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Black Friday : Die Jäger des verlorenen Schnäppchens

Eine Frau hat einen Fernseher in Chicago ergattert. Bild: Reuters

Black Friday und Cyber Monday – sie gehören auch in Deutschland zu den konsumstärksten Tagen im Jahr. Rabatte von mehr als 50 Prozent warten angeblich auf die Konsumenten. Doch lohnt sich der Rummel wirklich für die Verbraucher?

          Heute ist Samstag. Schade, denn wer am Freitag nicht zugeschlagen hat, hat wohl etwas verpasst. Die Media-Märkte versprachen „Wahnsinnsangebote den ganzen Tag“. Eine Sony-Kompaktkamera für 181 Euro statt für 409 Euro, ein Samsung-Tophandy für 561 Euro statt für 899 Euro: Welcher Schnäppchenjäger kann der Verlockung widerstehen, einfach mal so 228 oder gar 338 Euro zu sparen?

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ein besonders augenfälliges Beispiel für einen Trend aus Amerika, der Europa schneller eroberte als Halloween: In wenigen Jahren entwickelte sich der sogenannte Black Friday zu einem der wichtigsten Einkaufstage vor Weihnachten. Der Tag nach Thanksgiving, dem Erntedankfest, dem letzten Donnerstag im November, ist in den Vereinigten Staaten ein Brückentag und gehört deshalb zu den konsumträchtigsten im ganzen Jahr. Daher leitet sich auch der Name ab: Es ist der Tag der schwarzen (Geschäfts-)Zahlen. Inzwischen um den „Cyber Monday“ oder sogar um die gesamte Vorwoche ausgedehnt, führt das auch in Deutschland – ohnehin als Volk der Schnäppchenjäger bekannt – regelmäßig zu einem regelrechten Kaufrausch.

          Nur Einkaufsgutschein bei Apple

          In Amerika markiert der Black Friday seit vielen Jahren den inoffiziellen Startschuss für das Weihnachtsgeschäft. Er ist berüchtigt für lange Schlangen vor den Geschäften und chaotische Szenen mit Kunden, die sich um die besten Sonderangebote reißen. In jüngster Zeit hat der „Schwarze Freitag“ etwas an Bedeutung verloren. Immer mehr Menschen kaufen online ein und sparen sich das Gedränge in den Läden. Außerdem haben viele Händler wie Wal-Mart, Macy’s oder Target mittlerweile auch schon am Thanksgiving-Feiertag selbst geöffnet.

          Das Geschäft hat sich ins Internet verschoben, und das merken auch die deutschen Einzelhändler. Alleine im Online-Handel rechnet man hierzulande an den beiden Tagen mit zusätzlichen Umsätzen von rund 1,7 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hat jeder sechste Konsument nach Informationen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) den schwarzen Freitag zum Shoppen genutzt. Jeder gab dabei durchschnittlich gut 170 Euro aus.

          „Black Friday“ : Amerika im Shopping-Rausch

          Stellt sich die Frage: Lohnt sich der ganze Rummel eigentlich für die Verbraucher? Die Sonderangebote, mit denen in Amerika an den Tagen um den Black Friday um Kunden geworben wird, variieren sehr stark. Der Elektronikkonzern Apple beispielsweise gewährt nur Einkaufsgutscheine, die bei ihm selbst eingelöst werden können. Zum Kauf eines iPhones gibt es einen Gutschein im Wert von bis zu 50 Dollar. Besonders aggressiv zeigt sich dagegen der Modehändler Gap, der einen Preisnachlass von 50 Prozent auf alle Einkäufe verspricht, auch bei den zu ihm gehörenden Ketten Banana Republic und Old Navy. Amazon gewährt unter anderem Rabatte auf seine eigenen elektronischen Geräte, wie den Echo-Lautsprecher mit dem Assistenzprogramm Alexa.

          „30 Prozent auf den ganzen Einkauf“

          In vielen Fällen ist es freilich so, dass sich die Sonderangebote besser anhören, als sie in Wirklichkeit sind. Ein Beispiel: Das Sony-Kamera-Modell DSC-HX60, das die Media-Märkte am Freitag als „Knaller“ offerierten. Es handelt sich zwar nicht um einen Ladenhüter, und in Tests schneidet das Gerät durchaus gut ab. Doch Käufer in spe müssen bedenken, dass die Kamera alles andere als neu ist, vielmehr kam sie schon 2014 auf den Markt. Und auch die vermeintliche Einsparung von 228 Euro löst sich bei näherer Betrachtung in Unwohlgefallen auf. Der genannte UVP-Preis („unverbindliche Preisempfehlung“) von 409 Euro ist längst nicht mehr aktuell. Vielmehr ist das Gerät im Internet derzeit für Preise um 230 Euro zu haben. Damit erweist sich die Sony-Kamera zwar noch als „Schnäppchen“ – aber als ein deutlich bescheideneres als in der Werbung suggeriert.

          Solche Einschränkungen sind auch woanders zu beobachten – und zwar nicht nur im Online-Handel, sondern auch in den stationären Geschäften in Deutschland, die nicht auf den Black-Friday-Boom verzichten wollen. So hat der Rummel um diesem Konsumtag fast alle Lebensbereiche erreicht: Kaufhäuser, Modeunternehmen, Parfümerien, und selbst Möbelhäuser oder Reiseportale versuchen auf der großen Rabattwelle mitzureiten.

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