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Logistik weltweit Die Bahn fliegt

18.08.2008 ·  Eine Eisenbahnstrecke führt nicht nach Hahn. Trotzdem spielt der Flughafen für die Deutsche Bahn eine wachsende Rolle: Als Zwischenstopp im weltweiten Luftfracht-Verkehr, der längst auch zum Angebot des Konzerns zählt. Güterzüge nach China kommen hinzu.

Von Manfred Köhler
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Von solchen Wachstumsraten können Manager sonst nur träumen. Ein Angebot, das binnen zehn Monaten so erfolgreich ist, dass es verdoppelt werden muss: Von so etwas berichtete Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Frankfurt. Die Rede war allerdings weder von einem besonders schnellen Zug noch einem attraktiven Sonderangebot – sondern von einer neuen Flugverbindung. Denn seit einem Jahr bietet Schenker, eines der Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, eine Verbindung für Luftfracht von Dubai über den Flughafen Hahn nach Toledo im amerikanischen Bundesstaat Ohio an – und damit hat das Unternehmen offenbar eine Marktlücke entdeckt. Flogen die Maschinen zunächst nur einmal in der Woche hin und zurück, so wurde die Kapazität schon im April auf zwei Flüge in der Woche erhöht.

Schenker setzt dabei keine eigenen Maschinen ein, sondern mietet Kontingente bei Emirates, der Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. Von Dubai geht es stets am Sonntag und am Mittwoch los. Im Hunsrück und in Toledo nehmen Schenker-Mitarbeiter die Luftfracht in Empfang und befördern sie weiter – Toledo ist Knotenpunkt der Bahntochter für das Frachtgeschäft in den Vereinigten Staaten. Der Flug über drei Kontingente ist attraktiv vor allem für den Transport von Elektroteilen und von Textilien, wie ein Schenker-Sprecher berichtete.

Ein Zug nach China

Mehdorns Lob für die ungewöhnliche Frachtverbindung zeigt, wie weit sich die Deutsche Bahn inzwischen zu einem weltweit operierenden Logistik-Konzern entwickelt hat – auch wenn die meisten bei dem Konzern nach wie vor an ICE-Züge und S-Bahnen denken. Das Speditionsgeschäft von Schenker, für das Züge ebenso wie Lastwagen, Schiffe genauso wie eben Flugzeuge genutzt werden, hat am Umsatz des Deutsche-Bahn-Konzerns einen Anteil von gut vier Zehnteln, der Personenverkehr folgt mit weitem Abstand. Wenn bei der Deutschen Bahn von Fracht gesprochen wird, geht es denn auch rasch nicht mehr um Ware, die zwischen zwei Bundesländern transportiert wird, sondern um die weltweiten Güterströme.

Bei der neuen Flugverbindung über Hahn etwa hält man sich zugute, dass die Kundschaft See- und Luftfracht verbinden kann, indem Produkte aus Asien zunächst mit dem Schiff nach Dubai gehen und dort für den zweiten Teil des Weges nach Deutschland ins Flugzeug umgeladen werden, wodurch die Ware doppelt so schnell ankommt im Vergleich zum Transport über die gesamte Strecke – bei der Hälfte der Kosten, die beim gesamten Weg mit dem Flugzeug anfielen. Für größere Artikel, Stahlbleche etwa oder Flachglas, will die Deutsche Bahn außerdem in Zukunft Züge von China nach Europa anbieten. Konkurrenz innerhalb des Konzerns sei das keineswegs, sagte ein Schenker-Sprecher.

Spitze Worte gen RMZ

Um Deutschland ging es bei der gestrigen Vorlage der Halbjahres-Zahlen aber auch: Mehdorn berichtete von dem enormen Fahrgastzuwachs auf der Neubaustrecke nach Paris, die unter anderem von Zügen genutzt wird, die die Bahn in Frankfurt einsetzt – eine Nonstop-Verbindung, also ohne Zwischenhalt, so allerdings nicht geplant, äußerte der Vorstandsvorsitzende. Für die Kritik des RMV-Geschäftsführer Volker Sparmann, die Bahn betreibe bei der Instandhaltung Politik nach Gutsherrenart, hatte er nur die spitze Bemerkung übrig, mit solch einem Argument könne man die Bahn nicht „hinterm Ofen hervorlocken“, der Konzern setze seine Anlagen bedarfsgemäß instand. Mit solchen Fragen immerhin haben die Konzerntöchter, die Güter rund um die Welt befördern, nichts zu tun: Die Flug- und Seehäfen besitzen ja andere.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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