Bernard Arnault, Großaktionär des Luxusgüterkonzerns LVMH, hat die belgische Staatsbürgerschaft beantragt. Der Franzose, der als wohlhabendster Bürger des Landes und als viertreichster Mann der Welt gilt, teilte am Wochenende mit, er strebe neben der französischen auch die belgische Staatsbürgerschaft an. Sogleich vermuteten französische Politiker und Medien, dass sich Arnault damit der Besteuerung in Frankreich entziehen wolle. Der Unternehmer ließ dies jedoch dementieren. Als gebürtiger Nordfranzose habe er viele „persönliche, familiale und berufliche Verbindungen mit Belgien“. Seine private Beteiligungsgesellschaft Groupe Arnault, die etwa am Einzelhandelsriesen Carrefour beteiligt ist, wolle ihre Investitionen nördlich der Grenze ausweiten, ließ er mitteilen. Dabei könnte es sich um ein für Belgien sehr wichtiges Unternehmen handeln, dessen Eigentum die belgische Staatsangehörigkeit voraussetze, hieß es.
Heftige Spekulationen über das Motiv
Dieser Darstellung wurde in Frankreich jedoch wenig Glauben geschenkt. Vor allem sozialistische Politiker, aber auch die Vorsitzende des rechtsradikalen Front National, Marine Le Pen, griffen Arnault heftig an. Jean-Christophe Cambadélis, der sich um den Vorsitz der Sozialistischen Partei bewirbt, forderte die Einberufung einer parlamentarischen Untersuchungs-Kommission. Auch der Eigentümer des weltgrößten Luxusgüterkonzerns LVMH mit seiner Markenpalette von Louis Vuitton über Dior bis Moët & Chandon müsse verstehen, „dass das Interesse an der eigenen Nation kein Luxus ist“. Der ehemalige Premierminister François Fillon machte dagegen die verfehlte Steuerpolitik von Präsident François Hollande für die Initiative Arnaults verantwortlich. Eine weitere Spekulation lautet, Arnault wolle als Belgier die monegassische Staatsangehörigkeit beantragen, was einem Franzosen nicht möglich sei.
Frankreich führt seit dem Wechsel im Elysée-Palast eine hitzige steuerpolitische Debatte. Denn Hollande will die Einkommen ab einer Million Euro mit 75 Prozent besteuern. Auch wenn er Abstriche an diesem Vorhaben prüft: Er hat die Erbschaftssteuer erhöht und er will Zinseinkünfte noch kräftiger als bisher besteuern, sodass Gutverdiener auf einen Steuersatz von 60 Prozent kommen. Arnault hatte am vergangenen Mittwoch selbst Gelegenheit, bei einer exklusiven Unterredung mit Premierminister Jean-Marc Ayrault seine Meinung über die sozialistische Steuerpolitik mitzuteilen. Der Konzernchef soll dabei vor allem für eine Schonung der Unternehmen plädiert haben, damit sie Arbeitsplätze schaffen.
Flucht vor dem Fiskus?
Über seine wirtschaftlichen Pläne in Belgien schweigt Arnault indes. Bekannt ist nur, dass er mit seinem Freund, dem belgischen Großinvestor Albert Frère, schon öfter gemeinsam investierte. Zum Beispiel besitzen sie zusammen das bekannte Weingut Château Cheval Blanc. Auch die Beteiligung an Carrefour hat Arnault teilweise über eine Finanzgesellschaft in Belgien finanziert. Doch für solche Geschäfte benötigt man nicht die belgische Staatsbürgerschaft.
Das Arnault-Lager besteht auf dem Dementi der Steuerflucht: Denn bekanntlich sei in Steuerfragen der Wohnort und nicht die Staatsangehörigkeit ausschlaggebend. Auch hatte schon Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy im Wahlkampf allen ins Ausland geflüchteten Franzosen gedroht, sie kräftig zu besteuern. In diesem Fall würde Arnault ein Wohnsitzwechsel nicht reichen, um dem französischen Fiskus zu entgehen.
Sein gewaltiges Imperium, das an der Börse heute 66 Milliarden Euro wert ist, hat Arnault aus einem kleinen Bauunternehmen seines Vaters entwickelt. Aus seinen liberalen Ansichten, die in Frankreich meistens als „ultra-liberal“ beschrieben werden, hat er nie einen Hehl gemacht. Nach der Wahl des Sozialisten François Mitterrand in den Elysée-Palast 1981 setzte sich Arnault für drei Jahre in die Vereinigten Staaten ab. Auch diese Episode soll laut seines Umfeldes jedoch „rein geschäftliche und weder steuerliche noch politische Gründe“ gehabt haben.
@ Bramante
Félix Lefort (felixlefort)
- 11.09.2012, 13:54 Uhr
Mr. Laffer lässt grüßen
Leo Lax (Leola74)
- 10.09.2012, 08:58 Uhr
Seltsames Demokratieverständnis!
Sascha Kaiser (thorin)
- 10.09.2012, 08:02 Uhr
Tja, verehrte Anna Bramante, ich fürchte,
Carolus Doomdey (Domday)
- 09.09.2012, 22:59 Uhr
Besteuerungswettbewerb
Michael Messerer (KritischerWuerger)
- 09.09.2012, 21:52 Uhr