Home
http://www.faz.net/-gqe-15n4g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Leckerer in der Luft Die Wahrheit hinter dem fliegenden Tomatensaft

12.02.2010 ·  Warum sind Passagiere in Flugzeugen wie wild auf Tomatensaft, obwohl die meisten ihn zuhause nicht anrühren? Dem Phänomen geht die Lufthansa jetzt wissenschaftlich auf den Grund. Singapore Airlines forscht schon seit längerem.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Warum sind Passagiere in Flugzeugen wie wild auf Tomatensaft, obwohl die meisten von ihnen dergleichen im häuslichen Wohnzimmer nicht anrühren? Diesem Phänomen geht die Lufthansa nun wissenschaftlich auf den Grund, zusammen mit dem Fraunhofer Institut.

Vorläufiges Ergebnis der Testreihe: Die Säure der Tomate kommt an Bord deutlich stärker zum Vorschein, der am Boden eher lasch schmeckende Saft kommt in luftiger Höhe wesentlich fruchtiger daher. Salz und Pfeffer geben der Tomate den kulinarischen Rest. Schuld daran sind die Flughöhe und die menschliche Wahrnehmung. Die Trockenheit und der Unterdruck an Bord wirken sich auf die Geschmacksnerven aus. Gewürze, Salz oder Wein nimmt man während des Fluges anders wahr. Auch die Feuchtigkeit im Fisch verändert sich auf Flughöhe, genauso wie die Konsistenz von Reis.

Die Auswirkungen sind beträchtlich, nicht nur auf die Nerven, sondern auch auf die Logistik der Fluggesellschaft. 1,7 Millionen Liter Tomatensaft schenkt die Lufthansa im Jahr aus. Damit liegt die Tomate in der Gunst der Passagiere klar vor Bier oder Sekt. Geschlagen geben muss sie sich indes Apfel- und Orangensaft, die es - die Lufthansa erfasst die beiden nur gemeinsam - auf 4,9 Millionen Liter jährlich bringen.

Das Endergebnis der Testreihe soll in einigen Wochen vorliegen, und es wird nicht nur die Wahl der Säfte beeinflussen. Lufthansa hat durch Fraunhofer auch Speisen testen lassen, ein Jahr lang probieren Forscher und Probanden schon in speziellen Unterdruckkammern diverse Varianten aus. Dann sollen die Rezepturen angepasst werden, auf dass es an Bord noch besser schmecke.

Die asiatische Fluggesellschaft Singapore Airlines betreibt diesen Aufwand übrigens schon seit längerem. Sie unterhält am Flughafen Changi sogar eine eigene Kammer, in der die Druck-, Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse an Bord dargestellt werden (Singapore Airlines: Frühstück aus der Druckkammer). Simuliert werden 8000 Fuß, was dem Druck entspricht, den Passagiere in Reiseflughöhe erleben. Der Aufwand ist erheblich: Rund 600 000 Euro hat die gut sieben mal drei Meter große Box gekostet. Da muss dann wohl mehr herauskommen als nur die Wahrheit hinter dem ungezügelten Tomatensaftkonsum - bei Singapore, zum Beispiel, 6 Millionen unter Druck getestete Essen im Quartal.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jeder rette seine Bank

Von Christian Siedenbiedel

Die EU-Staaten sollen Banken gemeinsam retten? Keine gute Idee. Das wäre Hilfe ohne Kontrolle. Mehr 27 28

01.06.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.050,29 −3,42%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.319,85 −3,26%
Dow Jones 12.118,60 −2,22%
EUR/USD 1,2433 +0,58%
Rohöl Brent Crude 98,82 $ −2,76%
Gold 1.606,00 $ +3,08%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.