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Cloud-Service : Amazons Geschäft mit Daten

Werner Vogels kümmert sich um Amazons Geschäft mit den Daten. Bild: Reuters

Amazon Web Services ist der am stärksten wachsende Geschäftsbereich des Online-Händlers. Das Cloud-Wachstum steht erst am Anfang. Doch Konkurrenz gibt es nicht nur im Silicon Valley.

          Werner Vogels hat derzeit gut lachen. Schließlich ist der Technikvorstand von Amazon mitverantwortlich für das Geschäft der Tochtergesellschaft Amazon Web Services (AWS) – und die Sparte gedeiht prächtig. In AWS wird das Cloud Computing des amerikanischen Handelskonzerns gebündelt. Amazon übernimmt Computerdienstleistungen für Kunden, die ihre Informationstechnik ins Internet verlagern wollen. Damit spricht das Unternehmen im Gegensatz zum klassischen Geschäft also keine Endverbraucher an, sondern Unternehmenskunden, kleine Start-ups genauso wie große Konzerne.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          So hat etwa die Hotelkette Kempinski ihre Infrastruktur in die Amazon-Cloud gelegt und rechnet damit, in den nächsten fünf Jahren gut 40 Prozent seiner Kosten dadurch zu sparen. Der Versicherungskonzern Talanx gibt an, durch die Verlagerung seiner Rechenleistung in die Cloud den Zeitaufwand der Rechenschritte um drei Viertel gesenkt zu haben. Mehr als zwei Drittel der Dax-Konzerne in Deutschland nutzen AWS inzwischen, rund um die Welt ist das Unternehmen Marktführer mit deutlichem Vorsprung: Nach Angaben der Marktforschungsgruppe Synergy Research deckt AWS 31 Prozent des Marktes ab, Microsoft liegt dahinter mit 11 Prozent, IBM und Google folgen.

          Werner Vogels als Aushängeschild des Konzerns

          Vor gut drei Jahren sagte Andy Jassy, der AWS einst ins Leben rief und neben Vogels der wichtigste Vertreter der Geschäfts ist, dieser Zeitung, dass er es für möglich halte, dass dieser Unternehmensteil bis zur Mitte dieses Jahrhunderts der größte werden könnte. Wer Vogels heute darauf anspricht, erntet ein verschmitztes Grinsen. Der Manager ist so etwas wie das Aushängeschild des Konzerns, anders als der öffentlichkeitsscheue Unternehmenschef Jeff Bezos kann man den gebürtigen Holländer fast auf jeder wichtigen großen Konferenz sprechen sehen.

          Auf der Digitalkonferenz DLD in München trat der Manager, der sehr gut mit dem Etikett „Amazons Teddybär“ leben kann, den ihm diese Zeitung einst gab, im T-Shirt der Rockgruppe Red Hot Chili Peppers auf.

          Amazon Web Services macht bereits großen Umsatz

          Vogels ist kein schlipstragender Entscheider, sondern immer noch stark dem Code und seiner Wirkung verbunden. Der Code ist überprüfbar, wer ihn am Ende eines Arbeitstages durch den Computer laufen lässt, sieht Ergebnisse. So etwas liegt Vogels sichtbar mehr als die großen Entscheidungen über Arbeitsplätze oder Konzernstrategien. Noch heute diskutiert er mit Verve im Netz Programmierfragen und -probleme. „Vorhersagen sind ziemlich schwer“, sagt Vogels im Gespräch mit dieser Zeitung. Aber er halte es von heute aus durchaus für möglich, dass diese Marke schon früher erreicht sein könnte. „Wir werden ein massives exponentielles Wachstum sehen“, sagt Vogels.

          Amazon Web Services trägt schon jetzt gut die Hälfte zum Konzern-Betriebsergebnis bei. Der Umsatz stieg im dritten Quartal des vergangenen Jahres um fast 55 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar. Das entspricht zwar noch etwas weniger als zehn Prozent des Gesamtumsatzes, doch wächst es stark und ist viel profitabler als das Restgeschäft. Angesichts zunehmender Vernetzung von Milliarden Sensoren und Maschinen im „Internet der Dinge“ und im Rest der sogenannten Industrie 4.0 dürfte das Geschäftsfeld weiter wachsen. Denn noch hält Vogels die Konkurrenz auf Abstand, auch wenn er nicht daran glaubt, dass der Markt im Cloud-Geschäft nach dem Prinzip „The winner takes it all“ funktioniert.

          Viel Konkurrenz unter den Cloud-Anbietern

          Gerade in speziellen Branchen gibt es auch spezielle Cloud-Anbieter: So konkurriert Amazon nicht nur mit anderen Unternehmen aus dem Silicon Valley wie Intel oder Salesforce, sondern auch mit bekannten deutschen Unternehmen. Siemens hat eine Industrie-Cloud namens Mindsphere, die sich vor allem an Kunden mit großen Maschinen richtet. Trumpf lässt von seinem Tochterunternehmen Axoom ebenfalls eine Cloud für die Digitalisierung im Maschinenbau betreiben, und auch Bosch bietet Kapazität in seinen Rechenzentren etwa für Landwirte an.

          Trotzdem helfen Amazon schon seine schiere Größe und die inzwischen mehr als zehnjährige Erfahrung mit der Cloud im Wettbewerb. „Auf globalem Level wird es vielleicht eine Handvoll Unternehmen geben, die langfristig erfolgreich sind“, sagt Vogels. Denn dafür sind zunächst große Investitionen nötig, vor allem in die Rechenzentren.

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