10.02.2010 · Im Juni 1992 haben 60 Wirtschaftswissenschaftler vor der Ratifizierung der Beschlüsse von Maastricht gewarnt. Wer die Konvergenzkriterien nicht ernst nehme, untergrabe die Stabilität des Euro. Ein Rückblick.
Von Carsten KnopDie finanziellen Schwierigkeiten Griechenlands und die Belastungen für den Euro werden die Professoren nicht überraschen, die schon im Juni 1992 vor der Ratifizierung der Beschlüsse von Maastricht gewarnt haben. Damals schrieben 60 Wirtschaftswissenschaftler, unter ihnen Klaus Rose, Karl Schiller, Jochen Schuhmann, Friedrich Sell und Christian Watrin, dass die grundlegenden ordnungspolitischen, ökonomischen und fiskalischen Folgen der Währungsunion ignoriert würden.
Mit Blick auf die heutige Situation sind folgende Punkte bemerkenswert: „Eine funktionsfähige Wirtschafts- und Währungsunion erfordert als Vorbedingung eine dauerhafte – über mehrere Jahre hinweg nachgewiesene – Angleichung der relevanten Wirtschaftsstrukturen der Mitgliedsländer. Eine einmalige – stichtagsbezogene – und damit mehr oder weniger zufällige Erfüllung einzelner Kriterien ist kein Nachweis der erforderlichen Konvergenz.“
Das dürfte um so mehr gelten, wenn die stichtagsbezogenen Daten wie im Fall von Griechenland sogar gefälscht waren. Und weiter: „Die ökonomisch schwächeren europäischen Partnerländer werden bei einer gemeinsamen Währung einem verstärkten Konkurrenzdruck ausgesetzt, wodurch sie aufgrund ihrer geringeren Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit wachsende Arbeitslosigkeit erfahren werden. Hohe Transferzahlungen im Sinne eines Finanzausgleichs werden damit notwendig. Da bisher noch keine Vereinbarungen über die Struktur einer politischen Union existieren, fehlt hierfür jedoch ein demokratisch hinreichend legitimiertes Regelungssystem.“
Daraus folgerten die Professoren, dass es kein ökonomisch zwingendes Argument dafür gebe, von oben eine monetäre Einheit auf ein wirtschaftlich, sozial und interessenpolitisch noch uneiniges Europa zu stülpen. Die überhastete Einführung könne zu einer politischen Zerreißprobe führen. Im Februar 1998 legten 155 Professoren nach: Wer die Konvergenzkriterien nicht ernst nehme, untergrabe das Vertrauen in die faktische Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank und die Stabilität des Euro.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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