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Cyberattacken : Der große Kampf um das Internet

Gefragte Spezialisten für die digitale Welt: Die Teilnehmer eines Wettbewerbs zur Cybersicherheit in Japan vergangenes Jahr. Bild: Getty

Immer öfter werden Regierungen, Unternehmen und Privatleute von Hackern attackiert. Zwischen Gut und Böse läuft ein ständiges Wettrennen. Der Ausgang ist ungewiss.

          Angriffe auf die Sicherheit von Computern, Smartphones oder ganzen Netzen häufen sich. Ihre Namen sind so vielfältig wie die Schadprogramme selbst: Das kleine Hacker-Alphabet schmückt sich mit Begriffen wie Botnetz, DDoS-Attacke, Ransomware oder Social Engineering. Hinter ihnen verbergen sich verschiedene Angriffe, die jeden Tag millionenfach passieren. Im Visier stehen Regierungen und Energieversorger, große und kleine Unternehmen von Banken bis zu Online-Händlern und nicht zuletzt Privatpersonen, die in der zunehmenden Vernetzung des täglichen Lebens immer wieder Ziel von Hackern werden.

          Angriffe auf Regierungen verorten Cybersicherheitsunternehmen häufig in von autokratischen Regimen unterstützten Hackergruppen. In Deutschland kümmert sich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) um die Abwehr von Gefahren für die IT des Bundes - es gibt Vorgaben aus, an denen sich die Ämter orientieren. Das Regierungsnetz hat eine verschlüsselte Kommunikation und ist redundant aufgebaut, sodass Systeme doppelt gesichert sind und vor Ausfällen geschützt sein sollen. Denn Cyberangriffe auf die Regierungsnetze gibt es jeden Tag, im Durchschnitt sind es 400. Das geht aus dem aktuellen „Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland“ hervor, der im November veröffentlicht wurde.

          Immer mehr Angriffe kommen aus Russland

          Das BSI hat allein in der ersten Jahreshälfte des vergangenen Jahres in den Regierungsnetzen etwa 44000 infizierte E-Mails je Monat abgefangen – das ist viermal so viel wie im Vorjahr. Rund ein Angriff in der Woche rechnet das BSI ausländischen Nachrichtendiensten zu. Die Angriffe aus Russland nehmen nach Einschätzung des Bundesamtes zu. Mit dieser Ansicht sind die Sicherheitsbeamten nicht alleine, auch der Geheimdienst CIA und die Bundespolizei FBI in den Vereinigten Staaten kamen kürzlich zu dem Schluss, dass Russland versucht hat, in den amerikanischen Wahlkampf einzugreifen.

          Cyber-Angriff : Geheimdienste: Putin hat Wahl in Amerika beeinflusst

          Das IT-Sicherheitsunternehmen Fireeye hat schon vor drei Jahren in einem Bericht darüber spekuliert, dass einige Hackergruppen möglicherweise von der russischen Regierung unterstützt wurden. Seitdem hat sich das Unternehmen auf eine Gruppe namens APT28 fokussiert und nun einen Abschlussbericht seiner Untersuchung veröffentlicht. „Die Beweise für Russlands Beteiligung an einer Einflusskampagne in den Vereinigten Staaten sind erdrückend“, sagt Jochen Rummel, der den deutschsprachigen Raum für Fireeye verantwortet.

          Attacken auf Parteien und Behörden im Bundestagswahlkampf

          Fireeye hat Angriffe von APT28 vom Jahr 2007 an untersucht. Seit drei Jahren verfolgt die Hackergruppierung eine Taktik, die als „Hack and Leak“ bezeichnet wird: Angreifer verschaffen sich Zugang zu Systemen und veröffentlichen die Informationen über eigens angelegte gefälschte Profile in sozialen Medien, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erreichen und vom Ursprung des Angriffs abzulenken. Die Attacke auf das Demokratische Nationale Komitee (DNC) war so ein Fall, auch die Anti-Doping-Agentur Wada wurde offenbar von der gleichen Gruppe attackiert, ebenso der Bundestag vor zwei Jahren.

          Da decken sich die Erkenntnisse des privaten Sicherheitsunternehmens mit denen des BSI. Mit Blick auf das Wahljahr sieht Fireeye Deutschland als besonders gefährdetes Ziel. Das Unternehmen rechnet damit, dass spätestens zur Bundestagswahl „nicht nur Informationen aus vorangegangenen Cyberattacken veröffentlicht werden“, sondern APT28 auch gezielt Parteien und Regierungsbehörden attackieren wird, die an der Wahl beteiligt sind. „Wir dürfen die Gefahr, die von Gruppen wie APT28 ausgeht, nicht unterschätzen. Schließlich haben sie schon bewiesen, dass sie vor Angriffen auf demokratische Grundprinzipien nicht zurückschrecken“, sagt Rummel.

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