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Lkw-Maut Toll-Collect wechselt Management aus

14.10.2003 ·  Nun ist es offiziell bestätigt: Toll-Collect-Chef Rummel hat wegen der Pannen bei der Einführung der Lkw-Maut seinen Posten verloren. Aufsichtsratschef Mangold gibt sein Amt im Dezember ab. Minister Stolpe ist zufrieden.

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Der Betreiber des Maut-Systems Toll Collect hat nach den monatelangen Pannenserien personelle Konsequenzen gezogen. Der maßgeblich für den Aufbau des Lkw-Maut-Systems zuständige Manager Michael Rummel wurde am Dienstag in Berlin abberufen. Das Gemeinschaftsunternehmen von Deutscher Telekom und DaimlerChrysler beschloß zugleich die Bildung eines neuen Managements.

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe hat den Wechsel im Management begrüßt. Stolpe sagte am Dienstag in Berlin, er sehe darin eine „Chance, Vertrauen zurückzugewinnen“. Das Projekt der Lkw-Maut in Deutschland habe zuletzt darunter „gelitten, daß Versprechen nicht eingehalten worden sind“.

Über die Abberufung Rummels war angesichts zahlreicher Technik- und Terminprobleme bei der Installierung des Gebührensystems seit Tagen spekuliert worden. Ihm wird dem Vernehmen nach unter anderem vorgeworfen, den Einbau der Bordgeräte zur Maut-Abrechnung angeordnet zu haben, obwohl die Telekom auf Probleme hingewiesen habe.

Ziermann übernimmt

Die Leitung des Unternehmens übernehme mit sofortiger Wirkung der für das operative Geschäft zuständige Manager und Sprecher der Geschäftsführung, Hans-Burghardt Ziermann, hieß es weiter.

Der bisherige Chief Financial Officer Dieter Häkes kehrt zufolge zum Mutterkonzern Deutsche Telekom zurück. Seine Aufgabe übernimmt Karsten Kirchmann, derzeit Leiter Investment Consulting im Zentralbereich Merger & Acquisitions bei der Telekom. Der in der Geschäftsführung für den Bereich Qualität zuständige Alain Estiot bleibt weiterhin für dieses Aufgabenfeld zuständig, zum Chief Technical Officer wurde Rainer Scholz bestellt.

Der bisherige Aufsichtsratschef von Toll Collect Klaus Mangold werde zum 16. Dezember seinen Posten an den bisher als Berater tätigen Telekommunikations-Experten Peter Mihatsch abgeben. Mangold scheide dann mit Ablauf seines Vertrages planmäßig zu diesem Zeitpunkt aus dem Vorstand der Daimler-Chrysler AG und als Vorstandsvorsitzender der Daimler-Chrysler Services aus. Toll Collect geht nach den Personalentscheidungen davon aus, daß die „Weichen für einen erfolgreichen Start des Probebetriebs gestellt sind“.

Mehr Telekom, weniger Daimler

Die Veränderungen signalisieren auch, daß die Telekommunikationsexperten künftig eine stärkere Rolle im Konsortium spielen. Bisher war das Konsortium mit Mangold, Rummel und auch der Öffentlichkeitsarbeit klar von Daimler-Chrysler dominiert. Aus projektnahen Kreisen hieß es zuletzt, daß vor allem die Telekom hier auf Änderungen gedrungen hat. Darauf läßt auch die Ablösung Rummels durch den früheren Viag-Interkom-Vorstand Hans-Burghard Ziermann schließen.

Offen ist, ob sich jetzt auch die Politik des Konsortiums in den Verhandlungen mit der Bundesregierung ändert. Bisher hat sich Toll Collect geweigert, einen neuen Start-Termin für die Maut zu nennen. Zwischen Telekom und Mangold gab es den Kreisen zufolge Streit über die Offenlegung der Verträge. Während Mangold eine weitgehende Offenlegung ablehnt, unterstützt die Telekom hier die Position der Bundesregierung. Noch am Dienstag erwartet das Verkehrsministerium hier eine Stellungnahme des Konsortiums.

Union fordert Untersuchungsausschuß

Verkehrspolitiker von CDU und CSU fordern einen Untersuchungsausschuß zur Lkw-Maut. Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) müsse unverzüglich den Vertrag mit den Mutterkonzernen von Toll Collect offenlegen, damit die volle Tragweite und insbesondere die Haftungsfragen vom Parlament nachvollzogen werden könnten, hieß es in einer "Erfurter Erklärung" nach einer Tagung von Unions-Bundestagsabgeordneten. Wegen unzureichender Vertragsgestaltung und Stolpes Unterschrift unter das "Eckpunktepapier" seien alle Haftungsfragen noch offen. Dem Bund drohe wegen der Verschiebung der Maut-Einführung allein in diesem Jahr ein Schaden von 740 Millionen Euro, erklärten die Experten. Sie verlangten von Stolpe, Sorge dafür tragen, daß die Mauteinnahmen zusätzlich zu den bestehenden Haushaltsansätzen für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur verwendet würden.

Ein Sprecher Verkehrsminister Stolpes berichtete von einem Brief von Daimler-Chrysler Services, wonach der Mutterkonzern von Toll Collect an diesem Dienstag zur Frage der Offenlegung Stellung nehmen wolle. Regierungssprecher Anda wertete das als "Fortschritt" gegenüber dem bisherigen Verhalten von Toll Collect, die Frage der Offenlegung in der Schwebe zu halten. Mangold habe der Offenlegung vor dem Haushaltsausschuß des Bundestages bereits am 10. September im Auftrag des gesamten Konsortiums schriftlich zugestimmt, sagte ein Unternehmenssprecher - "so wie es parlamentarisch üblich ist." "Toll Collect stimmt nur nicht einer Veröffentlichung zu, aber dies wurde auch nie verlangt", hieß es weiter. Allerdings hatte der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Carstens (CDU), die bisherigen Einlassungen von Toll Collect hinsichtlich des Einblicks der Parlamentarier unzureichend genannt. Stolpe hatte das Mangold schriftlich mitgeteilt.

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Von Heike Göbel

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