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Leitzinsen EZB beweist geldpolitische Stabilität

 ·  Die Europäische Zentralbank lässt zum Jahresbeginn ihren Leitzins konstant. Die Finanzmärkte zeigten sich davon unbeeindruckt.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zum Jahresbeginn Zinsruhe bewahrt. Der Rat der EZB beließ auf seiner Sitzung am Donnerstag den Leitzins im Euro-Raum bei 2,75 Prozent. Erst im Dezember hatte die EZB den Zins um 0,5 Prozentpunkte gesenkt.

An den Finanzmärkten war die Entscheidung erwartet worden. Die Aktienkurse im Euro-Raum wie in Deutschland blieben von dem Beschluss unberührt. Der Euro hielt seine Tagesgewinne gegenüber dem Dollar und notierte kurz nach der Entscheidung knapp über 1,05 Dollar pro Euro.

Zinsniveau angemessen

EZB-Präsident Wim Duisenberg sagte auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung, die EZB halte den Leitzins nun für angemessen. Für die Zukunft gelte „wait and see“ - abwarten.

Seit September hatte der EZB-Rat die Formulierung eines angemessenen Leitzinsniveaus nicht verwendet, auch nach der Zinssenkung im Dezember nicht. „Im Dezember waren wir nicht so sicher“, gab Duisenberg zu. „Nun sind wir viel sicherer, dass der Leitzins angemessen ist.“

Bankvolkswirte werteten die Aussagen Duisenbergs dahingehend, dass die EZB die Tür für weitere Zinssenkungen offen halte. Ausweislich der Terminsätze am europäischen Geldmarkt erwarten die Finanzmärkte eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte im zweiten Quartal des Jahres.

Der EZB-Präsident betonte, dass die Notenbank sowohl Aufwärts- wie Abwärtsrisiken für die Inflation sehe. Aufwärtsrisiken stellten die Ölpreise dar und die Lohnpolitik, sollte sie ihren bis ins Jahr 2002 moderaten Kurs hinein verlassen.

Liquidität reichlich vorhanden

Die Liquidität im Euro-Raum hält der EZB-Rat unverändert für reichlich. Angesichts der gedämpften Wachstumsaussichten sei es aber unwahrscheinlich, dass sich die Liquidität in Inflationsdruck entlade.

Duisenberg bekräftigte die Erwartung, dass nach einigen Schwankungen zu Jahresbeginn die Inflationsrate im Jahresverlauf unter zwei Prozent fallen werde. Die EU-Kommission hat die Teuerungsrate im Euro-Raum für Dezember auf 2,2 Prozent geschätzt.

Euro-Aufwertung dämpft Preisdruck

Die Aufwertung des Euro werde helfen, den Preisdruck zu dämpfen, sagte Duisenberg. Er widersprach der Einschätzung, dass durch die Aufwertung zur Jahreswende die expansive Wirkung der geldpolitischen Lockerung von Dezember schon konterkariert sei. Eine Aufwertung sei nur teilweise äquivalent zu einer monetären Straffung, sagte Duisenberg.

Der Euro wird derzeit mit reichlich 1,04 Dollar pro Euro gehandelt; der Wechselkurs liegt nahe an einem Drei-Jahres-Hoch. Duisenberg sagte, die bisherige Aufwertung gefährde die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft des Euro-Raums nicht.

Verhaltener Wachstumsoptimismus

Duisenberg zeigte sich zuversichtlich, dass die Wirtschaft im Euro-Raum in diesem Jahr allmählich wieder auf einen höheren Wachstumskurs fände. Das gelte auch für das laufende erste Quartal, betonte der EZB-Präsident. Die EU-Kommission schließt dagegen eine schrumpfende Wirtschaft für das erste Quartal nicht aus.

Der EZB-Rat habe seine Erwartung nicht verändert, dass die Wachstumsrate im Jahresverlauf auf knapp unter Potenzial steigen werde, sagte Duisenberg. Die EZB veranschlagt die Potenzialwachstumsrate bei zwei bis 2,5 Prozent.

Unsicherheit ist Hauptrisiko

Die wirtschaftlichen Abwärtsrisiken haben sich laut Duisenberg seit Dezember ein wenig verstärkt. Dieses Urteil gründe nicht in aktuellen Konjunkturdaten, sondern in dem „Ausbleiben eines Verschwindens der Unsicherheit“. Die EZB betrachtet die Unsicherheit an den Finanzmärkten, bei Konsumenten und Investoren als Hauptrisiko ihres Wachstumszenarios, auch als Folge der „geopolitischen Spannungen“.

Das aktuell niedrige Niveau der Zinsen sollte helfen, diese Risiken auszugleichen. Der einzige Stabilitätsfaktor, auf den die Menschen derzeit bauen könnten, sei die Stabilität der Geldpolitik, sagte Duisenberg.

Auch die britische Notenbank hält still

Auch die britische Bank of England (BoE) behielt wie erwartet den Leitzins unverändert. Der Zins liegt damit weiter auf seinem 39-Jahres-Tief von vier Prozent. BoE-Gouverneur Sir Edward George hatte erst vergangene Woche gesagt, er erwarte eine moderate Erholung der Weltkonjunktur.

Die BoE soll eine Inflationsrate von 2,5 Prozent anstreben. Im November hatte die Bank prognostiziert, die Teuerungsrate werde in diesem Jahr 2,65 Prozent erreichen. Seit März 1999 lag die Inflation mit Ausnahme von drei Monaten unter der Zielrate.

Die Bank erwartet zudem, dass das Wirtschaftswachstum im Vereinigten Königreich in diesem Jahr von 1,6 auf 3,1 Prozent steigen wird. Das ist höher als die Rate von 2,75 Prozent, die das britische Finanzministerium als inflationsneutral ansieht.

An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die BoE mindestens bis zum Sommer den britischen Leitzins beibehält. Danach werden allmählich Zinssteigerungen erwartet.

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