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Luxuswohnungen : Darf’s zum Appartement noch ein Kunstwerk sein?

Von wegen all inclusive: In den 48 Millionen Pfund, die der Anbieter für „Lethbridge House“ verlangte, war die Kunstsammlung noch nicht enthalten. Für die mussten die Käufer angeblich nochmal 3 Millionen Pfund extra hinblättern. Bild: action press

Der Markt für zeitgenössische Kunst boomt, der für Luxuswohnungen auch. Kunstwerke brauchen die perfekte Kulisse, Trophäen-Wohnungen das gewisse Etwas. Warum sich nicht zusammentun?

          Als im vergangenen Jahr das palastgleiche Lethbridge House am Regent’s Park in London für angeblich 48 Millionen Pfund den Besitzer wechselte, war das auch an Europas Luxuswohnungsmarkt Nummer eins eine kleine Sensation. Denn mit einem Kaufpreis von umgerechnet fast 58 Millionen Euro ist das historische Anwesen mit seinen gut 1000 Quadratmetern Wohnfläche, dem Pool und den bis in den letzten Winkel mit allem Tamtam ausgestatteten Zimmern auch für Londonder Verhältnisse Spitzenklasse.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der britischen Hauptstadt ist man in dieser Hinsicht einiges gewohnt. Hier richten sich märchenhaft reiche Scheichs und Milliardäre aus Asien und Russland häuslich ein, begeben sich Hollywood-Stars und die Größen des internationalen Showgeschäfts auf die Jagd nach Ausnahmeimmobilien. Das treibt die Preise. 2013 verteuerten sich Luxusimmobilien in London um 7,5 Prozent. Der Verkauf der Prachtimmobilie am Regent’s Park ragt aus dem üblichen Handel aber auch heraus, weil der Anbieter für die geneigten Käufer ein gewisses Extra bereithielt: eine Kunstsammlung, zu der unter anderem Werke des britischen Künstlers Mark Quinn gehören.

          In London längst Standard

          Nun ist die Immobilie aus dem frühen 19. Jahrhundert auch so schon eine echte Trophäe. Schließlich war der Architekt ein gewisser John Nash, der auch den Buckingham-Palast entwarf. Das Herrenhaus an der Cornwall Terrace plante er als Teil eines Ensembles rund um Regent’s Park. Selbstredend, dass das Anwesen daher als eine der teuersten und nobelsten Adressen Großbritanniens gilt. Doch der Clou des Geschäfts lag darin, dass man die Käufer mit der Kunst lockte. Für die mussten sie allerdings extra in die Tasche greifen - und, wie es heißt, 3 Millionen Pfund hinblättern.

          Ausnahmemarkt: In London gehen nicht nur märchenhaft reiche Scheichs, russische und asiatische Milliardäre auf Häuserjagd, sondern auch Stars der internationalen Unterhaltungsbranche.  Bilderstrecke
          Ausnahmemarkt: In London gehen nicht nur märchenhaft reiche Scheichs, russische und asiatische Milliardäre auf Häuserjagd, sondern auch Stars der internationalen Unterhaltungsbranche. :

          Von The art of selling property schwärmte anschließend anspielungsreich der „Telegraph“. Und tatsächlich hat, nach allem was man weiß, mit Lethbridge House die Verbindung von Luxusimmobilien- und Kunsthandel an der Themse einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Denn dass im absoluten Premiumsegment neue wie alte Objekte, Häuser wie Apartments mit den Arbeiten bekannter Künstler ausstaffiert werden, ist in London längst Standard. Mal gehört zur Wohnung ein gerahmtes Motiv des Fotografen David Bailey wie im Fall des Apartmentneubaus „The Chilterns“, mal sind es die Schmetterlinge des von den einen als Radaukünstler geschmähten, von den anderen als Kunstgott gefeierten Damien Hirst.

          Wer teure Immobilien kauft, sammelt bestimmt auch Kunst

          Der Brite ist in jedem Fall einer der besten Selbstvermarkter seiner Zunft, Spitzenverdiener und Profiteur des blühenden Geschäfts mit zeitgenössischer Kunst. Die, die dort kräftig einkaufen, legen ihr Geld gerne auch in Immobilien an. Vor allem, wenn die Zeiten als unsicher gelten, wie nach Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007. Das hat dem Handel mit Luxusimmobilien in den vergangenen Jahren in den beliebten Metropolen, Ballungszentren und Ferienregionen rund um den Erdball starken Auftrieb beschert. Weil Sammler also potentielle Käufer sehr teurer Wohnungen und Häuser sind und umgekehrt überaus gut betuchte Immobilienerwerber häufig zugleich zeitgenössische Kunst sammeln, ist es kein Wunder, dass in einer illustren Nische des Marktes beides zusammenfällt. So nimmt im absoluten Premiummarkt die Kunst einen immer größeren Raum ein, wie Noel de Keyzer vom Immobiliemakler Savills es ausdrückt.

          Das muss nicht immer in Form eines Paketverkaufs geschehen, nach dem Motto: „Darf’s zum Penthouse vielleicht noch ein Bild von Hirst sein?“ An der Côte d’Azur etwa ist es schon seit einiger Zeit in Mode, Kunstauktionen oder Ausstellungen in zum Verkauf stehenden Luxusimmobilien zu veranstalten. „Für die Kunstwerke ist eine High-End-Immobilie die perfekte Kulisse“, stellt Jörg Buchen fest, der für Engel & Völkers die Maklergeschäfte in Cannes leitet.

          Ein Palazzo ist noch nicht genug

          Dem Immobilienvermittler bieten solche Aktionen im Gegenzug die Möglichkeit, potentielle Interessenten für die Immobilie zu begeistern. Zunehmend gehen die Anbieter daher dazu über, die entsprechenden Räumlichkeiten mittels Bilder, Skulpturen und Installationen so zu inszenieren, dass deren Potential nicht nur als Wohn-, sondern auch privater Ausstellungsraum deutlich wird. In Venedig zum Beispiel steht seit knapp einem Jahr der Palazzo Molin, ein gotischer Palast nahe dem Markusplatz, zum Verkauf. Ein Objekt wie es am Lido nicht allzu oft gehandelt wird, wenn man Marktbeobachtern glauben darf.

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