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Deutschlands Überschuss : Die große Leistungsbilanz

BMW i3-Elektroautos parken in Los Angeles: Deutschland exportiert mehr in die Vereinigten Staaten, als es dort einkauft. Bild: dpa

Deutschland steht für seinen Leistungsbilanzüberschuss in der Kritik. Aber was ist das eigentlich? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

          Wenn an diesem Freitag die G-20-Finanzminister und Notenbankchefs in Baden-Baden zusammenkommen, richten sich die Augen vor allem auf Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seinen amerikanischen Kollegen Steven Mnuchin. Denn die deutsch-amerikanische Beziehung ist in Handelsfragen angespannt. Immer wieder moniert die amerikanische Regierung die hohen Leistungsbilanzüberschüsse der Deutschen. Donald Trumps Handelsberater Peter Navarro hat sie unlängst als „ernste Sache“ bezeichnet.

          Maja Brankovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Es ist die unendliche Geschichte der deutschen Wirtschaft. Jahr für Jahr erzielt sie einen hohen Leistungsbilanzüberschuss – und erntet dafür harsche Kritik. Im vergangenen Jahr belief sich der deutsche Überschuss auf fast 9 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Damit war er nicht nur der höchste der ganzen Welt; er lag auch weit über der von der Europäischen Union ausgegebenen Höchstmarke von 6 Prozent. Aber was fließt – neben dem Außenhandel – noch alles in die Leistungsbilanz ein? Und wie kommt der deutsche Überschuss zustande?

          Leistungsbilanz und Zahlungsbilanz

          Zunächst einmal ist die Leistungsbilanz ein buchhalterisches Konstrukt, das einen Teil der deutschen Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland dokumentiert. Kaum eine andere große Volkswirtschaft ist so eng mit der restlichen Welt verflochten wie Deutschland. Deutsche Unternehmen verkaufen Waren in nahezu alle Länder der Erde, bauen Fabriken im Ausland und kaufen Vorleistungen von ausländischen Herstellern. Deutsche Verbraucher kaufen T-Shirts aus China und Schuhe aus Portugal. Urlaub machen sie nicht nur an der deutschen Ostsee, sondern auch mal in Italien, wo sie die Transportmöglichkeiten am Ort benutzen, die Restaurants besuchen und auch mal eine Postkarte nach Hause schicken. All diese Geschäfte mit dem Ausland zu erfassen ist die Aufgabe der Deutschen Bundesbank. Monatlich erstellt sie dazu eine sogenannte Zahlungsbilanz, die aus mehreren Teilen besteht: der Kapitalbilanz und der Leistungsbilanz sowie einer kleineren Übertragungsbilanz und einigen Restposten.

          Mehr als nur Export und Import

          In der Leistungsbilanz werden alle „Leistungen“ aufgeführt, die das Inland mit anderen Ländern austauscht. Dazu gehören Waren ebenso wie Dienstleistungen, Zinsen und Löhne. Im Kern weist sie den Wert der exportierten Güter auf der einen Seite, der Einnahmen, und den der importierten Güter auf der anderen Seite, der Ausgaben, aus. Doch der Warenaustausch mit dem Ausland macht nur etwa zwei Drittel des in der Leistungsbilanz dokumentierten Volumens aus. Der zweite bedeutende Posten sind die Dienstleistungen. Zu den Dienstleistungen gehören neben Spedition, Versand und Finanzdienstleistungen für Ausländer auch der Auslandstourismus. Kauft ein spanischer Tourist zum Beispiel ein Zugticket von München nach Berlin, gilt das als Dienstleistungsexport – weil ein Ausländer die inländische Dienstleistung erhält.

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          Auch Transferleistungen ans Ausland, die keine Gegenleistung erfordern, fließen in die Leistungsbilanz ein. Ein wichtiges Beispiel ist die Entwicklungshilfe, die Deutschland bilateral oder als Teil einer internationalen Gruppe von Gebern leistet. Dazu gehören neben Überweisungen an die Entwicklungsländer oder an vor Ort tätige Hilfsorganisationen auch die Mittel, die der deutsche Staat zum Beispiel Studierenden aus Entwicklungsländern zur Verfügung stellt. Außerdem werden alle Geldüberweisungen, die ausländische Gastarbeiter in ihre Heimat schicken, in der Leistungsbilanz festgehalten.

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