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Lkw-Maut Maut-Debakel entzweit Industrie

19.02.2004 ·  Die Software sei Schuld am Maut-Debakel, behauptet Daimler-Chrysler Services, SAP wehrt sich, die Telekom hofft auf eine Einigung mit dem Bund, der Verkehrsminister grollt - und Siemens?

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Das Debakel um die Lkw-Maut hat zu offenem Streit unter namhaften Konzernen geführt. Daimler-Chrysler Services gab Software-Zulieferern eine Mitschuld an dem Scheitern, was diese umgehend zurückwiesen. Der Konzern Daimler-Chrysler, Teilhaber des Maut-Konsortiums Toll-Collect, äußerte die Sorge, eine Kündigung der Verträge würde erheblichen finanziellen Schaden auslösen. Noch vor dem vorläufigen Aus für Toll Collect ist offenbar Siemens von der Bundesregierung um Hilfe gebeten worden.

Ein Sprecher von Daimler-Chrysler Services sagte der „Berliner Zeitung“: „Das Zusammenspiel der verschiedenen Software-Systeme führte zu den Problemen, durch die die Maut nicht pünktlich starten konnte.“ Die technischen Probleme seien aber inzwischen gelöst. Nach seinen Aussagen gehörten SAP, Oracle, IBM, Grundig und Siemens zu den Lieferanten von Toll Collect.

SAP-Sprecher Markus Berner lehnte jede Verantwortung ab. SAP sei Sublieferant gewesen und nie in Design, Planung und Implementierung eingebunden worden. Das seien die Aufgaben der Betreiber gewesen. „Vielleicht hätte Toll Collect etwas systematischer beim Einkauf der Komponenten vorgehen oder sich kompetenteren Rat für die Zusammenfassung der Software besorgen sollen“, erklärte Berner.

Siemens relativiert Spekulationen

Der Münchner Siemens-Konzern hat Spekulationen über eine mögliche Hilfestellung für das Maut-Konsortium Toll Collect relativiert. Toll Collect habe schon vor einigen Wochen um eine Prüfung gebeten, ob sich Siemens an der Software-Entwicklung beteiligen könne, sagte Konzernsprecher Peter Gottal am Donnerstag. Die geplante Kündigung der Verträge durch den Bund habe aber zu „einer völlig neuen Ausgangssituation“ geführt. Ob derzeit noch Gespräche liefen, wollte Gottal nicht kommentieren.

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp hat für eine Lösung des Maut-Streits zwischen der Bundesregierung und dem Maut-Konsortium Toll Collect eine Frist von zehn Tagen gesetzt. Seine Beteiligung an Toll Collect hat der Konzern bilanziell schon voll abgeschrieben. "Ich habe den Eindruck, daß die Meinungsunterschiede mit der Bundesregierung noch überbrückbar sind", sagte Schrempp am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Sindelfingen. Für die weiteren Gespräche mit der Bundesregierung setzte er allerdings eines Frist: „In den nächsten zehn Tagen müssen wir zu einer gemeinsamen Lösung kommen.“ Nach Angaben von Finanzvorstand Manfred Gentz kosteten Daimler-Chrysler die Verluste und Risiken bei Toll Collect im vergangenen Jahr 250 Millionen Euro.

„Wir ziehen uns nicht aus der Verantwortung", sagte Schrempp und räumte Fehler beim Umgang mit der Lkw-Maut ein. Zugleich gab er sich zuversichtlich, daß sich Toll Collect mit dem Bund doch darauf einigen werde, das Maut-System „in der angebotenen Form“ zu verwirklichen. „Dann können wir vielleicht beweisen, daß das ein großartiges System ist", sagte er. Schrempp wies die Schuld an dem missglückten Mautstart den fehlerhaften Erfassungsgeräten in den Lkw und dem System zu. Für beides sei DaimlerChrysler nicht zuständig gewesen.

Telekom: „Glauben an das System“

Die Deutsche Telekom hat wie Daimler-Chrysler ihr Interesse an einer Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Bund bei der Lkw-Maut auf bekundet. „Wir stehen zu Toll Collect und arbeiten weiter an dem Maut-System", sagte ein Telekom-Sprecher am Donnerstag in Bonn. „Wir glauben an das System", fügte er hinzu.

Verkehrsminister Manfred Stolpe machte unterdessen seinem Ärger über das Auftreten der Toll-Collect-Manager in dem entscheidenden Treffen Luft: „Diese Nacht war an Unverschämtheiten und Unverfrorenheit nicht zu überbieten“, sagte er in der n-tv-Sendung „Maischberger“. „Die Ehre der Industrie ist verletzt.“

Hilfe aus Österreich?

Technische Hilfe beim Zustandekommen eines funktionstüchtigen Systems zur Erhebung der Lkw-Maut bot unterdessen das österreichische Unternehmen Efkon AG an. Ihr System würde die bestehenden und funktionsfähigen solarbetriebenen Infrarot-Komponenten des Toll-Collect-Systems um eigene Technik ergänzen und zur Mautabbuchung einsetzen. Die Fahrzeuge müßten mit einer Infrarot-Box ausgestattet werden, die bereits in zahlreichen Lkw installiert sei. Vorzüge wären, daß eine zeit- und kostenintensive Neuausschreibung entfiele und das System im Idealfall in acht Monaten einsatzbereit wäre. Aus dem Bundesverkehrsministerium verlautete, das System sei nicht deutschlandweit einsetzbar.

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