28.02.2004 · Die Deutsche Telekom übernimmt die unternehmerische Führung und schickt einen neuen Spitzenmanager zu Toll Collect, um die Probleme bei der Lastwagen-Maut in den Griff zu bekommen - FAZ.NET-Spezial.
Die Deutsche Telekom schickt einen neuen Spitzenmanager zu Toll Collect, um die Probleme bei der satellitengestützten Lastwagen-Maut in den Griff zu bekommen.
Mit der Übernahme der unternehmerischen Führung bei dem Betreiberkonsortium soll nach Informationen dieser Zeitung der für die Konzernsäule T-Systems veranwortliche Vorstand Konrad F. Reiss den Aufsichtsratsvorsitz bei Toll Collect übernehmen. Er wird Peter Mihatsch, früher Chef von Mannesmann Mobilfunk, ablösen. Mihatsch hatte diese Aufgabe auf Drängen der Telekom erst Mitte Dezember 2003 übernommen. Auch ein nochmaliger Wechsel an der Spitze der Geschäftsführung von Toll Collect gilt in Kreisen der Konsortialpartner Deutsche Telekom und Daimler-Chrysler als nicht ausgeschlossen. Seit dem 14. Oktober 2003 ist Hans-Burghardt Ziermann Sprecher der Geschäftsführung.
Neues Angebot bis Sonntag?
Dem Vernehmen nach werden Bundeskanzler Gerhard Schröder und die Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp (Daimler-Chrysler) und Kai-Uwe Ricke (Deutsche Telekom) die Veränderungen gemeinsam bekanntgeben, sobald eine Grundsatzeinigung zwischen dem Bund und Toll Collect über die weitere Zusammenarbeit erreicht ist. Bis zum Sonntag will Toll Collect ein neues Angebot vorlegen. Die Eigentümerstruktur der Gesellschaft, die jeweils zu 45 Prozent Telekom und Daimler-Chrysler sowie zu 10 Prozent dem französischen Autobahnbetreiber Cofiroute gehört, soll nicht verändert werden.
Mit der Übernahme der Führung bei Toll Collect sollten die Schnittstellenprobleme zwischen den Konsortialpartnern behoben werden, heißt es. Die operativen Aufgaben sollen bei T-Systems gebündelt werden. Bisher ist Toll Collect bei der Daimler-Chrysler-Servicesparte in Berlin angesiedelt. Schon von der Berufung Mihatschs hatte sich die Telekom einen verstärkten Einfluß auf Toll Collect versprochen. Reiss habe den Vorteil, daß er sowohl das Vertrauen Schrempps als auch Rickes besitze, heißt es nun.
Der Betriebswirt, Jahrgang 1957, war 2000 in den Vorstand von Daimler-Chrysler Services berufen worden und führte das Debis Systemhaus, das später an die Telekom verkauft wurde. Reiss hatte das Unternehmen verlassen, wurde aber im Januar von Ricke zurückgeholt. Seither ist er Vorsitzender der Geschäftsführung von T-Systems, der für das Großkundengeschäft zuständigen Division der Telekom, sowie Mitglied des Konzernvorstands. Seine Erfahrung im Management von Großprojekten soll Reiss, dem bei der Neuausrichtung von T-Systems gute Arbeit bescheinigt wird, nun bei Toll Collect einbringen. T-Systems ist für die Systemintegration und den Betrieb des Rechenzentrums, das die Mautdaten verarbeitet, zuständig.
Nach der Kündigung des Maut-Vertrags durch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe am 17. Februar hat das Betreiberkonsortium zwei Monate Zeit, um sein Angebot nachzubessern. Toll Collect will das Mautsystem, wie Ende Januar angekündigt, am 1. Januar 2005 starten lassen. Allerdings soll Siemens eine neue Software für die Erfassungsgeräte in den Lastwagen entwickeln, die bei Veränderungen des Autobahnnetzes aktualisiert werden kann. Die strittigen Fragen von Schadenersatz und Vertragsstrafen sollen in einem Schiedsverfahren entschieden werden.
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