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Amazonbewertungen : Zwergengericht

Zwergengericht über die Weltliteratur: Bei Amazon urteilen die Leser zurück! Bild: ZB

Der Buchmarkt ist ein Dschungel. Und große Literatur so drückend kompliziert. Im Bewertungsportal von Amazon urteilen die Leute zurück. Was das über die Weltliteratur aussagt.

          Kafka: Der Proceß

          Franz Kafkas „Prozess“ sollte umgehend der Prozess gemacht werden. Das Studium dieses Werkes erzeugt beim Leser ein Gefühl, als würde er unablässig mit einem mittelweichen Stück Schaumstoff gegen den Schädel geschlagen, während gleichzeitig eine ausladende Steuererklärung zu bearbeiten ist. Der Roman wartet weder mit glaubwürdigen Charakteren noch einer annähernd kohärenten Geschichte auf. Beim Lesen stellt sich der Wunsch ein jedem der nach und nach eingeführten, ausnahmslos geistig minderbemittelten Charaktere umgehend mit geballter Faust in die Magengegend zu schlagen, wenn immer diese den Mund öffnen. Gleiches gilt für den Protagonisten und seine abwechselnd paranoide und größenwahnsinnige Gedankenwelt. Weitere Hiebe hat sich Kafka selbst für die unheimlich unesthetische und künstlich verkomplizierte Sprache in „Der Prozess“ verdient. Wer vorhatte „mal wieder einen Klassiker zu lesen“ sollte schleunigst diesen geistigen Totalausfall, der höchstens als Accessoire und Flirt-Köder in einschlägigen Berliner Hipster-Kneipen taugt, von seiner Liste streichen. (Sebastian M., Oktober 2015) – dazu: Mutige, witzige und treffende Rezension.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          (Christoph Cavazzini)

          Für mich ist der Prozeß ein unfertiges Werk, das zwar nicht leicht zu lesen ist, aber defintiv interessante Züge mit sich bringt. Dennoch fehlt am Ende einfach eine Art Aufklärung oder ein Kapitel, denn es endet einfach zu abrupt und zu viel bleibt offen. (Sandra, 5. Oktober 2015, 3/5 Sternchen)

          Da es ein kostenloser Klassiker ist, war es ok – Geld wäre mir das Buch jedoch nicht wert. (Catrin B., 7. Juni 2015, 3/5)

          Thomas Mann: Der Zauberberg

           Der Roman hat ein ganz fantastisches Kapitel, die Walpurgisnacht, der Rest ist so lala. Dafür zeigt Thomas Mann allen, was er drauf hat. Das Ergebnis dieser seiner intellektuellen Eitelkeit und Angeberei ist zwar beeindruckend und schrecklich intelligent, und durchaus auch eine geistige Bereicherung für den Leser, aber auch streckenweise öde und anstrengend. Immerhin kann man sich nach dem Durchlesen etwas darauf einbilden und den Eindruck haben, man habe etwas geleistet. (Emge, August 2015)

          Der Titel von Thomas Manns „Der Zauberberg“ lässt schon im ersten Moment einen Fantasy-Roman erwarten. Zwar wartet der große deutsche Schriftsteller nicht mit Fabelwesen auf, die Handlung seines Romans ist aber dennoch phantastisch angehaucht. (Axel Hartmann, Februar 2016, 5/5 Sternchen)

          Joseph Roth: Hiob

           Wer auf der Suche nach frischen Lebenseinsichten ist, der wird aus der Lektüre von „Hiob“ nicht sonderlich viele neue Eindrücke mitnehmen. Das Leben ist hart, es hagelt Niederschläge – wohl dem, dem es gelingt nicht vollkommen abzudrehen, ein halbwegs vernünftiger Zeitgenosse zu bleiben. Dann gibt es gen Ende vielleicht sogar eine kleine Belohnung. (Vinoveritas, August 2015)

          Hiob ein Bestseller unter den Klassikern. Hiob hat wahrhaftig die Bewertung und diesen Verkaufsstatus verdient. (gsiberg99, Januar 2016, 5/5 Sternchen)

          Heinrich Heine: Wintermärchen

          Habe mehr erwartet, bin ziemlich enttäuscht von diesem nicht besonders gelungenen Stück. (Maurics Heidrich, April 2014)

          Sicher einer der größten Schriftsteller, die Deutschland je hervorgebracht hat. Sein satirischer Reisebericht in Versform, der ihn inhaltlich 1844 von der französischen Grenze bis nach Hamburg führt, wurde diverse Male verboten und zensiert. Ein klassisches Zeitzeugnis. Insbesondere für 0 Euro eine Plichtlektüre. (Nachtschwarz, Juni 2015, 5/5 Sternchen)

          Adam Smith: Wealth of Nations

          Brilliant, lesbar, ein Jahrhundertknüller, der nicht nachgemacht wurde. Warum nur 4 Punkte? Um aufzufallen und um Leserkritik zu erbitten, denn A.S. hat nicht alles schon gewusst. Auch er irrte. (Bohnenberger, Juni 2015)

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