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Lufthansa Mayrhuber tritt nach Absage doch an

Das Chaos in der Chefetage der Lufthansa kann größer kaum sein. Zuerst hieß es, der ehemalige Lufthansa-Chef Mayrhuber werde nicht das Spitzenamt im Aufsichtsrat übernehmen. Jetzt kandidiert er doch.

© Röth, Frank Wolfgang Mayrhuber

Der frühere Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber kandidiert doch für das Spitzenamt im Aufsichtsrat. Das teilte das Unternehmen am Montagabend in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit. Auf Druck von ausländischen Investoren hatte Mayrhuber seine Kandidatur für das Kontrollgremium zunächst zurückgezogen, teilte die Lufthansa am Montagmorgen noch mit. Am Abend hieß es jedoch, Mayrhuber wolle die Auflagen der Investoren erfüllen.

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Im Vorgriff auf die Hauptversammlung der Lufthansa, die am Dienstag in Köln stattfindet, sollte ein Nachfolger für den seit 2003 amtierenden Chefkontrolleur Jürgen Weber präsentiert werden. Dabei hatte Mayrhuber, der Wunschkandidat Webers ist und bis 2010 an der Spitze des Konzernvorstands stand, die besten Chancen. Nach seinem überraschenden Rückzug wollte die Lufthansa noch am Montag einen neuen Kandidaten präsentieren.
Der erste Rückzug Mayrhubers erfolgte auf Druck namhafter Großaktionäre. Während Investoren wie Union Investment und Templeton frühere Entscheidungen Mayrhubers monierten, störten sich die Vertreter ausländischer Aktionäre an der Vielzahl der Aufsichtsratsmandate des 66 Jahre alten Österreichers.

Um die in Deutschland geltenden Gebote für eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance) zu erfüllen, hatte der ehemalige Vorstandsvorsitzende den Lufthansa-Konzern zwar für zwei Jahre verlassen. Doch in dieser Zeit sammelte der designierte Chefaufseher rund ein Dutzend Kontrollposten bei anderen Unternehmen. Vor allem die einflussreiche Beratungsgesellschaft Institutional Shareholder Services (ISS) störte sich an dieser Praxis. Sie empfahl den von ihr betreuten Lufthansa-Aktionären (die rund 36 Prozent halten), den Einzug Mayrhubers in den Aufsichtsrat nicht zu unterstützen.

Nicht nur die Lufthansa, sondern auch andere Konzerne in Deutschland müssen mit dem wachsenden Einfluss ausländischer Aktionäre rechnen. ISS berät nach eigenen Angaben große institutionelle Investoren, also Hedgefonds, Investmentfonds, Pensionskassen und Lebensversicherer, bei der Abstimmung auf Hauptversammlungen und vertritt sie häufig auch in der Stimmabgabe. Diese Investoren haben oft nicht die Zeit und das Personal, um selbst auf alle Aktionärsversammlungen von Unternehmen zu gehen, an denen sie beteiligt sind. Gegründet wurde die in der Nähe von Washington ansässige Organisation 1985 von Robert Monks.

Seit dem Jahr 2010 gehört ISS zum Informationsdienst MSCI, der unter anderem eine bekannte Gruppe internationaler Aktienindizes berechnet. ISS ist in den Vereinigten Staaten die größte Gesellschaft ihrer Art mit einem geschätzten Marktanteil von rund 60 Prozent, gefolgt vom Konkurrenten Glass Lewis. Auch in Europa soll der Marktanteil in diesem Rahmen liegen. Insgesamt berät ISS auf der ganzen Welt rund 1700Kunden, davon gut 250 in Europa. Nach Schätzungen beeinflusst ISS häufig 10 Prozent bis 30 Prozent der Stimmen. Das gibt der Gesellschaft vor allem bei Unternehmen Einfluss, deren Aktien sich zu einem Großteil im Streubesitz befinden, die also keine dominierenden Großaktionäre haben.

Die Lufthansa ist nicht das erste deutsche Unternehmen, bei dem ISS das Ergebnis beeinflusst. Im vergangenen Jahr hatte der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, seine Kandidatur zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank nach heftigem Widerstand zurückgezogen. Auch hier monierte ISS einen Verstoß gegen die Gebote guter Unternehmensführung. Die Organisation beriet anfangs nur angelsächsische Investoren. Vor acht Jahren kauften sie die belgische Gesellschaft Deminor und bekamen einige europäische Kunden.

Quelle: F.A.Z.

 
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