere, über Datenzentren in Schweden und Verkaufsstellen in Frankreich und Italien zustande kam, dann würden die zu zahlenden Steuern auf mehrere Staaten aufgeteilt werden. „Selbst wenn wir unser ganzes Einkommen in Steuern zahlen würden, denke ich, gäbe es immer noch Länder die den Eindruck hätten, wir zahlten nicht genug“, so Zuckerberg in einem Kommentar auf Facebook.

          Zuckerberg spendet nicht einfach an Zuckerberg

          Ein Blick auf die Quoten der Konzerne bestätigt: Facebook zahlt mehr Steuern als so manches deutsche Schwergewicht. Mit einer Steuerquote von 40,1 Prozent liegt das soziale Netzwerk zu dem auch Whatsapp und Instagram gehören deutlich vor den anderen Konzernen. Andere Internetunternehmen wie Apple (26,4 Prozent) oder Alphabet/Google (19,3 Prozent) liegen im Vergleich zurück. Doch auch deutsche Konzerne, die nicht primär in der digitalen Branche unterwegs sind, können keine höheren Quoten aufweisen. Der schwäbische Autokonzern Daimler kommt auf eine Steuerquote von immerhin 28,3 Prozent, SAP auf 24,7 Prozent. Die Deutsche Post hingegen verzeichnet lediglich eine Steuerquote von 15,5 Prozent.

          Laut Wirtschaftsprüfern ist eine hohe Konzernsteuerquote aber nicht zwangsläufig ein Zeichen für ein schlechtes Steuermanagement. Die Erklärung, dass Google und Apple ihre Gewinne schlicht besser verschieben als Facebook, greift hier zu kurz. Zwei Haupteinflussfaktoren lassen sich definieren: Wie sehr ein Unternehmen international vernetzt ist und in welchen Ländern die Gewinne anfallen, wirkt sich auf die Steuerquote aus. So zahlen Unternehmen in den Vereinigten Staaten eine im internationalen Vergleich hohe Unternehmenssteuer von 35 Prozent, in der Schweiz und Luxemburg hingegen deutlich weniger. Zum anderen spielt aber auch die Verschiebung von Steuerzahlungen in die Zukunft eine Rolle. Denn bei Auslandseinkünften gewährt das Finanzministerium der Vereinigten Staaten Unternehmen einen zeitlichen Aufschub.

          Die Unterstellung, die Facebook-Familie wolle mit der Stiftung nur Steuern sparen, entkräftet Zuckerberg ebenfalls. Die „Chan Zuckerberg Initiative“, in die das Geld fließen soll, wurde in der Rechtsform einer „Limited“ gegründet, in Deutschland wäre das eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Dass sich die Zuckerbergs für diese Rechtsform an Stelle einer traditionellen Stiftung entschieden haben, sorgte für weitere Kritik.

          In einem Eintrag auf seiner Facebook-Seite erklärt der Chef des sozialen Netzwerks nun, dass es so möglich sei, auch Non-Profit-Organisationen zu unterstützen oder private Investitionen zu tätigen. Der Vorwurf eines Nutzers, Zuckerberg spende an Zuckerberg, sei nicht richtig. Alle Nettogewinne der getätigten Investitionen sollen wieder in die Initiative fließen, so der Facebook-Chef. Am wichtigsten sei es, dass Organisationen, die Gutes tun, unterstützt werden könnten, ganz egal, wie diese strukturiert seien. Und die Wahl der Rechtsform bedeutet ganz praktisch eines: Familie Zuckerberg kann ihre Stiftung nicht von der Steuer absetzen.

          Milliardenschwere Spende : Zuckerberg will 99 Prozent seines Vermögens spenden

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