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Luxus-Kaufhauskette : Printemps könnte bald arabisch werden

Reich verziert: Printemps in Paris Bild: Reuters

Die Deutsche Bank möchte die Luxus-Kaufhauskette an den Italiener Maurizio Borletti verkaufen. Hinter ihm steht der Golfstaat Qatar. Die Galeries Lafayette bieten um ihren Konkurrenten mit.

          Am Boulevard Haussmann in Paris liegen die ewigen Rivalen direkt nebeneinander: Das „Printemps“ auf der einen Seite, die „Galeries Lafayette“ auf der anderen. Der erste ist stolz auf seine berühmte Schaufenster-Dekoration in der Weihnachtszeit, der andere auf seine glitzernde Glas- und Eisenkuppel. Auch in anderen Städten kämpfen Printemps und Galeries Lafayette um die Vorherrschaft am Markt der gehobenen Kaufhäuser, etwa in Marseille, Lyon, Lille oder Rouen. Immer wieder kursieren Pläne eines Zusammenschlusses, um einen großen Pol französischer Luxuskaufhäuser zu schmieden, der noch mehr Touristen anziehen würde. Doch sie blieben Makulatur. Jetzt könnte ein solches Vorhaben abermals scheitern. Denn die Deutsche Bank will als Großaktionär des Printemps die Kaufhauskette lieber an den italienischen Miteigentümer Maurizio Borletti verkaufen. Hinter diesem steht das Emirat Qatar. Kommt es zum Abschluss, würde der Golfstaat neben dem Londoner Luxuskaufhaus Harrods somit künftig über ein zweites namhaftes Standbein im europäischen Einzelhandel verfügen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen. Bis zur letzten Minute wird mit harten Bandagen gekämpft. Der zur Deutschen Bank gehörende Immobilienfonds Rreef hat zwar mit der Borletti-Gruppe „exklusive Verhandlungen“ über den Verkauf seiner 70 Prozent-Anteile eingeleitet. Doch die Galeries Lafayette, die schon 2006 vergeblich ihren französischen Intimfeind übernehmen wollten, geben sich nicht geschlagen und versuchen sowohl die Regierung als auch die Gewerkschaften zu mobilisieren. „Das Angebot von Borletti ist eine reine Finanz-Transaktion. Wir dagegen schlagen ein echtes unternehmerisches Langzeit-Projekt vor, das mehr Arbeitsplätze sichert“, sagte der Finanzvorstand von Galeries Lafayette, Ugo Supino, der F.A.Z.

          Der Investor Borletti, der in Italien bis 2011 am Kaufhaus Rinascente beteiligt war und vor drei Jahren erfolglos Karstadt zu übernehmen versuchte, ist seit 2006 mit 30 Prozent an Printemps beteiligt; damals übernahm er als Minderheitsaktionär das Kaufhaus zusammen mit der Deutschen Bank. Seine Gegner behaupten nun, Borletti kassiere bei der geplanten Vollübernahme von Printemps hunderte Millionen Euro und haue dabei die Deutsche Bank übers Ohr. Von den 1,6 Milliarden Euro, die Qatar für das Printemps bezahle, würden 620 Millionen Euro in Form von „Prämien und Management-Kommissionen“ auf sein Luxemburger Konto fließen - „ein unglaubliche Intrige persönlicher Bereicherung“, wettern seine Gegner, und sie wundern sich, wie die Deutsche Bank und der Golfstaat Qatar dies hinnehmen können. Denn die Galeries Lafayette hätten für die 70 Prozent-Anteile an Printemps deutlich mehr geboten als Borletti. Es ist die Rede von 1,8 statt 1,6 Milliarden Euro. Sowohl die Mehrheitsaktionäre in der Borletti-Holding, darunter die Allianz und die französische Familie Dassault, als auch die Anteilseigner am Deutsche Bank-Fonds Rreef wie der kalifornische Calpers-Fonds für öffentliche Angestellte seien die Angeschmierten. „Wir verstehen nicht, wie die Rechtsanwaltskanzlei Baker McKenzie, die für Qatar arbeitet, und die Deutsche Bank ein derart großzügiges Angebot für Maurizio Borletti akzeptieren konnten“, wundert sich Finanzvorstand Supino. Wie aber komme es, dass sich die Deutsche Bank so unter Druck setzen lasse? Borletti soll mit einer Klagewelle gedroht haben, wenn Rreef an die Galeries Lafayette verkaufe, heißt es da – allerdings nur in Berufung auf „Gerüchte“. Die Beweisdecke bleibt somit dünn.

          Weder Rreef noch die Borletti-Gruppe wollen sich zu den Vorwürfen detailliert äußern. Die Summe von 620 Millionen Euro sei einmal in einem Arbeitspapier erwähnt worden, räumt eine Borletti-Sprecherin ein, doch sie sei zu hoch gegriffen. In einigen Tagen wolle man die Gewerkschaften über Details der Vereinbarung informieren.

          Dem Golfstaat Qatar gehören bereits viele Immobilien an den Champs-Elysées

          Ihr Unternehmen kann dabei auch auf schlagkräftige Argumente zu eigenen Gunsten setzen. Um die eigene Finanzkraft zu unterstreichen, wollen sich die Galeries Lafayette ebenfalls mit Qatar verbünden, können aber keine feste Zusage vorweisen. Dass die Deutsche Bank sich an Borletti hält, ist zudem keine Überraschung: die beiden arbeiteten schon bei der Rinascente- und der Karstadt-Transaktion zusammen. Das Printemps führen sie seit sechs Jahren als Ko-Investoren und haben das Kaufhaus erfolgreich in den Luxusnahen Produktbereich gehoben. 350 Millionen Euro seien seit 2006 in die Kaufhauskette mit ihren 17 Geschäften und 5000 Mitarbeitern investiert worden, teilt die Borletti-Gruppe mit.

          Als letztes Mittel setzen die Galeries Lafayette jetzt auf die Regierung. Der Aufbau eines nationalen Champions sei besser für die Beschäftigten und für ganz Frankreich, lautet die Argumentation. Hier hat freilich die französische Kartellbehörde mitzureden. In mindestens sieben Städten dominieren Printemps und Lafayette die Kaufhaus-Szene, in Paris sogar mit einem Marktanteil von 85 Prozent. Die großen Luxushersteller Frankreichs sollen gegen eine Fusion sein, weil sie einen Einzelhandels-Monopolisten fürchten. Die Regierung hat sich bisher davor gehütet, öffentlich Stellung zu beziehen. Der Golfstaat Qatar hinter den Borlettis ist in Frankreich ohnehin ein gern gesehener Investor. Er besitzt nicht nur den Fußballverein Paris-Saint Germain, sondern auch Anteile an Unternehmen wie Lagardère, Vinci, Veolia oder Total. Auch die Luxushotels Royal Monceau und Péninsula sowie umfangreicher Immobilienbesitz an den Champs-Elysées gehören dem Golfstaat. Mit dem Printemps könnte ein symbolträchtiger Name bald hinzukommen.

          Quelle: F.A.Z.

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