11.10.2006 · Deutschland soll nach Meinung der französischen Regierung aktiv zur Bewältigung der Krise bei Airbus beitragen. Allerdings wollen die Franzosen den deutschen Staat nicht dazu zwingen, bei EADS einzusteigen.
Frankreich bittet Deutschland um aktive Hilfe bei der Lösung der Krise beim europäischen Flugzeughersteller
Airbus. Deutschland solle jedoch nicht zu einem Einstieg beim Airbus-Mutterkonzern EADS gezwungen werden, sagte ein Vertrauter des französischen Präsidenten Jacques Chirac am Mittwoch. Am Donnerstag wollen deutsche und französische Regierungsmitglieder in Paris über einen Ausweg aus der Krise beraten.
Airbus war wegen anhaltender Verzögerungen beim Superjumbo A380 in Schwierigkeiten geraten. „Wir hoffen auf ein politisches Engagement Deutschlands und darauf, daß dieses Engagement länger anhält“, sagte der
Chirac-Vertraute. Es sei jedoch Deutschland überlassen, wie dieses Engagement aussehe. Frankreich verhandele zudem weiterhin mit Spanien über eine höhere Beteiligung an EADS. Deutschland hatte zuletzt einen Einstieg der KfW bei EADS nicht mehr ausgeschlossen.
Französische Regierung will Arbeitsteilung aufrecht erhalten
Die französische Regierung will die Arbeitsteilung zwischen Deutschland und Frankreich beim Flugzeugbauer Airbus nicht grundlegend in Frage stellen. Es werde „keine brutale Änderung der Orientierung“ bei der Verteilung der Aufgaben geben, sagte Industrieminister François Loos am Mittwoch dem Pariser Radiosender BFM. „Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern und die zahlreichen Werke, die an der Verwirklichung teilnehmen, ist etwas, was sich nicht ändern wird, etwas, was sich langsam entwickeln wird.“
„Die Sachkenntnis, die es in Deutschland gibt, ist eine Sachkenntnis, die verstärkt werden muß“, sagte Loos offenbar mit Blick auf die Probleme im Werk Hamburg bei der Verkabelung der Elektrik im Super-Airbus A380. „Sie muß verbessert werden.“ Auf die Frage, ob Airbus nur ein Konzernproblem oder ein deutsch-französisches sei, sagte der Minister: „Beides“. Im Gegensatz zu Deutschland ist der französische Staat selbst mit 15 Prozent an der Airbus-Mutter EADS beteiligt.
Spekulationen über Werksverkäufe dementiert
Der französische Co-Verwaltungsratsvorsitzende, Arnaud Lagardère, sagte der Zeitung „Les Echos“, die notwendigen Milliardeneinsparungen wegen der Lieferverzögerungen beim Super-Airbus A380 erforderten Einschnitte „in Frankreich wie in Deutschland“. Zu dem Sparplan „Power 8“ gebe es keine Alternative. Dieser werde zwangsläufig zu Stellenstreichungen führen.
Airbus selbst hatte am Mittwoch vormittag nachdrücklich einen Bericht über den Verkauf von fünf deutschen Standorten dementiert. „Das stimmt überhaupt nicht, das sind alles Spekulationen“, sagte Airbus-Sprecherin Barbara Kracht am Mittwoch auf Anfrage in Toulouse. „Ich weiß gar nicht, wo der Bericht herkommen kann, im Moment ist davon überhaupt nicht die Rede.“
6600 Mitarbeiter in fünf Werken
Die „Bild“-Zeitung hatte unter Berufung auf Insider berichtet, Airbus wolle sich von Werken in Niedersachsen und Baden-Württemberg trennen. Betroffen seien von diesem Schritt insgesamt 6600 Beschäftigte, berichtet die „Bild“-Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe. In dem Zeitungsbericht waren die Werke in Nordenham, Stade, Varel, Buxtehude und Laupheim erwähnt.
Diese sollten zügig an Investoren verkauft und kostengünstiger als bisher als Zulieferer für Airbus weiterbetrieben werden. Die Beschäftigten sollten zwar ihre Arbeitsplätze behalten, müßten sich aber auf schlechtere Tarifbedingungen einstellen, hieß es unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen weiter.
Politik: Keine Benachteiligung deutscher Standorte
Unterdessen streiten SPD und Union um einen staatlichen Einstieg bei EADS. „Aus ordnungspolitischen Gründen sollte nicht der Staat eingreifen. Die Anteile sollten in privater Hand bleiben“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Laurenz Meyer (CDU), der „Berliner Zeitung“. Wichtig sei es aber, daß die deutschen Anteile an EADS in Deutschland gehalten würden. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler befürwortete dagegen den Einstieg der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bei EADS. Damit könne der „Einfluß Deutschlands in diesem industriepolitisch zentral wichtigen Unternehmen“ gewahrt werden, sagte Stiegler.
Beide Politiker warnten angesichts des drohenden Stellenabbaus bei Airbus vor einer Benachteiligung der deutschen Standorte. Es müsse sichergestellt werden, daß das französische Management „nicht alles an sich reißt“, sagte Stiegler. Bei Kürzungen müsse es eine faire Lastenverteilung zwischen den deutschen und den französischen Standorten geben. Auch Meyer warnte: „Arbeitsplätze dürfen nicht einseitig in Deutschland abgebaut werden.“ Der neue Airbus-Chef müsse erkennen, daß es sich bei EADS und auch bei Airbus um ein Gemeinschaftsunternehmen handele. „Das bedeutet, daß die Befindlichkeiten auf beiden Seiten berücksichtigt werden müssen“, sagte Meyer. Er warnte davor, das Management einseitig französisch auszurichten. „Die deutsche Seite muß weiter im Management verankert bleiben“.
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