09.06.2002 · Firmenchef und Aktionäre von Cargolifter proben den Schulterschluss. Verzweifelt wird nach Wegen gesucht, den insolventen Luftschiffbauer zu retten.
Das muss man Cargolifter-Chef Carl von Gablenz lassen: Er kämpft bis zum Letzten um seine Idee. Auch nach dem Insolvenzantrag der AG vom Freitag will Gablenz nicht das Handtuch schmeißen.
Im Gegenteil - jetzt könne in Ruhe nach Lösungen gesucht werden, um den Luftschiffbauer auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, sagte der Logisitk-Professor am Wochenende auf einem Informationstag der Aktionärs-Initiative „Zukunft in Brand“. Hartnäckig hält Gablenz an seinem Ziel fest, das Transport-Luftschiff CL 160 zu bauen. „Nur das Luftschiff selbst hat die großen Potenziale“, betonte er vor den Anteilseignern.
Hoffen auf öffentliche Mittel
Zur neuen finanziellen Basis gehören für den Firmenchef Mittel von Land und Bund, von neuen Investoren und Aktionären. Nach seinen Angaben gibt es weiter intensive Gespräche zu möglichen Lösungen. „Es gibt so viele Ansätze.“ Das Unternehmen brauche die durch den Insolvenzantrag geschaffene Atempause, um die Möglichkeiten auszuloten. Bei dem Unternehmen, das jetzt aus Kostengründen vollständig vom bisherigen Hauptsitz Berlin zur Werft nach Brand umzieht, stehen insgesamt 500 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Warum die Politik nach dem Insolvenzantrag plötzlich Gelder in das Projekt schießen sollte, die sie zuvor nicht bereit war zu geben, ließ Gablenz offen. Bei den leidgeprüften Aktionärsvertretern stieß die Rede von Gablenz jedenfalls auf Zustimmung. So schob auch „Zukunft in Brand“ der Politik die Hauptschuld beim Absturz von Cargolifter zu. Mitinitiator Mirko Hörmann vermutete, im Bundeswirtschaftsministerium seien Unterlagen des Unternehmens für finanzielle Hilfen nicht ernsthaft geprüft worden. So gebe es das vom Ministerium angeführte Gutachten nicht, das die finanzielle und technische Machbarkeit des Luftschiffes CL 160 anzweifele, sagte er.
Aktionäre setzen Zeichen
Auf der Suche nach Geld hatte die AG in Politik und Wirtschaft zahlreiche Absagen erhalten. Möglicherweise habe auch Cargolifter die Informationsarbeit in den entscheidenden politischen Gremien vernachlässigt, sagte Hörmann. Von Gablenz sei „teilweise mit zu gutem Glauben in die Gespräche gegangen“.
Die Initiative hatte zu dem Aktionstag auf das Werftgelände geladen, um Solidarität mit Cargolifter zu bekunden. Dazu kamen jedoch mit schätzungsweise einigen hundert Besuchern weniger als erwartet. Bislang investierten rund 72.000 Aktionäre Geld in Projekte von Cargolifter. Rund 300.000 Euro gingen bislang auf das von der Initiative gebildete Treuhandkonto zur Rettung von CargoLifter ein. „Das ist ein Zeichen“, sagte Hörmann. Die Aktionäre wollen rund sieben Millionen Euro für das Unternehmen sammeln.
Hilfe vom Landkreis
Unabhängig davon will der Landkreis Dahme-Spreewald den Standort zu einem Kompetenzzentrum für Luftfahrt und Technologie machen, wenn alle anderen Rettungsbemühungen scheitern. „Wir haben eine eigene Idee entwickelt", sagte der Landrat des Landkreises, Martin Wille, auf der Veranstaltung. Dabei werde die Entwicklung des 260 Meter langen Transport-Luftschiffs CL 160 weiter betrieben, die Cargolifter aufgrund der akuten Finanznot einstweilen auf Eis gelegt habe.
Die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft sei bereit, Cargolifter einen Teil des Betriebsgeländes abzukaufen und anschließend an das Unternehmen zu vermieten, sagte der Landrat. Dies brächte dem Insolvenzverwalter Cargolifters, Rolf-Dieter Mönning, nach Willes Schätzung rund sieben Millionen Euro in die Kasse.
Technisches Know-how soll gehalten werden
Anschließend schwebt dem Landrat die Ausgliederung einzelner Unternehmensteile aus der Cargolifter AG vor, darunter die Gesellschaft der ebenfalls insolventen Entwicklungseinheit für das Luftschiff. Es würden mehrere Auffanggesellschaften für mehr als die Hälfte der rund 500 Beschäftigten gegründet, sagte Wille. Deren Personalkosten könnten über Förderprogramme teilweise übernommen werden. Zu einem späteren Zeitpunkt bestehe dann die Möglichkeit einer Landesförderung.
„Es ist das Ziel, das enorme technische Know-how am Standort zu halten", sagte der Landrat. Cargolifter hatte am Freitag den Insolvenzantrag für die Muttergesellschaft eingereicht. Eine Woche zuvor hatte bereits die mit der Luftschiffentwicklung betraute wichtigste Tochter die Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Cottbus angemeldet. Diese Gesellschaft mit gut 280 Beschäftigten könnte laut Wille erhalten bleiben und als Forschungsbetrieb weiter am Schwerlasttransporter CL 160 arbeiten. Cargolifter-Vorstandschef Carl von Gablenz hatte den Transporter stets als „Flaggschiff“ des Unternehmens bezeichnet.
Wenn sein Vorschlag umgesetzt werde, würden einerseits die laufenden Kosten Cargolifters verringert, andererseits würde neues Kapital in das Unternehmen fließen, sagte Wille. Zwischen dem Landkreis und dem Insolvenzverwalter gebe es bisher jedoch noch keinen Kontakt, räumte der Landrat ein.
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