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London Aufräumen mit Twitter

09.08.2011 ·  Soziale Netzwerke spielen eine Schlüsselrolle bei den Krawallen. Aber nicht nur Randalierer kommunizieren. Auch Putzaktionen wurden binnen Stunden über Twitter und Facebook organisiert.

Von Marcus Theurer, London
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„Wir wollen ein positives Zeichen setzen“, sagt Roberta Burke, den Kehrbesen in der Hand - und damit ist die Rentnerin nicht allein. Es ist Dienstagmorgen gegen zehn Uhr und vor der U-Bahnstation Chalk Farm im Londoner Stadtteil Camden haben sich rund 25 Anwohner zu einer spontanen Putzaktion zusammengefunden.

Bewaffnet mit Besen, Eimern und Kehrschaufeln wollen sie ein Zeichen setzen gegen die brutale Gewalt der Straßenkrawalle, die in den vergangenen drei Nächten die britische Hauptstadt und inzwischen auch andere Großstädte im Land wie Liverpool und Birmingham erschüttern. Mütter mit kleinen Kindern an der Hand sind darunter, junge Berufstätige, die wegen der Aktion später zur Arbeit gehen und Pensionäre wie Burke.

„Let´s clean up London“

Die Putztruppe in Camden ist am Dienstagvormittag nur eine von vielen, die in London unterwegs sind. Über Twitter und Facebook haben sie sich binnen Stunden organisiert. Aufrufe wie „Let´s clean up London“ („Lasst uns aufräumen in London“) werden von tausenden von Bürgern auf ihren Smartphones verfolgt. Es ist eine spontane Demonstration des Gemeinsinns gegen die nächtliche Anarchie auf den Straßen.

„Daran können Sie sehen, dass soziale Netzwerke nicht nur zerstörerisch eingesetzt werden können, sondern auch für gute Zwecke“, sagt Burke. Vor einer Stunde saß sie noch in ihrer Wohnung, gleich um die Ecke, und hat mit Grauen die Fernsehberichte über die Gewaltexzesse der Nacht angeschaut. Dann hat die pensionierte Universitätsdozentin den Twitter-Aufruf gelesen und ist sofort losgezogen.

Krawallmacher nutzen den geschlossenen Chat-Dienst Blackberry Messenger

Facebook, Twitter und der Nachrichtendienst Blackberry Messenger spielen eine Schlüsselrolle bei den Krawallen. Die in immer mehr Londoner Stadtteilen durch die Straßen randalierenden Jugendgangs, die blindwütig Geschäfte plündern, Autos anzünden und sogar ganze Häuserblocks niederbrennen, kommunizieren über die sozialen Netzwerke und organisieren so ihre Attacken.

Vor allem der Blackberry Messenger (BBM), ein Nachrichtendienst für die Nutzer des gleichnamigen Smartphones, scheint für die Gewalttäter das Mittel der Wahl zu sein: Anders als die öffentlichen Netzwerke Facebook und Twitter können via BBM verschlüsselte Nachrichten an eine geschlossene Gruppe von Empfängern verschickt werden, ohne dass Außenstehende diese Nachrichten einsehen können. „Treffen wir uns um sieben in Stratford Park und werden reich“, lautete einer der Aufrufe zur Plünderung von Geschäften in einem Londoner Stadtteil.

Blackberry-Hersteller RIM will mit Polizei kooperieren

Der kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) hat inzwischen angekündigt, mit der Polizei zu kooperieren. „Wir tun alles was in unserer Macht steht, um den Behörden zu helfen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Ob RIM allerdings überhaupt in der Lage ist, die verschlüsselten Nachrichten seiner Kunden zu entziffern, ist unklar. Die Polizei wird bereits dafür kritisiert, dass sie das Potential von Twitter zur Eindämmung und effektiven Bekämpfung der Krawalle nicht ausreichend nutze. „Wir müssen uns anpassen und aus unseren Erfahrungen lernen“, räumte ein Polizei-Sprecher in der BBC ein.
Für die Putztruppe in Camden gibt es derweil an diesem Vormittag nicht allzu viel zu tun. Zwar wurden auch hier in der Nacht ein Fahrradladen und ein Supermarkt verwüstet, aber die Polizei hat die Tatorte abgesperrt, um Spuren zu sichern. Via Twitter kommt die Nachricht an, dass es in Clapham, im Süden von London, womöglich mehr aufzuräumen gebe und die Gruppe setzt sich mit ihren Eimern und Besen in die U-Bahn. „Wir wollen etwas tun“, sagt die Rentnerin Burke.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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