Home
http://www.faz.net/-gqe-36m2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 22.01.2002, 13:33 Uhr

Luftverkehr Dicke Luft beim Kranich

Gleich mehrfaches Unheil droht der Lufthansa: Piloten einer Tochter wollen streiken, das Kartellamt mahnt wegen zu niedriger Preise, und Verluste stehen an.

© dpa Lufthansa kämpft an mehreren Fronten

Der Lufthansa droht Ungemach gleich von mehreren Seiten. Zum einen droht der Kranichlinie bereits sieben Monate nach Ende des Arbeitskampfes mit den Piloten der Konzernmutter Streiks bei der Regionalflugtochter Lufthansa CityLine.

Die Vereinigung Cockpit hat deren Piloten und Copiloten bis 15. Februar zur Urabstimmung über einen unbefristeten Ausstand aufgerufen, wie Cockpit-Tarifexperte Rüdiger Fach am Dienstag erklärte.

Mehr zum Thema

Pluspunkt für Germania

Damit nicht genug, hat das Bundeskartellamt im Preiskampf um die Strecke Frankfurt-Berlin die Tarife der Lufthansa abgemahnt. Die Bonner Wettbewerbshüter warfen der größten deutschen Fluggesellschaft einen Missbrauch ihrer Marktmacht vor. Die Lufthansa-Preissenkung auf 100 Euro für eine einfache Strecke stelle eine "unbillige Behinderung und Verdrängung" der Berliner Konkurrentin Germania dar. Das Kartellamt will diese Praxis nun verbieten.

Die Verbindung zwischen der Hauptstadt und der Finanzmetropole am Main war von Lufthansa lange im Monopol geflogen worden. Germania hatte die Strecke erst im November in den Flugplan aufgenommen. Seitdem liefern sich beide Unternehmen eine Preisschlacht um die Gunst der Kunden; zwischenzeitlich hatte Germania seine Preise von 99 bis auf 55 Euro gesenkt.

Terror-Krise ausgestanden

Andererseit glaubt man bei Lufthansa, dass die Talsohle der Krise in der Luftfahrt in der Folge der Terroranschläge von New York durchschritten sei. Von einem stetig positiven Trend könne man angesichts der Buchungseingänge für die ersten drei Monate 2002 noch nicht sprechen, sagte Ralf Teckentrup, Bereichsvorstand Netzmanagement und Marketing bereits am Montagabend. "Wir sind nicht ganz unzufrieden mit der Entwicklung", sagte Teckentrup. Derzeit sei nicht abzusehen, wann das Niveau vom August 2001 wieder erreicht werde.

Zunächst einmal bedeutet das Krisenjahr für die Kranichlinie ein Abrutschen in die roten Zahlen. Für das Gesamtjahr 2001 erwartet man bei der Lufthansa einen Nettoverlust beim Konzernergebnis. "Beim operativen Ergebnis halten wir es aber noch immer für möglich, dass für 2001 positiv, oder nahe der Null abschließen", sagte eine Sprecherin des Konzerns.

Nachwirkungen bleiben

Das niedrige Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in vielen Ländern wirke sich unmittelbar negativ auf den Flugverkehr aus.Unternehmen kürzten ihre Reise-Budgets und buchten vorwiegend Economy-Class statt bislang Business-Class. Bei Lufthansa sei der Anteil von Passagieren in der Business-Class überproportional gesunken. Zudem gebe es einen "kolossalen Trend" zum Spät-Buchen.

Billig-Linie nicht ausgeschlossen

Angesichts zunehmender Präsenz von Niedrigpreis-Anbietern im Luftverkehr behalte sich die Lufthansa die Gründung einer eigenen Billig-Fluglinie vor. “Wir halten uns offen, ob wir in diesem Markt mitspielen“, sagte Teckentrup. “Wir wissen, wie das Geschäft läuft und dass damit Geld zu verdienen ist.“ Allerdings sei die Frage, ob ein Einstieg in dieses Geschäftsfeld das Geld wert sei. Zu bedenken sei auch, dass eine Konkurrenz im eigenen Haus der Lufthansa Marktanteile abnehmen werde.

Billig-Anbieter haben Teckentrup zufolge derzeit in Europa einen Marktanteil von fünf Prozent und verzeichnen Zuwachsraten von 25 Prozent. Teckentrup ließ jedoch offen, wann für die Lufthansa die “Schmerzgrenze“ erreicht sei, bei der die Fluglinie in dieses Geschäftsfeld einsteigen werde.

Die fortlaufenden Rechtsstreitigkeiten mit der irischen Billigfluglinie Ryanair betrachtet Teckentrup vor allem als ein Mittel des Wettbewerbers, öffentlich Aufmerksamkeit zu erringen. Lande ein Streit vor Gericht, werde in den Medien auch darüber berichtet.

Quelle: @wiz

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wegen Tarif-Konflikt Angehende Piloten wollen sich bei Lufthansa einklagen

In ihrem Vertrag sichert der Konzern den angehenden Piloten zu, sie einzustellen, wenn Bedarf besteht. Doch trotz vieler Überstunden wehrt sich der Konzern. Mehr

03.02.2016, 17:07 Uhr | Wirtschaft
Türkei Bundeswehr-Tornados starten zu ersten Aufklärungsflügen

Vom türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik aus sind die Aufklärer zu einem etwa dreistündigen Einsatz aufgebrochen. Die Ziele seien den Piloten vom internationalen Hauptquartier in Katar vorgegeben worden, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam. Mehr

09.01.2016, 11:05 Uhr | Politik
Sparkurs Führungskräfte und Piloten von Air Berlin verzichten auf Gehalt

Etwa 80 Manager erhalten in diesem Jahr bis zu zehn Prozent weniger Gehalt. Auch die Piloten wollen ihren Beitrag zum Sparkurs der angeschlagenen Fluggesellschaft leisten. Mehr

06.02.2016, 16:43 Uhr | Wirtschaft
Schwebeflug über die Alpen Heißluftballon-Festival in der Schweiz

Dutzende Ballonfahrer starten in Château d’oex zum 38. Heißluftballon-Festival ihre Himmelsreise vor den Augen von Hunderten begeisterten Zuschauern. In 3000 Metern Höhe schweben die Piloten über die Alpen. Mehr

24.01.2016, 13:59 Uhr | Gesellschaft
Business-Jet Die brasilianische Versuchung

Die Embraer Phenom 300 war 2013 und 2014 der meistverkaufte Business-Jet weltweit. Was macht der Zweistrahler aus Brasilien besser als seine Mitbewerber? Mehr Von Jürgen Schelling

03.02.2016, 10:26 Uhr | Technik-Motor

Wachstum ohne Schulden

Von Gerald Braunberger

Die Finanzkrise hat die Staaten dazu bewogen, durch höhere Schulen die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Dass Wachstum auch ohne Schulden möglich ist, zeigt ein Blick ins Silicon Valley. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden