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Veröffentlicht: 06.11.2015, 15:26 Uhr

Soziales Netzwerk Facebook-Nutzer werden immer passiver

Die Aktivität der Nutzer hat sich laut Marktforschern geändert. Für das Geschäft des größten sozialen Netzwerks der Welt muss das nicht unbedingt schlecht sein.

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© Reuters Auf allen Schirmen: So sieht das soziale Netzwerk auf unterschiedlichen Bildschirmen aus.

Die Währung der sozialen Online-Medien versteckt sich hinter klingenden Kombinationen aus drei Buchstaben. Ob nun der Kurzbotschaftendienst Twitter, das soziale Netzwerk Facebook oder Anbieter von Online-Spielen – sie alle sprechen mit Blick auf ihre Nutzerschaft von DAU oder MAU, was für „daily active users“ beziehungsweise „monthly active users“ steht. Die Angaben, wie viele Nutzer mindestens einmal täglich oder einmal im Monat einen Dienst nutzen, soll für Vergleichbarkeit der Reichweiten sorgen. Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt, setzte in dieser Woche neue DAU- und MAU-Maßstäbe. Mehr als 1,55 Milliarden Menschen melden sich nun mindestens einmal im Monat im Netzwerk an, mehr als eine Milliarde tut dies wenigstens einmal am Tag.

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Wie aktiv all diese Menschen nach der Anmeldung auf Facebook tatsächlich sind, ist dagegen weit weniger bekannt. Es ist schon länger her, dass Facebook sich konkret dazu geäußert hat. Vor vier Jahren sprach das Netzwerk davon, das ein durchschnittlicher Nutzer im Monat 90 Inhalte schafft, also zum Beispiel seinen Status aktualisiert oder ein Foto hochlädt. Seitdem ist das Netzwerk vager geworden. Vor drei Jahren hieß es, dass die damals rund eine Milliarde Nutzer im vierten Quartal des Jahres 2012 im Schnitt 350 Millionen Fotos am Tag eingestellt haben. Am Mittwoch teilte der Facebook-Vorstandschef Mark Zuckerberg mit, dass die Nutzer am Tag mehr als 8 Milliarden mal Videos auf Facebook konsumieren.

Anschauen statt selbst hochladen

Dass Zuckerberg ausgerechnet vom passiven Zuschauen sprach, ist Zufall. Doch passt er zu den Erkenntnissen des britischen Marktforschungsunternehmens Global Web Index, das herausgefunden hat, dass sich die Nutzung auf Facebook verändert hat. Global Web Index hat die Facebook-Nutzung von 40.000 Mitgliedern in 34 Ländern rund um die Welt analysiert und errechnet, dass zwischen dem vergangenen und diesem Herbst zwei der Haupttätigkeiten auf Facebook relativ zurückgegangen sind.

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So aktualisierten im dritten Quartal 2014 noch 50 Prozent der Nutzer ihren Status. Ein Jahr später waren es 34 Prozent. 59 Prozent teilten vor einem Jahr ihre Fotos mit anderen, jetzt macht dies noch gut ein Drittel. „Unterdessen sind aber die Prozentzahlen gestiegen, wenn es darum geht, Einträge anderer zu kommentieren, neue Beiträge zu lesen oder sich einzuloggen ohne irgendwas ins Netzwerk zu posten“, sagt Jason Mander, Forschungsdirektor von Global Web Index in London. Kurzgefasst könne man argumentieren, dass die Nutzung „ein wenig passiver“ geworden sei. „Die Menschen besuchen Facebook weiter, aber es ist zunehmend wahrscheinlicher, dass sie sich anschauen, was andere machen.“

Das mobile Internet verändert das Verhalten

Mander sieht bei dieser Entwicklung drei Gründe am Werk. „Facebook ist jetzt zehn Jahre alt, und so haben sich auch die Verhaltensweisen der Nutzer geändert“, sagt er. Zudem werde das Netzwerk häufiger mobil genutzt, vor allem auf Smartphones. Die Nutzerwanderung ins mobile Internet könne darauf bedeuten, dass die Menschen häufiger und für kurze Augenblicke Facebook über die Smartphone-Anwendung aufsuchen, aber eben weniger dort aktiv tun. Und dann gebe es den Trend des „Multinetworkings“. „Für viele Nutzer ist jetzt der Fototeildienst Instagram der Ort, wo sie ein Foto hochladen.“ Zugleich führten sie Gruppen- oder Einzeldiskussionen über Nachrichtendienste wie Whatsapp oder den Facebook Messenger. Alle diese Dienste gehören zum Facebook-Konzern und auch ihre Nutzerzahl steigt, wie Mander sagt. In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Nutzerschaft von Instagram verdoppelt.

Whatsapp und der hauseigene Messenger haben in der selben Zeit ein Fünftel mehr Nutzer gewonnen. „Eine Menge von Dingen, die früher auf Facebook stattgefunden hat, findet immer noch im Ökosystem des Unternehmens statt.“ Und am Ende sei es auch so: „So lange die Menschen weiter Facebook besuchen, was sie in Scharen tun, kann das Unternehmen dort weiter Werbung zeigen und seinen Umsatz steigern.“

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