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Veröffentlicht: 19.12.2014, 11:15 Uhr

Leser-Umfrage Amazon wird bestreikt - und keiner merkt’s

Schon die ganze Woche streiken Amazon-Mitarbeiter. Die Gewerkschaft Verdi hat es auf die Weihnachts-Pakete abgesehen. Doch unsere Leser-Umfrage zeigt: Damit hat Verdi wenig Erfolg.

von
© AP Hier wird nicht gestreikt: in einem Versandzentrum in Tennessee.

Die Rhetorik ist schon mal wuchtig. „Die Streiks werden Amazon im Weihnachtsgeschäft treffen“, so heißt es bei der Gewerkschaft Verdi. Seit Monaten ruft Verdi immer wieder zu Streiks auf, in dieser Woche hörten die Mitarbeiter am Montag auf zu arbeiten und verlängerten ihren Streik am Mittwoch für den Rest der Woche.

Patrick Bernau Folgen:

Verdi hat zum Streik aufgerufen, um Amazon zu einem Tarifvertrag zu zwingen. Bisher arbeitet das Unternehmen ohne Tarifvertrag und orientiert sich mit seinen Gehältern an den Tarifen der Logistikbranche. Die Gewerkschaft pocht dagegen auf den Tarifvertrag, der für Einzel- und Versandhändler gilt. Amazon wiederum sagt: Viele andere Händler haben ihre Logistik in Tochtergesellschaften ausgelagert, so dass dort auch nicht mehr der Handels-Tarifvertrag gilt.

Amazon sagt, der Streik treffe die Kunden nicht. Wer bis Montag, 12 Uhr bestellt, soll noch mit Standardversand pünktlich zu Heiligabend beliefert werden. Verdi dagegen hofft, dass der Streik Amazons Weihnachtsgeschäft beeinträchtigt. „Wenn deutschlandweit über 2500 Mitarbeiter die Arbeit niederlegen, hat das Auswirkungen“, sagt der Streikleiter. Hat er Recht?

„Macht Verdi Weihnachten kaputt?“ So haben wir seit Dienstagnachmittag unsere Leser gefragt. Denn wir hatten diesen Satz auf der Straße aufgeschnappt, in Zeitungen gelesen und im Radio gehört - aber niemand hatte Probleme mitbekommen. Also fragten wir die Leser: Kommen Amazons Pakete pünktlich an? Wie lange brauchen sie? Wie ist es mit den Paketen anderer Versandhändler?

Daten von fast 1000 Paketen

Nicht jeder Leser war mit unserer Umfrage einverstanden. „Diese Umfrage ist eine Unverschämtheit und der offensichtliche Versuch, die Leute gegen die Gewerkschaft aufzubringen“, schrieb uns einer. Ein anderer verdächtigte uns, wir wollten die Gewerkschaft unterstützen, indem wir ihr die Schwachpunkte ihres Streiks zeigen. Tatsächlich interessierten uns zwei simple Fragen: Kommen die Pakete des größten deutschen Online-Versandhändlers vor Weihnachten noch rechtzeitig? Und hat die Gewerkschaft mit diesem Streik wirklich ein Druckmittel in der Hand?

Diese Fragen können wir jetzt relativ sicher beantworten - dank der Hilfe von Ihnen, den Lesern. Sie haben uns über Laufzeit und Pünktlichkeit von fast 1000 Paketen aus dem Dezember aus ganz Deutschland berichtet. Das ist natürlich keine repräsentative Umfrage, trotzdem gibt sie ein Bild über die Lage im Versandhandel vor Weihnachten.

Dabei wird deutlich: Von dem Streik bekommen die weitaus meisten Kunden nichts mit. Laut Umfrage ist Amazon sogar jetzt noch pünktlicher als die anderen Versandhändler. 86 Prozent der Amazon-Pakete aus unserer Umfrage sind pünktlich angekommen, von den anderen Versandhändlern waren es nur 73 Prozent.

Eigentlich hatten wir vor auszuwerten, ob Verzögerungen bei bestimmten Warengruppen häufiger vorkommen. Doch dafür gab es zu wenige Berichte von Verspätungen.

Ein paar Leser hatten den Eindruck, Amazon halte zwar die versprochenen Lieferzeiten ein, habe aber die Versprechen verlängert. Dieser Eindruck blieb nur bei wenigen. Insgesamt scheint Amazon im Dezember trotz Streik spürbar schneller zu liefern als seine Konkurrenten.

Dafür gibt es zwei Gründe. Einer ist Amazons Auslieferungs-Prinzip: Schon in normalen Zeiten verschickt der Händler seine Waren aus 28 Logistikzentren in ganz Europa auch über Ländergrenzen hinweg. Wenn in Deutschland gestreikt wird, kann Amazon Waren aus Polen verschicken, aus Frankreich, aus Tschechien oder aus Großbritannien.

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Der andere Grund ist der, dass die Gewerkschaft Verdi auch nach vielen Streikmonaten bisher nur einen kleinen Teil der Amazon-Mitarbeiter zum Streik bewegt. Obwohl halb Deutschland über angeblich schlechte Arbeitsbedingungen bei dem Versandhändler spricht, streiken nur rund 2000 von 20.000 Festangestellten und Aushilfskräften in Deutschland.

Unsere Karte zeigt die Einsendungen aus unterschiedlichen Landkreisen. Je grüner, desto pünktlicher waren die Pakete der Online-Händler. Ein Klick auf die Punkte zeigt, wie viele Einsendungen wir aus jener Region hatten. Deutlich wird: Die wenigen Probleme sind breit über Deutschland verteilt, es gibt kaum Schwerpunkte.

Quelle: FAZ.NET

 

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