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Unwetterfolge : Lokführer in Angst vor umstürzenden Bäumen

Die Sorge vor umfallenden Bäumen geht um. Bild: dpa

Starke Stürme fordern die Deutsche Bahn zu mehr Vegetationspflege heraus. In Sachsen wird eine Strecke gerade nicht mehr befahren. Und das ist noch nicht alles.

          Nach den schweren Herbststürmen Xavier und Herwart waren im Oktober viele Bahnstrecken tagelang gesperrt, weil umfallende Bäume Gleise blockiert und Oberleitungen beschädigt hatten. An diesem Mittwoch teilte die Städtebahn Sachsen mit, sie werde „bis auf weiteres die Strecke Heidenau–Altenberg nicht mehr befahren und den Zugbetrieb sofort einstellen“. Allein am Dienstag seien drei Züge der Städtebahn nach Stürmen mit Bäumen kollidiert. Dabei seien nach Aussagen der Lokführer Scheiben vorn und an der Seite zerstört worden.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          In einem Brief an die Netzgesellschaft der Deutschen Bahn wählt Städtebahn-Geschäftsführer Torsten Sewerin klare Worte: „Ich weise auf den mangelnden Vegetationsschnitt der unsererseits befahrenen Infrastruktur hin. DB Netz AG zerstört durch die Bäume im Gleis zunehmend unsere Fahrzeugflotte. Unsere Lokführer verweigern sich, die Strecken nach Altenberg, Sebnitz und Königsbrück zu befahren, da sie Angst um Ihre Gesundheit haben.“

          Anpassen an „Extremwetterereignisse“

          Nach den Herbststürmen hatte die Deutsche Bahn den Beschnitt von Bäumen und Sträuchern entlang ihren Strecken verteidigt. Die Kritik, sie kümmere sich nicht genug um die Vegetationspflege, wies sie zurück. Es werde auf ausreichenden Abstand zwischen Bäumen und Gleis von mindestens sechs Metern geachtet. Gleichzeitig hatte Bahn-Chef Richard Lutz im Dezember angekündigt, die Anstrengungen für eine bessere Baumpflege noch zu intensivieren.

          In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen berichtet das Bundesverkehrsministerium jetzt, von Anfang 2015 bis Ende 2017 seien 830 Schadensfälle nach Stürmen aufgelistet worden. 3000 der insgesamt 34.800 Kilometer Schienenwege in Deutschland verliefen durch Wald. 1080 Bahn-Mitarbeiter – zur Hälfte Forstwirte – seien mit der Vegetationspflege beschäftigt. In diese Aufgabe habe die Bahn im Jahr 2016 ungefähr 110 Millionen Euro investiert.

          Im Programm „Hot Spots Vegetationen“ würden besonders gefährdete Streckenabschnitte bearbeitet. Schon heute werde auf Strecken „ohne präventive Vegetationspflege“ bei Sturmwarnung das Zugtempo auf 80 Kilometer in der Stunde reduziert. „Ab 2018 wird das Vegetationskonzept der Bahn an die Herausforderungen, die aus den Extremwetterereignissen resultieren, angepasst“, schreibt Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU). Dabei gehe es auch um regionale Differenzierungen. Zur Frage, ob die Vorgaben für den Baumschnitt an die strengeren Regeln für Fernstraßen angeglichen werden sollten, reagiert das Ministerium zurückhaltend. Das sei „auch unter Naturschutzaspekten zu prüfen“.

          Den Grünen reicht diese Aussage nicht. Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Der Schutz von Bahnstrecken vor Baumstürzen sollte nicht anders gehandhabt werden als bei Straßen. Es kann nicht sein, dass die Sicherheit der Bahn-Fahrgäste weniger wert ist als die Straßensicherheit. Bahn-Reisende dürfen nicht mehr Reisende zweiter Klasse sein.“

          Die Bemühungen der Bahn, die Schäden durch umstürzende Bäume einzudämmen, seien bisher offensichtlich nicht erfolgreich gewesen. Die Bundesregierung und die Deutsche Bahn „müssen ihre Bemühungen deutlich intensivieren und für einen verlässlichen Bahn-Verkehr sorgen“.

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