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LKW-Maut Streit um technische Schwierigkeiten eskaliert

27.08.2003 ·  Verkehrsminister Stolpe fordert vorsorglich Entschädigung, falls das Konsortium aus Telekom und Daimler-Chrysler die technischen Schwierigkeiten nicht zum Start der Lkw-Maut Anfang November lösen kann.

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Der Streit zwischen dem Bundesverkehrsministerium und Toll Collect, dem Konsortium für die Lastwagen-Maut, wird immer schärfer. Am Mittwoch drohte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe vorsorglich Entschädigungsforderungen an, falls das Konsortium aus Daimler-Chrysler und Deutscher Telekom die technischen Schwierigkeiten nicht rechtzeitig vor dem geplanten Start der Lastwagen-Maut am 2. November gelöst hat. "Das würde so werden, aber das werden wir nicht brauchen", sagte Stolpe in einem Radiointerview. "Jetzt ist mir ganz deutlich geworden, daß die beiden großen Partner von Toll Collect, nämlich Daimler-Chrysler mit debis und dann Telekom, in der Lage sein werden, das hinzubekommen. Sie wissen im übrigen auch, daß sie es hinbekommen müssen", drohte Stolpe. Die Telekom aber gibt sich gelassen: "Wenn ich unsere Verträge sehe, sehe ich null Risiko im Moment", sagte Vorstandsmitglied Josef Brauner.

Hinter den Kulissen des Konsortiums indes brodelt es. Verkehrsministerium und Toll Collect haben die vereinbarte Zurückhaltung aufgegeben und geben sich inzwischen gegenseitig die Schuld an der Pannenserie, die einen reibungslosen Start am 2. November wenig wahrscheinlich macht. Bei der Telekom wurden aus diesem Grund schon Mitarbeiter entlassen.

Schwierigkeiten bereiten vor allem die Kontrollkästen - in der Fachsprache "On Board Unit" (Obu) genannt -, die zur Erfassung der gefahrenen Strecken in die Lastwagen eingebaut werden müssen. "Nur ein Bruchteil der vorhandenen Obus funktioniert reibungslos", sagte Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), dieser Zeitung. Fachleute des Bundesamtes für Güterverkehr bezeichneten die Schwierigkeiten als "strukturelle Softwareprobleme". Erst in der Praxis werden die Schwierigkeiten der Spediteure greifbar: "Oft steigen die Geräte im laufenden Betrieb aus, manchmal schalten sie sich mitten in der Nacht überraschend ein", beschreibt Schmidt die Erfahrungen. Die Spediteure, die ohnehin in einem harten internationalen Wettbewerb stehen, müßten ihre Lastwagen jedes Mal zur Reparatur in die Werkstätten fahren. Der Professor findet für die technischen Schwierigkeiten markige Worte: "Toll Collect hat technisches Neuland mit der Ausrüstung eines Christoph Columbus betreten."

Starttermin bleibt fraglich

Auch die Zahl der bereitgestellten Obus sei viel zu gering, kritisiert Schmidt. "Allein das deutsche Speditionsgewerbe hat mehr als 320 000 Obus bestellt. Dazu werden noch 300 000 bis 400 000 Anfragen aus dem Ausland kommen. Da jede Werkstatt nur acht funktionsfähige Obus in der Woche geliefert bekommt, wird der Stau bis zum geplanten Start im November nicht abgearbeitet worden sein", erwartet Schmidt. Nach Angaben von Toll Collect sind bisher 75 000 Obus eingebaut worden. Um die komplexe Installation zu beschleunigen, sind zusätzlich 250 Informationstechniker eingesetzt worden. "Zulieferer und Toll Collect arbeiten mit Hochdruck, daß bis zum endgültigen Start am 2. November über 400 000 Geräte ausgeliefert werden können", gibt sich Michael Rummel, Mitglied der Geschäftsführung von Toll Collect, in einer Mitteilung optimistisch. "IT-Projekte dieser Größenordnung haben naturgemäß schwierige Anlaufphasen und können nicht von Anfang an zu 100 Prozent perfekt sein", wirbt Rummel um Geduld. Nach Angaben von Toll Collect sind inzwischen 115 Kontrollbrücken über den Autobahnen installiert und 2820 Maut-Terminals an Raststätten oder Autobahnauffahrten aufgebaut worden.

Das Bundesverkehrsministerium ist sich inzwischen auch nicht mehr sicher, ob der 2. November als Starttermin zu halten ist. "Das Konsortium Toll Collect wird noch einige Anstrengungen unternehmen müssen", sagte ein Sprecher. "Das Bundesverkehrsministerium hat mit Toll Collect ein zweites technisches Gutachten bis Mitte Oktober vereinbart", sagte der Sprecher weiter. Erst dann könne endgültig entschieden werden, ob die Betriebserlaubnis für das Mautsystem erteilt werden könne. Bevor das System in Betrieb gehe, müsse sicher sein, daß es technisch ausgereift sei und reibungslos funktioniere. Das bereits für Mitte August angekündigte erste technische Gutachten eines unabhängigen Experten werde "stündlich" im Verkehrsministerium erwartet. Erste Ergebnisse sollen in den kommenden Tagen veröffentlicht werden, sagte der Sprecher.

Quelle: ht., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2003, Nr. 199 / Seite 11
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