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Lesegeräte Kindle & Co.

19.10.2009 ·  Eigentlich sind E-Book-Lesegeräte nichts anderes als Schwarzweißbildschirme in einem handlichen Format. Mindestens acht Lesegeräte sind auf dem Markt. Alle haben sie noch ihre Macken. Ein Kurztest.

Von Patrick BernauMelanie Amann
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Eigentlich sind E-Book-Lesegeräte nichts anderes als Schwarzweißbildschirme in einem handlichen Format. Aber sie versprechen nichts weniger als die Revolution des Lesens. Tausende Bücher sollen ihre Besitzer elektronisch lesen können, ohne das schwere Papier schleppen zu müssen. Sind die Bücher zu klein gedruckt, kann man einfach die Schrift vergrößern. Geht der Lesestoff zur Neige, muss der Besitzer nicht zum Buchladen laufen und nicht warten, bis die Post ein neues Buch geliefert hat - er muss das neue Buch nur online bestellen, schon kommt es durchs Internet auf das Lesegerät geeilt, sofort bereit zum Lesen.

In Amerika verschickt der Buchhändler Amazon schon seit Monaten elektronische Bücher per Datenleitung, mehr als 290 000 Titel sind schon im Programm. Zum Lesen verkauft Amazon das Lesegerät "Kindle" - und das soll, so sagt es Amazon, dessen meistverkaufter Artikel sein. Von Montag an liefert Amazon den "Kindle" auch nach Deutschland. Auch einige andere Lesegeräte sind schon im Angebot oder kommen in den nächsten Wochen. Ein erster Blick auf die Geräte zeigt: Der E-Book-Fan muss sich entscheiden, ob er ein gutes, spiegelfreies Display haben möchte oder ob er sein Gerät einfach bedienen will. Beides gleichzeitig geht nicht.

Eines allerdings geht mit allen Lesegeräten: ewig lesen. Denn die Reader brauchen kaum Strom. Die Buchstaben werden per "elektronischer Tinte" (E-Ink) auf den Bildschirm geschrieben, und die braucht nur beim Umblättern Strom. Eine Akkuladung reicht bei allen Geräten, um mehrere tausend Mal umzublättern. Der Nachteil: Alle Geräte flimmern beim Umblättern. Das nervt nicht nur die Augen, sondern ist ein echter Konzentrationskiller.

Am angenehmsten klappt das Blättern noch mit Amazons Kindle. Die Seite braucht zwar immer noch zwei Sekunden, um sich aufzubauen, also spürbar länger als der Seitenwechsel zum Beispiel in einer Word-Datei auf dem PC. Aber der Kindle flimmert viel weniger als die anderen E-Book-Reader. Der Kindle liegt mit seinen 290 Gramm auch angenehm in der Hand. Ja, das ist Plastik, das spürt man sofort. Der Kindle ist ja auch das günstigste Gerät. Aber die Oberfläche hat eine edle Glätte, die sich angenehm anfasst. Das Display spiegelt ein bisschen, lässt sich aber aus der Spiegelung herausdrehen

Etwas irritierend dagegen ist die Bedienung: Auf Anhieb erschließt sich nicht so recht, nach welcher Grundidee die Kindle-Macher die Funktionen auf den Joystick und die anderen Knöpfe des Geräts verteilt haben.

Die englischen Bücher kann sich der Nutzer dafür vorlesen lassen. Das klappt auch mit Zeitungen: Morgens beim Zähneputzen den Leitartikeln des Tages lauschen - das klingt verführerisch. Nur die Stimmen sind noch arg blechern und unmelodiös. Und noch können sie nur Englisch.

Der große Vorteil des Kindle: Das Buch kommt per Funk aufs Gerät. Kein Kabel und kein Computer ist nötig, nur für den Strom muss das Gerät noch angeschlossen werden, zum Beispiel mit einem USB-Kabel an den Rechner. Der Buchkauf geht schnell und ist auch für völlige Laien verständlich. Kein "zur Kasse gehen" - mit einem Klick ist das Buch gekauft. Wer sich irrt, darf stornieren. Und die Amazon-Software warnt sogar vor Mehrfachkäufen.

Der große Haken: Bislang gibt es bei Amazon keine deutschen Bücher, nur Zeitschriften und drei Zeitungen, darunter die F.A.Z. Für die anderen Reader existiert heute schon ein reichhaltiges Angebot an deutschen Büchern. Die meisten werden als sogenannte "E-Pub"- Dateien verkauft, die auf fast allen Geräten laufen - außer dem Kindle (siehe Kasten unten).

Die bekanntesten Geräte, die mit E-Pub-Büchern zurechtkommen, stehen bereits in Buchhandlungen. Dem Kindle am ähnlichsten ist das Modell Story vom koreanischen Hersteller iRiver, das bei Hugendubel zu bekommen ist. Es versteht das E-Pub-Format, ist dafür allerdings rund 100 Euro teurer als der Kindle und lässt sich nicht per Funk bestücken. Stattdessen muss der Besitzer das Buch am Computer herunterladen und umständlich per Kabel auf das Gerät spielen.

Dieses Problem haben die meisten anderen Geräte auch. Das Sony PRS wirkt dafür noch edler als die beiden anderen, denn das Display ist in einem Aluminiumgehäuse untergebracht. Von diesem Gerät soll ein neues Modell Ende Oktober in die Läden kommen, und zwar nicht nur in die Buchläden, sondern auch in die Elektromärkte. Das heißt dann "PRS 600 Touch Edition" und lässt sich - anders als Amazons Kindle - auch per Fingerdruck aufs Display bedienen. Dabei erlaubt das PRS auch, mit einem speziellen Stift eigene Anmerkungen in den Text zu schreiben.

Doch das Sony-Gerät hat auch seine Nachteile. Das fängt beim Lesen an: Wenn ein E-Book-Reader auf Fingerdruck funktioniert, spiegelt sein Display immer etwas. Auch die Farben - Schwarz und Weiß - werden etwas grauer, das Lesen wird noch anstrengender als auf dem Kindle. Auch das Einkaufen neuer Bücher macht mit Sonys E-Book-Reader weniger Spaß. Denn auch das PRS 600 lässt sich nur umständlich per Kabel befüllen, nicht per Funk.

Wer Wert darauf legt, dass der E-Book-Reader kompakt und leicht ist, der ist mit dem Cybook Opus von Bookeen gut beraten. Denn dieses Gerät hat den kleinsten Schirm und passt als einziges zur Not sogar in eine Hosentasche. Die Entwickler haben einen guten Kompromiss zwischen einer leichten Bedienung und einem guten Display gefunden: Der Nutzer kann sein Gerät zwar per Bildschirm bedienen, aber nur mit Stift. Deshalb schafft Bookeen es, dass das Display fast so matt und klar ist wie das von Amazon. Das schaffen auch die Entwickler von Hanvon für ihr Modell N518, das nur etwas mehr spiegelt als das Cybook, dafür aber ein größeres Display hat. Es wird von Hexaglot vertrieben.

Die Besitzer all dieser Geräte allerdings müssen ihre Reader an den Computer anschließen, um neue Bücher zu laden, bis eben auf den Kindle - und auf Txtr. Dieses Gerät kann tatsächlich per Handynetz Bücher direkt herunterladen, wenn auch nur innerhalb Deutschlands. Mitte Dezember soll das Gerät zu haben sein. Doch die Leichtigkeit des Buchkaufs stellt sich beim Lesen nicht mehr ein. Das Gerät liegt nicht gut in der Hand, sondern droht immer wieder hinauszukippen - egal, wie man es hält. Und mit seiner Plastikhülle sieht es noch nicht einmal edel aus.

Allerdings immer noch besser als das Etaco JetBook, dessen Tasten so locker sitzen, dass es fast auseinanderzufallen scheint. Doch auch dieses bietet seinen ganz eigenen Vorteil: Als einziges Gerät hat es ein Display, das wie das eines Laptops funktioniert und eine eigene Beleuchtung mitbringt. Damit liest es sich in dunklen Ecken deutlich einfacher. Dafür hält der Akku keine 24 Stunden Lesen durch.

Das E-Book mit Lektüre füllen

1. Den richtigen Anbieter wählen. Dabei kommt es nicht auf Preisvergleiche an. Denn deutschsprachige E-Books sind preisgebunden, kosten also bei allen Läden gleich viel. Die elektronische Ausgabe von gebundenen Büchern ist manchmal ebenso teuer wie die gedruckte, in vielen Fällen kostet sie aber nur die Hälfte. Für die Auswahl der richtigen Quelle sind vor allem zwei Fragen entscheidend: Welches Angebot hat der Laden? Und kann mein Lesegerät die Dateien von diesem Händler auch anzeigen?

2. Amazon. Zwischen Amazon und den Kindle passt kein Blatt Papier. Auf dem Kindle funktionieren fast nur Dateien von Amazon - und Amazon bietet nur Dateien für den Kindle. Die kann der Nutzer dafür überall abrufen, wo es ein Handynetz gibt. Amazon führt allerdings derzeit keine deutschen E-Books, sondern nur rund 200.000 Bücher in englischer Sprache. Zeitungs- und Zeitschriftenleser haben die Wahl unter rund 80 Medien, darunter drei deutschsprachige: die Frankfurter Allgemeine Zeitung, das Handelsblatt und die Wirtschaftswoche, von denen die meisten Artikel in die Kindle-Version übertragen werden. Die ist um rund die Hälfte günstiger als die Papierversionen. Zeitungen und Zeitschriften kommen automatisch nach der Veröffentlichung auf den Kindle - die Frankfurter Allgemeine zum Beispiel jede Nacht um ein Uhr.

3. Libreka. Wer ein anderes E-Book-Lesegerät hat, braucht seine Bücher im sogenannten „ePub“-Format. Das größte Angebot an deutschsprachigen Büchern hat dabei Libreka.de, eine Website, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ins Internet gestellt hat. Besonders praktisch ist an Libreka, dass der Nutzer nicht nur nach Autor und Buchtitel suchen kann, sondern gleich den ganzen Inhalt der Bücher nach seinem Suchbegriff durchforsten lassen kann. Libreka hat nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Titel im Programm. Darunter sind so gut wie alle Bestseller, doch längst nicht alle aktuellen Titel. Das viel beachtete Buch „Free - Kostenlos“ von dem Journalisten Chris Anderson über Geschäftsmodelle im Internet fehlt zum Beispiel.

4. Libri. Auch der Buch-Großhändler Libri hat viele Titel zu bieten. Er hat „Free - Kostenlos“ im Angebot und fast 100 000 andere Bücher - nicht nur im ePub-Format, das auf quasi allen E-Books außer dem Kindle läuft, sondern auch in einem Kindle-näheren Format: „Mobipocket“ heißt das, und die Dateien lassen sich mit etwas technischem Aufwand auch auf den Kindle bringen.

5. Txtr. Txtr hat unter http://txtr.com/store nicht den größten Online-Laden - er umfasst nur rund 10 000 Bücher -, aber er kann etwas, das Libreka und Libri nicht können: die Bücher direkt per Funk auf das Lesegerät schicken, und zwar auf den „Txtr“. Bei Libreka und Libri müssen die Kunden das Buch derzeit am Computer kaufen und mit einem speziellen Programm per Kabel auf das Gerät kopieren. Auch Txtr verkauft die Bücher im verbreiteten „ePub“-Format, sie sind also voll kompatibel zu anderen Läden und Geräten - außer dem Kindle.

6. Barnes & Noble. Besitzer von iPhones und Blackberrys können außerdem die englischsprachigen Bücher des Buchhändlers Barnes & Noble nutzen, die unter www.barnesandnoble.com/ebooks zu finden sind. Diese Dateien funktionieren auf keinem E-Book-Gerät, sondern nur auf diesen beiden Handys, auf Apple-Computern und auf Rechnern mit Windows.

7. Projekt Gutenberg. Das Projekt Gutenberg sammelt Klassiker, deren Urheberrechte abgelaufen sind. Die werden dann kostenlos per Internet verteilt oder günstig in großen Mengen per Speicherkarte. Nutzer finden dort für jedes Gerät etwas: auf Deutsch unter gutenberg.spiegel.de, auf Englisch unter www.gutenberg.org. (bern.)

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