Die Deutsche Post World Net hat im ersten Halbjahr Umsatz und Gewinn deutlich steigern können. Der Umsatz stieg im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2000 um rund sieben Prozent auf 16,8 Milliarden Euro.
Beim Gewinn verzeichnete der Konzern einen Zuwachs von 5,5 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Deutliche Zuwächse gab es besonders in den Unternehmensbereichen Express und Logistik. Konzernchef Klaus Zumwinkel betonte, das Unternehmen setze seinen Weg bei Wachstum und Ertragsstärke „kontinuierlich und kraftvoll“ fort, „und das auch in einer schwierigen konjunkturellen Phase, in der andere Große im Markt Gewinnwarnungen herausgeben“.
Hoffen auf Kursschübe
Auch für das Gesamtjahr 2001 rechnet Zumwinkel nach eigenen Angaben mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung des ersten Halbjahres. Der Post-Chef kündigte weitere Steigerungen bei Umsatz, Ergebnis und Cash-flow an sowie gleichzeitig sinkende Kosten. „Die positive Erwartung auch für das zweite Halbjahr 2001 sollte zusammen mit weiteren kräftigen Fortschritten bei der Konzernintegration die Kursfantasie mit Blick auf die Aktie Gelb anregen“, hofft Zumwinkel.
Der Kurs der Post-Aktie dümpelt seit Monaten um 18 Euro herum. Das sind rund 15 Prozent weniger als beim Börsenstart des Bonner Konzerns im vergangenen November. Auf die Zahlen reagierte die Börse mit einem leichten Plus bei der Aktie Gelb.
Zugleich hob der Konzernchef erneut das Ziel hervor, die Deutsche Post World Net zum weltweit führenden Logistik-Unternehmen auszubauen: „Wir sind globaler aufgestellt als der Wettbewerb.“ Der Konzern sei „der einzige wirkliche Komplettanbieter von Logistikdienstleistungen“ einschließlich darin integrierter Finanzdienstleistungen. Das Unternehmen werde seine „riesigen Potenziale konsequent ausschöpfen und ganz neue Kräfte durch Synergie-Effekte in Marketing, Vertrieb und Produktion freisetzen“.
Zahlen lösen keine Begeisterungswelle aus
Mit den veröffentlichten Zahlen traf die Post fast punktgenau die Prognosen der Analysten. Diese äußerten sich zum Teil zur Entwicklung der Post positiv. „Die Zahlen sind befriedigend bis wirklich gut", sagte Nick Gradel von der Deutschen Bank in London. Es habe keine Überraschung gegeben, was offensichtlich auch der Aktienmarkt erkannt habe, fügte er mit Blick auf den steigenden Post-Kurs hinzu.
Auch Logistik und Express scheinen endgültig auf Wachstumskurs zu sein, womit die einstigen Bedenken bei diesen beiden Sparten gewichen seien. Die Stabilität des Briefgeschäfts könnte der Post zu einer besseren Entwicklung als bei den Konkurrenten verhelfen, sagte Gradel weiter.
Etwas anders bewerten die Analysten von S&P die Lage. „Selbst wenn das Unternehmen brillant abschneiden sollte, würde der Aktienkurs unter dem Schreckgespenst leiden, dass die Bundesregierung ihre 71 Prozent am Konzern bei Geldnöten plötzlich auf den Markt werfen könnte“, schreibt Analyst Thomas Miskell und rät daher zum Verkauf der Aktie (siehe Link: „S&P: Deutsche Post verkaufen“).