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Leserdebatte: 30-Stunden-Woche „Arbeit und Geld darf im Leben nicht alles sein“

 ·  Nur noch 30 Stunden in der Woche arbeiten bei vollem Lohnausgleich? Wir haben Sie gefragt, ob die Idee der Arbeitszeitverkürzung sinnvoll ist und die Probleme am Arbeitsmarkt lösen kann. Ein Blick in die Diskussion der FAZ.NET-Leser.

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„Wenn die vorhandene Arbeit nicht für alle reicht, muss das begrenzte Angebot verteilt werden“, befindet FAZ.NET-Leser Hartmut Rencker in seinem Leserkommentar. Wie viele weitere Leser, die sich an unserer Diskussion beteiligten, hält auch er die Idee der 30-Stunden-Woche grundsätzlich für sinnvoll, zweifelt aber an der Sinnhaftigkeit des vollen Lohnausgleichs.

Die Idee einer Arbeitszeitverkürzung ist nicht neu, die Debatte ist in diesen Tagen jedoch neu entfacht. In einem offenen Brief forderte ein  Bündnis aus linksorientierten Wissenschaftlern, Gewerkschaftern und Politikern eine „kollektive Arbeitszeitverkürzung“ auf 30 Stunden in der Woche, bei „vollem Lohnausgleich.“

Ökonomen und Politiker kritisierten die Idee. Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands würde geschwächt. Arbeit könne nicht einfach umverteilt werden, hieß es aus dem Bundesarbeitsministerium.

„Die Kosten für den Faktor Arbeit würden explodieren“, schreibt FAZ.NET-Leser Thomas Gaugen. Stark steigende Lohnstückkosten könne keine Wirtschaft verkraften. Ronald Schlimm schlägt vor, „nicht immer gleich in den Extremen zu denken“. Ansätze, die „irgendwo in der Mitte“ zwischen keinem und vollem Lohnausgleich liegen, hält er für realistischer.

„Fachleute stärker heranziehen“

„Haben wir nun einen Fachkräftemangel?“, fragt sich nicht nur Leser Michael Arndt. Nach Ansicht von Eberhard Knapp ist eine Verkürzung der Arbeitszeit, bei der die Qualifikation der Arbeitnehmer außer Acht gelassen wird, „irrwitzig“. In seinem Kommentar bezweifelt er, dass hochqualifizierte Arbeitskräfte, die „zum Teil heute bereits fehlen“, durch minder- oder unqualifizierte Arbeitnehmer ersetzt werden können. „Der Verlust an hochqualifiziertem Arbeitsvolumen würde den Wirtschaftsstandort Deutschland an seiner Basis angreifen.“ Facebook-Nutzer Manfred Baumert befürchtet, dass die heimische Wirtschaft „international nicht mehr wettbewerbsfähig“ wäre.

Fachkräfte müssten nicht weniger, sondern mehr arbeiten, befindet Peter Reisse in seinem Beitrag. Qualifizierte Mitarbeiter würden händeringend gesucht und man spricht „allen Ernstes davon, generell alle nach 30 Stunden ins Wochenende zu schicken. Dabei müssten gerade die Fachleute stärker herangezogen und die 38-Stunden-Woche für diese gestrichen werden.“

Schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit

Leser Ulrich Dissars befürwortet zwar eine Umverteilung der Arbeitszeit. „Jedoch muss das Einkommen aus dieser reduzierten Zeit reichen, ein menschenwürdiges Leben zu führen.“ Die hinzugewonnene Freizeit könnte zudem die Binnennachfrage ankurbeln. Facebook-Nutzer Denny Müller befürchtet jedoch sinkende Löhne. Wegen „immer teurer werdender Waren und Dienstleistungen haben die Menschen immer größere Probleme.“

Statt die Zeit am Arbeitsplatz direkt auf 30 Stunden zu verkürzen, empfiehlt Leserin Andrea Müller eine schrittweise Reduzierung. „Dank technischen Fortschritts sind wir so produktiv wie nie bei gleich bleibender Arbeitszeit.“ Von der gewonnenen Zeitersparnis müssten die Arbeitnehmer durch mehr Freizeit profitieren. Dadurch könnten ihrer Ansicht nach auch die Zahl von Burnouts verringert werden.

Produktivität und Organisation bei der Arbeit sind entscheidend, nicht die Anzahl der geleisteten Stunden. Diese Ansicht vertritt Helga Mueller auf Facebook. „Der eine ist umständlich und langsam. Der andere arbeitet zügig und geht pünktlich.“ Arbeitgeber müssten ihre Mitarbeiter richtig einsetzen und fördern.

Arbeit und Geld darf im Leben nicht alles sein“, schreibt Elikal Ialborcales auf Facebook. Er sieht die zunehmenden Arbeitszeiten auf über 40 Stunden in der Woche problematisch. Die Gesellschaft sei „voller Burnout und Psychosen.“

Leser Felix Friedrich hat seine Wochenarbeitszeit bereits von 40 auf 32 Stunden reduziert. „Ich halte das für eine sehr gute Entscheidung, auch wenn ich dafür auf Gehalt verzichten muss.“ Gerade in der Altersgruppe der etwa 30-Jährigen sieht er eine starke Tendenz zu solchen Modellen. Dadurch bleibe mehr Zeit für Familie, Hobbys und Weiterbildung.

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13.02.2013, 19:03 Uhr

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