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Luftverkehr : Dicke Luft beim Kranich

  • Aktualisiert am

Lufthansa kämpft an mehreren Fronten Bild: dpa

Gleich mehrfaches Unheil droht der Lufthansa: Piloten einer Tochter wollen streiken, das Kartellamt mahnt wegen zu niedriger Preise, und Verluste stehen an.

          Der Lufthansa droht Ungemach gleich von mehreren Seiten. Zum einen droht der Kranichlinie bereits sieben Monate nach Ende des Arbeitskampfes mit den Piloten der Konzernmutter Streiks bei der Regionalflugtochter Lufthansa CityLine.

          Die Vereinigung Cockpit hat deren Piloten und Copiloten bis 15. Februar zur Urabstimmung über einen unbefristeten Ausstand aufgerufen, wie Cockpit-Tarifexperte Rüdiger Fach am Dienstag erklärte.

          Pluspunkt für Germania

          Damit nicht genug, hat das Bundeskartellamt im Preiskampf um die Strecke Frankfurt-Berlin die Tarife der Lufthansa abgemahnt. Die Bonner Wettbewerbshüter warfen der größten deutschen Fluggesellschaft einen Missbrauch ihrer Marktmacht vor. Die Lufthansa-Preissenkung auf 100 Euro für eine einfache Strecke stelle eine "unbillige Behinderung und Verdrängung" der Berliner Konkurrentin Germania dar. Das Kartellamt will diese Praxis nun verbieten.

          Die Verbindung zwischen der Hauptstadt und der Finanzmetropole am Main war von Lufthansa lange im Monopol geflogen worden. Germania hatte die Strecke erst im November in den Flugplan aufgenommen. Seitdem liefern sich beide Unternehmen eine Preisschlacht um die Gunst der Kunden; zwischenzeitlich hatte Germania seine Preise von 99 bis auf 55 Euro gesenkt.

          Terror-Krise ausgestanden

          Andererseit glaubt man bei Lufthansa, dass die Talsohle der Krise in der Luftfahrt in der Folge der Terroranschläge von New York durchschritten sei. Von einem stetig positiven Trend könne man angesichts der Buchungseingänge für die ersten drei Monate 2002 noch nicht sprechen, sagte Ralf Teckentrup, Bereichsvorstand Netzmanagement und Marketing bereits am Montagabend. "Wir sind nicht ganz unzufrieden mit der Entwicklung", sagte Teckentrup. Derzeit sei nicht abzusehen, wann das Niveau vom August 2001 wieder erreicht werde.

          Zunächst einmal bedeutet das Krisenjahr für die Kranichlinie ein Abrutschen in die roten Zahlen. Für das Gesamtjahr 2001 erwartet man bei der Lufthansa einen Nettoverlust beim Konzernergebnis. "Beim operativen Ergebnis halten wir es aber noch immer für möglich, dass für 2001 positiv, oder nahe der Null abschließen", sagte eine Sprecherin des Konzerns.

          Nachwirkungen bleiben

          Das niedrige Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in vielen Ländern wirke sich unmittelbar negativ auf den Flugverkehr aus.Unternehmen kürzten ihre Reise-Budgets und buchten vorwiegend Economy-Class statt bislang Business-Class. Bei Lufthansa sei der Anteil von Passagieren in der Business-Class überproportional gesunken. Zudem gebe es einen "kolossalen Trend" zum Spät-Buchen.

          Billig-Linie nicht ausgeschlossen

          Angesichts zunehmender Präsenz von Niedrigpreis-Anbietern im Luftverkehr behalte sich die Lufthansa die Gründung einer eigenen Billig-Fluglinie vor. “Wir halten uns offen, ob wir in diesem Markt mitspielen“, sagte Teckentrup. “Wir wissen, wie das Geschäft läuft und dass damit Geld zu verdienen ist.“ Allerdings sei die Frage, ob ein Einstieg in dieses Geschäftsfeld das Geld wert sei. Zu bedenken sei auch, dass eine Konkurrenz im eigenen Haus der Lufthansa Marktanteile abnehmen werde.

          Billig-Anbieter haben Teckentrup zufolge derzeit in Europa einen Marktanteil von fünf Prozent und verzeichnen Zuwachsraten von 25 Prozent. Teckentrup ließ jedoch offen, wann für die Lufthansa die “Schmerzgrenze“ erreicht sei, bei der die Fluglinie in dieses Geschäftsfeld einsteigen werde.

          Die fortlaufenden Rechtsstreitigkeiten mit der irischen Billigfluglinie Ryanair betrachtet Teckentrup vor allem als ein Mittel des Wettbewerbers, öffentlich Aufmerksamkeit zu erringen. Lande ein Streit vor Gericht, werde in den Medien auch darüber berichtet.

          Quelle: @wiz

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