http://www.faz.net/-gqe-77emh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 04.03.2013, 18:37 Uhr

Luftfahrt „Frankfurt ist bei den Gebühren Spitze“

Schlechte Nachrichten für den Frankfurter Flughafen: Zum Winterflugplan verschiebt die Fluggesellschaft Condor Starts von ihrem Heimatflughafen nach München. Dort sind die Start- und Landegebühren niedriger.

von
© Eilmes, Wolfgang Condor-Chef Teckentrup

„Wir werden zwei Flugzeuge von Frankfurt nach München verlagern“, bestätigte der Vorsitzende der Condor-Geschäftsführung Ralf Teckentrup im Gespräch mit der F.A.Z. Zuletzt hatte Condor keine Langstreckenflüge ab München im Programm, nun werden zwei Boeing-767-Flugzeuge dort stationiert.

Timo Kotowski Folgen:

Das Nachtflugverbot in Frankfurt ist laut Teckentrup nicht letztlich ausschlaggebend für den Strategieschwenk. Vielmehr sind es Kostengründe. „Frankfurt ist hinsichtlich des Verkehrsaufkommens und der Passagierzahlen der erfolgreichste deutsche Flughafen, er ist aber auch bei den Gebühren Spitze“, sagte er. Laut den Entgeltordnungen der Flughäfen fällt für eine startende Passagiermaschine in Frankfurt ein Grundentgelt von 2,50 Euro je Tonne an, in München sind es 2,38 Euro. Dazu kommen Gebühren für Lärm, Emissionen, Passagiere und die Sicherheit, die weiter auseinanderliegen. So muss eine Gesellschaft in Frankfurt ein Sicherheitsentgelt von 1,21 Euro je Passagier zahlen, in München sind es 66 Cent. Branchenkreisen zufolge führt das dazu, dass ein Start einer Langstreckenmaschine in Frankfurt mehr als 12.000 Euro kostet, in München knapp 9000 Euro.

Mehr zum Thema

Teckentrup schließt weitere Verlagerungen nicht aus. „Wir gucken uns die Passagierentwicklung an und entscheiden dann, ob wir zum Winter 2014 etwas verändern werden.“ Auch das Nachtflugverbot könnte dann eine Rolle spielen. „Die Langstrecken sind davon weniger betroffen, das Flugverbot verschlechtert unsere Wettbewerbsfähigkeit auf Kurz- und Mittelstreckenflügen.“ Weil in Frankfurt zwischen 23 und 5 Uhr keine Starts erlaubt sind, kann ein Flugzeug nicht zweimal am Tag zu den Kanarischen Inseln und zurück fliegen.

Teckentrup fordert, im deutschen Luftverkehr faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Durch die Luftverkehrsabgabe und den Emissionshandel sieht sich die Branche ohnehin stark belastet. Er will es aber nicht zum Streit kommen lassen. Im vergangenen Jahr hatten Forderungen nach Gebührensenkungen aus dem Lufthansa-Konzern die Flughäfen verärgert. „Wir müssen uns in der Branche zusammensetzen und gemeinsam überlegen, wie wir Prozesse effizienter gestalten können. Alle Partner müssen ihren Beitrag dazu leisten“, sagte der Condor-Chef.

Derweil arbeitet der Mutterkonzern Thomas Cook an einer Vernetzung seiner Fluglinien. Künftig sollen deren Strecken enger abgestimmt werden, so dass Urlauber der Konzerngesellschaften mehr Reisemöglichkeiten bekommen. Veränderungen im Condor-Konzept, das anders als in den drei Schwestergesellschaften auch Nischenziele wie Alaska und Burma umfasst, soll es nicht geben. Im Geschäftsjahr 2011/12 hatte Condor mit 38 Flugzeugen einen bereinigten operativen Gewinn von 35,7 Millionen Pfund (41 Millionen Euro) erzielt – halb so viel wie im Jahr zuvor.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Frankfurter Flughafen Fraport will mehr Billigflieger

Bei der Hauptversammlung des Flughafenbetreibers freuen sich die Aktionäre über gute Zahlen. Doch Fraport-Chef Schulte warnt vor unruhigen Zeiten. Mehr Von Daniel Schleidt, Frankfurt

21.05.2016, 19:54 Uhr | Rhein-Main
Verdi Warnstreiks an deutschen Flughäfen

Wegen des Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi im Öffentlichen Dienst sind an deutschen Flughäfen zahlreiche Flüge gestrichen worden. Allein die Lufthansa in Frankfurt hat für Mittwoch fast 900 der geplanten 1500 Flüge abgesagt. Mehr

27.04.2016, 10:56 Uhr | Wirtschaft
Flugzeug-Absturz im Mittelmeer Schiffe und Flugzeuge suchen nach Egypt-Air-Maschine

Das vermisste Flugzeug der Egypt Air ist nach Angaben des ägyptischen Luftfahrtministeriums offenbar abgestürzt. Unklar ist, ob es sich um technisches Versagen oder einen Anschlag handelt. Mehr Von Christoph Ehrhardt, Beirut

19.05.2016, 14:08 Uhr | Gesellschaft
Wostotschny Start vom neuen Weltraumbahnhof

In Wostotschny ist der erste Start vom neuen Weltraumbahnhof aus gelungen. Künftig sollen von Wostotschny aus Astronauten der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und der europäischen Raumfahrtagentur Esa starten. Mehr

28.04.2016, 16:53 Uhr | Wissen
Vermisste EgyptAir-Maschine Wrackteile stammen nicht von vermisstem Flugzeug

Ein ägyptisches Passagierflugzeug verschwindet auf dem Flug von Paris nach Kairo. Eine Suchaktion nach Wrackteilen hat bisher noch keinen Erfolg gebracht. War es ein Anschlag? Mehr Von Christoph Ehrhardt und Michaela Wiegel, Beirut/Paris

19.05.2016, 15:56 Uhr | Gesellschaft

Big Data für die Ernährung

Von Carsten Knop

Monsanto – das ist für viele Menschen auf dem ganzen Erdball die diabolische Verkörperung des Bösen in Gestalt eines Konzern. Wird sich Bayer die Finger verbrennen? Mehr 17


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 56

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden