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Luftqualität Der Feinstaub ist weg

18.01.2008 ·  Messwerte des Bundesumweltamtes zeigen: Die Feinstaubbelastung in Deutschland ist zurückgegangen. Dank neuer Technik wird sich die Luftqualität weiter verbessern. Die Hetzjagd gegen das Auto muss abgeblasen werden. Sonst sind die Arbeitsplätze bald weg.

Von Holger Appel
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Die Umweltretter müssen sich ein neues Angriffsobjekt suchen. Ihnen kommt der Feinstaub abhanden. Im Jahr 2007 ist in Deutschland nach Angaben des Umweltbundesamtes nur an 22 der 385 installierten Messstationen der Grenzwert (50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft an mehr als 35 Tagen) überschritten worden. 2006 war das noch an 98 Stationen der Fall, im Jahr 2005 an 60, und man hat nicht den Eindruck, dass sich die Verkehrsdichte im Lande seither wesentlich verringert hat.

Hängt die Feinstaubbelastung am Ende doch eher mit der Wetterlage zusammen, damit, dass in den vergangenen Wochen die Winde kräftiger, die Tage nasser und der Winter milder waren? Dann müsste die Hetzjagd gegen das Auto, an dem in Deutschland jeder siebte Arbeitsplatz hängt, abgeblasen werden. Und das ausgerechnet jetzt, wo in Köln, Hannover und Berlin die ersten Umweltzonen eingerichtet und Autos ausgesperrt worden sind.

Ursachen vielfältig

Dabei war die Sache vor kurzem angeblich noch ganz eindeutig. Reine Luft als „gewiss das größte Erhaltungs- und Stärkungsmittel unsres Lebens“ empfahl schon 1797 der bekannte Mediziner Christoph Hufeland. Ebenso sicher war er, dass „verdorbene Luft das reinste und tödlichste Gift“ ist. Forschungsergebnisse belegen heute seine Aussagen. Luftinhaltsstoffe, die in zu hohen Konzentrationen auftreten, sind nicht nur schädlich für Mensch und Tier, sondern greifen auch Pflanzen, Gewässer, Böden und Bauwerke an.

Dieselfahrzeuge und Kraftwerke setzen den für das bloße Auge unsichtbaren Feinstaub direkt frei, durch chemische Reaktionen entsteht er aus Schwefel- und Stickstoffoxiden. Deren Herkunft ist vielfältig und kaum zu überblicken: Verkehr, Heizungen, Industriebetriebe und Kraftwerke gehören dazu. Hinzu kommt, dass Feinstaub über weite Strecken mit der Luft transportiert werden kann. Selbst aus der Sahara gelangt er mit ihr bis nach Nordeuropa.

Aussagen, nach denen es bislang nicht gelungen sei, die Feinstaubbelastung zu reduzieren, sind falsch, stellt das Umweltbundesamt fest. Im langjährigen Mittel gehe die Belastung leicht zurück, und sie werde dank besserer Technik noch deutlicher sinken. Gleichwohl ist es unzweifelhaft gemeinsame Aufgabe, die Luftqualität zu verbessern. Diese Forderung hat inzwischen sogar höchstrichterliche Rückendeckung. Das Bundesverwaltungsgericht hat im September 2007 entschieden, dass betroffene Bürger von den zuständigen Behörden verlangen können, dass dort, wo die geltenden Feinstaubgrenzwerte überschritten sind, verhältnismäßige Maßnahmen zur Verringerung der Belastung ergriffen werden. Verhältnismäßige Maßnahmen!

Utopische Termine und Grenzwerte

In der Klimahysterie wurden gleich auch noch für Kohlendioxid Grenzwerte und Termine festgelegt, die niemand einhalten kann. Es wurden knapp 100 Aktionspläne geschmiedet, die mehr Aktion als Plan sind. Nachts spritzt die Straßenreinigung Tausende Liter Wasser in die Gosse, auf dass der Staub weggespült werde. Auf der Autobahn A 562 wurde der Mittelstreifen auf 150 Meter Länge mit Moosmatten belegt, weil man testen will, ob diese als Staubfang taugen.

Umweltzonen werden eingerichtet und bunte Plaketten dafür verkauft, die den Verdacht zulassen, es gehe weniger um den Schutz vor Staub und Stickoxid als vielmehr um die Verbannung des Autos aus den Innenstädten und eine zusätzliche Einnahmequelle. Oldtimer, obwohl nur in homöopathischen Dosen unterwegs, sollten für immer in den Garagen verschwinden. Zuletzt sollte gar der heimische Kamin geschlossen werden. Wie wäre es mit einem Feuerwerksverbot an Silvester oder der Untersagung von Grillpartys?

Autoindustrie zahlt die Zeche

Den Fahrzeugherstellern, dereinst vollmundige Versprechen zur Reduzierung von Abgasen machend und deshalb mitschuldig an der Misere, sollen Grenzwerte für ihre Vehikel verordnet werden, die sie zumindest in dem vorgegebenen Zeitrahmen nicht erreichen können. Die Autoindustrie – und hier vor allem die in Deutschland ansässigen Händler – zahlt schon die Zeche. Die Kunden sind nachhaltig verunsichert, der Fahrzeugabsatz ist trotz großzügiger Rabatte eingebrochen.

Immerhin: Eigentlich müssen seit 2005 europaweit Feinstaub-Grenzwerte eingehalten werden. Städte mit ungünstigen Ausgangsbedingungen, etwa in Kessellagen oder an Autobahnen, können nun aber Übergangsfristen bis 2011 beantragen. Und das Europäische Parlament hat sich gerade dafür ausgesprochen, die geplanten schärferen Grenzwerte für Kohlendioxidemissionen aus Autos nicht im Jahr 2012, sondern erst 2015 verbindlich werden zu lassen. Außerdem soll der Grenzwert für den Kohlendioxidausstoß von 120 Gramm je Kilometer auf 125 Gramm angehoben werden. Nun gilt es noch, durch den Ausbau der Infrastruktur unnötiger Standzeiten in den Städten und des unerträglich dichten Lastwagenverkehrs auf den Autobahnen Herr zu werden.

Effiziente Antriebe und abgasarme Motoren sind mit der Zukunft des Automobils untrennbar verbunden und ein gewichtiges Kaufargument im Wettbewerb. Das ist das Verdienst dieser Debatte. Sie sollte aber mit mehr Augenmaß in vernünftige Bahnen gelenkt werden. Damit sie nicht unnötig Arbeitsplätze hinwegfegt wie der Wind den Feinstaub.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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