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Lieferprobleme bei Siemens Der vergebliche Versuch, einen ICE zu bauen

Großprojekte waren die Stärke von Siemens. Jetzt hakt es: ICE-Züge strotzen vor Pannen, Windparks geraten zum Debakel. Es wird ungemütlich für den Vorstandschef Peter Löscher.

© dapd Die ICE-Flotte der Bahn wird nicht, wie geplant, vergrößert. Das könnte im Winter zu Problemen führen.

Siemens kann nicht klein, nur groß: Große Turbinen, große Kraftwerke, große Krankenhäuser. Dieses Selbstverständnis pflegt der Konzern seit Jahren: „Das Geschäft mit dem Endkunden beherrschen wir nicht“, sagt ein Vorstand. Simple, schnell drehende Konsumartikel? Nichts für Siemens und seine stolzen Ingenieure.

Georg Meck Folgen: Christian Siedenbiedel Folgen:

Folgerichtig hat der Weltkonzern den Kontakt zum Endkunden vor einigen Jahren abgebrochen. Die ruhmlose Handy-Sparte wurde an Asiaten verkauft (was deren Ende nur kurz verzögerte). Als letztes Gerät, das für einen gewöhnlichen Haushalt taugt, hat Siemens die Schnurlos-Telefone (Gigaset) an einen Private-Equity-Investor gegeben. Das war’s.

Geblieben ist unter dem Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher, mittlerweile auch schon fünf Jahre im Amt, das, wofür der Name Siemens seit mehr als 100 Jahren steht: Ausrüstung für Großunternehmen, gerne für den Staat sowie staatsnahe Betriebe. Große Anlagen, große Summen.

Was ist ein Siemens-Konzern wert, der Großprojekte nicht mehr beherrscht?

Was aber, wenn auch groß nicht mehr klappt? Was ist ein Siemens-Konzern wert, der die Technologie für Großprojekte nicht beherrscht? Diese Frage stellt sich nach der Blamage mit den ICE-Zügen, die der Konzern Mitte der Woche einräumen musste: Siemens vermag es nicht, den neuen ICE Velaro pünktlich aufs Gleis zu stellen. Im Winter drohe deswegen ein Chaos, warnt die Bahn flugs. Und die Chefs dort tun prophylaktisch schon mal alles, um die Schuldfrage in ihrem Sinn zu klären: Keine Gnade für Siemens!

„Unsere Kunden fühlen sich von Siemens im Stich gelassen“, sagt der DB-Fernverkehrschef Berthold Huber. „Man muss sich vor Augen führen, dass die Züge im Dezember 2008 bestellt wurden und uns ursprünglich bereits für letzten Dezember versprochen waren.“ Selbst Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), obschon aus Bayern und somit ein natürlicher Siemens-Verbündeter, schont den Münchner Konzern nicht: „Stocksauer“ sei er über die Verzögerung und die nicht eingehaltenen Zusagen von „allerhöchster Stelle“ - dem Siemens-Chef Löscher ist nicht zu trauen, soll das wohl heißen: Mehr Prügel geht nicht. Er sei „offensichtlich überfordert“ muss Peter Löscher nun in einem Kommentar lesen. „Blamage für den Siemens-Chef“, im nächsten: „Wohin geht die Reise, Herr Löscher?“

Zäh ist bisweilen die Bürokratie

Keine Frage: Es wird ungemütlich im Siemens-Hauptquartier. Schneller, effizienter, sauberer wolle er Siemens machen, hatte Löscher zum Amtsantritt versprochen. Nach fünf Jahren lässt sich fest halten: Das mit dem sauber hat geklappt. Die Affäre um Schmiergelder und schwarze Kassen ist ausgestanden.

Mit „schnell und effizient“ ist das eine andere Sache. Da wäre deutlich Luft nach oben. Das ahnt auch Peter Löscher. Ein schwerer Tanker lässt sich nicht ohne weiteres zu einer Flotte von Schnellbooten aufmotzen, sagen sie im Konzern. Zäh ist bisweilen die Bürokratie. Zu Beginn sprach Löscher von einer „Lehmschicht“ im mittleren Management. Die ist nicht so einfach abzutragen, so viel hat er inzwischen gelernt. Im Zweifel ist die Organisation zäher als der Chef.

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Solange der Laden läuft, weltweit die Wirtschaft brummt, dies den Konzern zu immer neuen Rekorden treibt, stört das nicht weiter. Nun aber rechnet Löscher mit rückläufigen Zahlen, die Unsicherheiten nehmen zu - und die Siemens-Aktie notiert mit 75 Euro unter dem Wert (jenseits der 100 Euro) zu Zeiten, als der Österreicher angetreten ist. Ein gefährlicher Mix, der das Leben für jeden Konzernchef unbehaglich macht. Das Letzte, was Löscher brauchen kann, sind deshalb Schlagzeilen über Fehlschläge seiner Ingenieure.

Beispiel Windräder: Bei vier Windparks in der Nordsee hapert es an der Anbindung von der Nordsee ans Festland. Ein finanzielles Debakel für den Konzern, der Schaden liegt jenseits einer halben Milliarde Euro. Neue Endtermine werden erst gar nicht mehr genannt.

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