Die Fluggesellschaft Etihad Airways aus Abu Dhabi wird größter Einzelaktionär des deutschen Anbieters Air Berlin. Wie die Unternehmen am Montag mitteilten, soll Etihad künftig nicht mehr knapp 3 Prozent, sondern 29,21 Prozent der Anteile an Air Berlin halten. Hartmut Mehdorn, der Vorstandsvorsitzende von Air Berlin, beschrieb das neue Bündnis als strategischen Wurf, der dem Lufthansa-Rivalen wichtigen Zugang zu neuen Märkten in Übersee sowie weiteres Sparpotential eröffne.
Zunächst sollen laut Mehdorn die Streckennetze und Vielflieger-Programme der beiden Unternehmen gebündelt werden. Während Air Berlin gegenwärtig seine jährlich 34 Millionen Passagiere mit einer Flotte von 160 Maschinen zu 171 Destinationen in 45 Ländern befördert, ist der Partner aus Abu Dhabi zurzeit nur mit sieben Millionen Fluggästen im Jahr unterwegs, verfügt über rund 100 Airbus- und Boeing-Flugzeuge und hat etwa 82 Flugziele im Programm. In dem neuen Verbund soll das gemeinsame Streckennetz 239 Flugziele umfassen.
Ehrgeizige Wachstumsziele
Etihad Airways, die drittgrößte Fluggesellschaft der Golfregion, hat im vergangenen Geschäftsjahr bei 1,1 Milliarden Dollar Umsatz einen Verlust ausgewiesen, steckt sich nach den Worten von Vorstandschef James Hogan aber ehrgeizige Wachstumsziele und will im laufenden Jahr einen Gewinn erwirtschaften. Der 54 Jahre alte Manager mit australischem Pass will dazu allein bis 2025 den Bestand seiner Flotte auf bis zu 170 Jets ausweiten, wobei die Fluggesellschaft auch zum größten Betreiber von „Dreamliner“-Flugzeugen aufsteigen wird. Die vom Hersteller Boeing entwickelte Langstreckenmaschine gilt aufgrund neuer Triebwerke und eines völlig neu konstruierten Flugzeugrumpfes als effizient und klimaschonend.
Für Hogans neuen Geschäftspartner Mehdorn ist die gemeinsame Wartung der Dreamliner-Flotten ein guter Beleg für das gemeinsame Ziel, Kosten zu senken. Dabei wird das gemeinsame Sparpotential auf bis zu 40 Millionen Euro im Jahr taxiert. Trotz der guten Perspektiven mit dem Partner aus der Golfregion werde es am Sparkonzept von Air Berlin keine Abstriche geben, sagte Mehdorn in Berlin. Um die Verluste im Tagesgeschäft einzudämmen, sieht sein Plan die Auslese unrentabler Flugrouten im deutschen und europäischen Streckennetz ebenso vor wie einen Abbau der Flotte um 10 Prozent. Durch das Sparprogramm mit dem Namen „Shape & Size“ sollte das operative Ergebnis bis Ende 2012 um bis zu 200 Millionen Euro verbessert werden. Aufgrund der schwachen Buchungslage in den Wintermonaten sowie der hohen Belastung über die seit Jahresbeginn geltende Flugsteuer in Deutschland soll das Sparvolumen sogar auf bis zu 250 Millionen Euro erhöht werden, heißt es im Umfeld des Unternehmens.
Das bisherige Geschäftsmodell soll bestehen bleiben
Die starke Anbindung an Etihad werde weder das bisherige Geschäftsmodell von Air Berlin noch den Plan verändern, der internationalen Service-Allianz „One World“ beizutreten, sagte der Vorstandschef, der im September seinen Amtsvorgänger Joachim Hunold auf dem Chefsessel in Berlin ablöste. Das einst von Firmengründer Hunold entwickelte Konzept sieht vor, Touristen in ausgewählte Urlaubsdestination zu befördern und gleichzeitig Geschäftsreisende als langjährige Stammkunden der Lufthansa abzuwerben. Irritationen unter den „One World“-Partnern habe die Änderung im Aktionärskreis von Air Berlin nicht hervorgerufen, beteuert Mehdorn. Das Bündnis wird von British Airways und Iberia geführt. Gleichzeitig konkurriert das „One World“-Mitglied Qantas mit Etihad auf Langstrecken zwischen Australien und Asien.