Die Beteiligungsfonds könnten Opfer ihres Erfolgs werden.
Beteiligungsgesellschaften sind die neuen mächtigen Spieler an den internationalen Kapitalmärkten. Wer das wirklich große Geld verdienen will, der sucht sein Glück nicht länger als Fusionsberater einer Investmentbank, sondern heuert bei Blackstone, KKR, Permira, Apax, Bain Capital oder der Carlyle Group an. So heißen die größten Private-Equity-Gesellschaften der Welt; ähnlich unscheinbar kommt eine andere Spielart der ungewohnt aggressiven Finanzinvestoren daher, die sich Hedge-Fonds nennen, aber Risiko-Fonds sind. Die Investmentbanken haben auf die Verlagerung der Geldtöpfe und die Abwanderung ihrer besten Talente reagiert, indem sie wie Goldman Sachs das Geschäft selbst in großem Stil betreiben.
Allein in diesem Jahr fließen den Beteiligungsgesellschaften auf der ganzen Welt rund 300 Milliarden Dollar zu; ihre größten Geldgeber sind Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen und wohlhabende Privatanleger. Entsprechend groß ist der Anlagebedarf, die Transaktionssumme der im laufenden Jahr gekauften Unternehmen oder Immobilien hat sich auf den Rekordwert von 600 Milliarden Dollar verdoppelt. Über das Gesamtvolumen gibt es nur Schätzungen: Man darf annehmen, daß Private-Equity-Fonds über ein Anlagekapital von etwa 1,5 Billionen Dollar verfügen, einen ähnlich hohen Betrag dürften Hedge-Fonds eingesammelt haben. Das ist wohlgemerkt nur das Eigenkapital, bewegt wird wesentlich mehr Geld, da die meisten Transaktionen nur zum geringen Teil mit Eigenkapital und zum Großteil mit Krediten finanziert werden.
Gegenwärtig sitzen die Beteiligungsgesellschaften auf einem Liquiditätsberg von etwa 300 Milliarden Dollar, der schnell und renditeträchtig angelegt werden will. Rechnet man mit einem konservativen Kredithebel von drei bis vier, suchen die Private-Equity-Investoren also nach Anlagechancen im Volumen von etwa einer Billion Euro. Mit diesem Betrag könnten alle 30 Gesellschaften im Deutschen Aktienindex Dax auf einmal gekauft und den Aktionären obendrein eine attraktive Prämie auf die aktuellen Aktienkurse geboten werden. Angesichts solcher Dimensionen müssen sogar Dax-Gesellschaften fürchten, von Finanzinvestoren übernommen zu werden. Deutsche Unternehmen gelten im internationalen Vergleich als billig, auch als Folge des unterentwickelten Kapitalmarkts durch die Dominanz der staatlichen Rentenversicherung und der fehlenden privaten Altersvorsorge über die Märkte. Vorsorglich haben deshalb selbst die größten deutschen Börsengesellschaften schon Investmentbanken mit der Verteidigung für den Fall eines Angriffs beauftragt.
Natürlich spielen Finanzinvestoren auch eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des deutschen Mittelstands. Häufig pochen sie ganz im Sinne auch der anderen Eigentümer auf eine wertschaffende Unternehmensführung und kontrollieren diese. Auch senken Beteiligungsfonds nicht bloß die Kosten und zerschlagen Konzerne nicht aus Selbstzweck. Oft schaffen sie Arbeitsplätze und führen Gesellschaften zu neuen, wettbewerbsstarken Einheiten zusammen. In jüngster Zeit häufen sich jedoch die negativen Beispiele, was weniger auf einzelne schwarze Schafe als vielmehr auf eine bedenkliche Branchenentwicklung hindeutet.
Offenbar führt der übermäßige Zustrom frischer Anlagegelder nicht nur zu einem starken Anstieg der Preise der Anlageobjekte und einem Verfall der Renditen, sondern auch zu einem immer aggressiveren Geschäftsgebaren. Bei der Jagd nach dem schnellen Geld werden den übernommenen Unternehmen oft viel zu hohe Schulden aufgeladen, die Kapitalreserven werden abgesaugt, Zusatzkredite aufgenommen, um Sonderdividenden an die Kurzfrist-Eigentümer auszuschütten. In der Branche wird das schönfärberisch Rekapitalisierung genannt; tatsächlich ähnelt das Vorgehen aber einem Eigenkapitalraub, zumal gleichzeitig der "Carry", die Gewinnbeteiligung für die Private-Equity-Partner, auf gut 20 Prozent gestiegen ist. Groß in Mode sind außerdem Zweit- oder Drittverkäufe von einem Finanzinvestor zum nächsten sowie "Quick Flipps", der Kauf und Verkauf in schnellstmöglicher Zeit. Zurück bleiben oft überschuldete Gesellschaften, die selbst in normalen Zeiten kaum genügend Kraft für den Schuldendienst haben und im Umfeld steigender Zinsen oder schlechter Konjunktur von der Insolvenz bedroht sind - mit dem entsprechenden Verlust von Arbeitsplätzen.
Die Kritik an den Beteiligungsfonds wird lauter, und sie kommt nicht nur aus der politisch linken Ecke. Sie ist in New York genauso wie in London oder Frankfurt zu hören. Inzwischen sorgen sich sogar Notenbanken und Aufsichtsbehörden um die Stabilität des Finanzsystems. In Amerika und Europa wird die Intransparenz der Beteiligungsbranche beklagt, die nicht zufällig außerhalb der streng regulierten Börsenwelt entstanden ist. Gewarnt wird auch vor der leichtfertigen Kreditvergabe durch die Banken, weil niemand weiß, wo sich welche Kreditrisiken ansammeln.
Das spekulative Rad wird größer, und es wird immer schneller gedreht. Am Schwungrad stehen nicht allein profitgierige Kapitalverwalter, sondern auch kleine Sparer und Anleger. Weil demographisch bedingt in den Industriestaaten immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssen, steigt der Renditeanspruch an die privaten und beruflichen Altersvorsorgegelder. Die wichtigste Quelle der Beteiligungsgesellschaften sind Lebensversicherungen und Pensionsfonds, die im Auftrag ungezählter Sparer, Arbeitnehmer und Anleger auf der Suche nach einer hohen Rendite sind. An ihnen liegt es, den Auftrag an die Kapitalverwalter so zu definieren, daß die Beteiligungsfonds nicht zum Opfer ihres eigenen Erfolgs werden.