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Libor und Euribor Notenbanken dringen auf Libor-Reform

 ·  Gegen mehr als 16 Banken wird ermittelt, ob sie bei ihren Libor-Meldungen an die Bankenaufsicht falsche Angaben gemacht haben. Ihnen wird vorgeworfen, sich kartellartig abgesprochen zu haben. Um solche Skandale künftig zu vermeiden, debattieren die großen Notenbanken nun eine Reform des Zinssatzes Libor.

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© REUTERS Mark Carney: „Wir könnten mit unterschiedlichen Zinssätzen in unterschiedlichen Währungen enden“

Die großen Notenbanken der Welt debattieren eine Reform des Referenzzinssatzes Libor. Dabei ist offen, ob er seine Stellung als globale Referenz behält oder durch nationale Systeme ersetzt wird. „Wir könnten mit unterschiedlichen Zinssätzen in unterschiedlichen Währungen enden“, sagte der Gouverneur der Bank von Kanada, Mark Carney, vor Journalisten in Ottawa. Carney schloss nicht aus, dass der Libor so beschädigt sei, dass er nicht repariert werden könne.

Ähnlich wie Carney sagte der Vorsitzende der amerikanischen Federal Reserve, Ben Bernanke, in einer Kongressanhörung, eine Strategie wäre, zu einem marktbasierten Zinssatz überzugehen. Bernanke nannte als mögliche Substitute für den Libor Repo-Zinssätze oder einen Index für Zinstauschgeschäfte für kurzfristiges Geld (OIS-Index). Bernanke hält es gar für möglich, dass die Zinssätze für kurzfristige amerikanische Staatsanleihen genutzt werden könnten.

Der Libor beruht wie sein Pendant im Euroraum, der Euribor, nicht immer auf echten Transaktionen, sondern auf den Meldungen der Banken, zu welchen Sätzen sie Geld am Interbankenmarkt aufnehmen können. Dabei spielt die Einschätzung der Banken über ihre Finanzierungsbedingungen eine größere Rolle als die tatsächlichen Zinsen. Der Libor wird täglich durch den britischen Bankenverband BBA als Durchschnitt aus den Meldungen der Banken festgestellt.

Eine „radikale Reform“

Die Diskussion über eine Libor-Reform ist in einem frühen Stadium. Die wichtigsten Zentralbankchefs (G10) werden am 9. September bei ihrem regelmäßigen Treffen bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel über eine Reform sprechen. Der britische Notenbankgouverneur Mervyn King, der dem G-10-Notenbankerkreis vorsitzt, spricht in seiner Einladung davon, dass eine „radikale Reform“ des Libor notwendig sei.

In der Woche darauf wird sich auch der Finanzstabilitätsrat (FSB), dem Carney vorsteht, mit dem Thema befassen. Dem FSB gehören Notenbanker, Aufseher und Vertreter von Finanzministerien der großen Industrie- und Schwellenländer an. Carney hält eine führende Rolle der öffentlichen Hand bei der Reform des Libor für notwendig.

Gegen mehr als 16 Banken wird ermittelt, ob sie bei ihren Libor-Meldungen an die BBA falsche Angaben gemacht haben. Zum einen geht es um den Vorwurf, dass einzelne Banken falsche Meldungen abgaben, um besser dazustehen. Zum anderen geht es um den Vorwurf, dass Banken sich kartellartig über ihre Meldungen abgesprochen haben. Bislang hat nur die Barclays Bank falsche Zinsmeldungen eingestanden.

Auch Manipulationen am Euribor geraten in den Fokus

Ähnliche Vorwürfe und Untersuchungen gibt es in Europa bezüglich des Euribor. Dieser Interbankenzins wird von der Gesellschaft Euribor-EBF, einer Einheit des Europäischen Bankenverbandes, ermittelt. Die Zeitung „Financial Times“ berichtete am Donnerstag, ein Händler von Barclays habe sich mit vier weiteren Banken über die Mitteilungen zum Euribor abgesprochen. Bei den Instituten soll es sich um die Deutsche Bank, Crédit Agricole, HSBC und Société Générale handeln. Crédit Agricole wies Beteiligungen an Manipulationen zurück. 2011 hatte sich die Deutsche Bank von zwei Händlern getrennt. Offenbar wurden bei ihnen in einer internen Untersuchung Verfehlungen festgestellt. Einer von diesen beiden war Christian Bittar, der von der „Financial Times“ als Beteiligter des Zinskartells genannt wird.

Nach Ansicht von Cedric Quéméner, Direktor von Euribor-EBF, kann der Euribor nicht manipuliert worden sein, wenn an den Absprachen nur die in dem Bericht genannten fünf Banken beteiligt gewesen seien. Diese Zahl sei zu niedrig, da der Euribor auf den Zinsmeldungen von 43 Banken basiere. Um ihn zu manipulieren, seien 15 bis 16 Banken nötig. Allerdings sind von den Ermittlungen der EU-Kommission insgesamt 20 europäische Banken betroffen. Untersucht wird der Zeitraum von 2006 bis Ende 2008. Die Deutsche Bank hat sich Finanzkreisen zufolge bei den Ermittlungen als Kronzeugin zur Verfügung gestellt. Diesen Status soll sie in der Schweiz und in Brüssel haben. Damit hofft sie auf eine mildere Strafe.

Die Untersuchung der Libor-Manipulation hat auch dazu geführt, dass das Euribor-Verfahren in Frage gestellt wird. Die EU-Kommission hat bereits eine Untersuchung in Aussicht gestellt. „Sollte das Ergebnis der Prüfung sein, dass man dem Marktmechanismus nicht trauen kann, dann ist die einzige andere Option eine öffentliche Institution. Wir drängen uns nicht danach, aber die Europäische Zentralbank könnte ein Kandidat sein“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen EZB-Notenbanker.

Nach Informationen dieser Zeitung war das Euribor-Verfahren kein Thema bei der jüngsten Ratssitzung der EZB. Zudem betonte ein Notenbanker, dass die Überprüfung des Verfahrens, mit dem der Referenzzins ermittelt wird, keine Angelegenheit der EZB sei, sondern der Bankenaufsicht und der Wettbewerbsbehörden.

Libor und Euribor

Die Bedeutung der beiden Geldmarktzinsen ist groß: Von ihnen hängen Finanzprodukte im Umfang von mehr als 500 Billionen Euro ab. Die Palette reicht vom variabel verzinslichen Immobilienkredit bis zu Zinstauschgeschäften (Swaps). Dabei ist der für Dollar-Transaktionen maßgebliche Libor bedeutender als sein Euro-Pendant Euribor. Die Zinssätze werden jeden Vormittag ermittelt. Beim Libor benennen 18 Banken den Zinssatz, zu dem sie Refinanzierungsgeschäfte mit Wettbewerbern tätigen würden. Beim Euribor sind es 43 europäische Banken, die an den Europäischen Bankenverband melden. Dabei werden die sechs höchsten und die sechs niedrigsten Zinssätze von der Berechnung ausgeschlossen. Beim Libor werden die vier höchsten und die vier niedrigsten Sätze ignoriert. Mit Absprachen können Banken die Zinsentwicklung beeinflussen. Davon würden ihre Kollegen aus dem Derivatehandel profitieren. Absprachen sind umso leichter, je weniger Banken an der Ermittlung beteiligt sind.

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