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Lufthansa-Chef Carsten Spohr : „Uns alle möglichen Gemeinheiten zu unterstellen ist absurd“

Lufthansa-Chef Carsten Spohr wehrt sich gegen Kritik an seiner Airline. Bild: Wolfgang Eilmes

Im Übernahme-Poker um Air Berlin hat die Lufthansa heftige Kritik einstecken müssen. Ihr Chef Carsten Spohr wehrt sich im Gespräch mit der F.A.S. dagegen und verkündet erstmals, wie stark seine Airline profitiert hat.

          Die Lufthansa hat erstmals beziffert, wie stark sie von der Insolvenz des Konkurrenten Air Berlin profitiert hat. „Natürlich bestreite ich nicht, dass das Ausscheiden von Konkurrenten positiven Einfluss auf unser Ergebnis hat“, sagte ihr Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Wir dürften ungefähr ein Viertel des Umsatzes von Air Berlin für uns gewinnen, das wären für Oktober bis Dezember grob etwa 150 Millionen Euro zusätzlicher Umsatz.“ Allerdings stünden auch erhebliche zusätzliche Kosten dagegen. Air Berlin hat im August Insolvenz angemeldet und Ende Oktober den Flugbetrieb eingestellt.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Insolvenz bedauert Spohr nicht. „Wenn ein Unternehmen in der sozialen Marktwirtschaft jahrelang subventioniert wird und trotzdem nur Verluste macht, dann gehört es nicht auf den Markt.“ Auf die Kritik am Vorgehen der Lufthansa im Übernahme-Poker entgegnete er: „Uns alle möglichen Gemeinheiten zu unterstellen ist absurd. Das Wohl der Lufthansa hängt übrigens nicht an innerdeutschen Strecken, denn die machen weniger als fünf Prozent unseres Konzernumsatzes aus.“ Von einem Monopol könne keine Rede sein, denn innerdeutsch gebe es auch die Wettbewerber Bahn und den Fernbus. Zudem starte von Januar an der britische Billigflieger Easyjet auf vier innerdeutschen Strecken. „Für uns wird das ein härterer Wettbewerber, als Air Berlin es je war.“

          Lufthansa wies auch abermals den Vorwurf zurück, die Ticketpreise nach der Insolvenz in die Höhe getrieben zu haben. „Von 140 ehemaligen Air-Berlin-Flugzeugen stehen 90 am Boden. Wir haben nicht genug Flugzeuge, um die Folgen dieser Sondersituation abzufedern.“ Er rechne fest damit, dass die Ticketpreise schon im Januar wieder sinken würden, wenn die Zahl der Flüge erhöht werde. Er machte aber wenig Hoffnung, dass die Preise dauerhaft weiter fallen wie in der Vergangenheit. „Die historischen Tiefstpreise sehen wir hoffentlich nicht mehr, die Flugtickets in Europa sind über Jahre so weit gesunken, dass keine Airline vernünftig davon leben konnte. Wenn die Taxifahrt zum Flughafen mehr kostet als der Flug selbst, ist Fliegen zu billig.“

          Spohr erwartet für dieses Jahr einen Rekordgewinn. Ein Drittel davon sei Folge steigender Marktanteile durch ein verbessertes Angebot. Ein weiteres Drittel sei der guten Lage der Weltwirtschaft zu danken, weswegen die Nachfrage wächst. Und das letzte Drittel gehe auf niedrigere Kosten zurück, beispielsweise durch die Tarifeinigung mit den Piloten und anderen Mitarbeitern. Spohr bestätigte, dass die Billigtochtergesellschaft Eurowings 2017 erstmals schwarze Zahlen schreiben wird. Für 2018 ist er optimistisch: „Bei den Passagierzahlen erwarten wir auch für das nächste Jahr einen Rekord, wir wachsen mit hohem Tempo. Nächstes Jahr werden wir 8000 neue Mitarbeiter einstellen.“

          Lufthansa wird für den Kauf der Air-Berlin-Tochtergesellschaft Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) 18 Millionen Euro bezahlen, bestätigte Spohr. Damit könnte ein weiterer Teil des Überbrückungskredits der Bundesregierung an Air Berlin zurückgezahlt werden. Bisher wurden 40 Millionen überwiesen. Damit kann der Staat nach derzeitigem Stand etwas weniger als die Hälfte des 150-Millionen-Euro-Kredits zurückerwarten. Der Kredit mag „ordnungspolitisch nicht die reine Lehre sein, aber als Staatsbürger fand ich es richtig, zumal den Rücktransport der Urlauber wohl auch der Staat bezahlt hätte“, sagte Spohr.

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