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Lebensmittel Genreis bei Edeka und Kaufland

14.09.2006 ·  Nach den Funden von nicht genehmigtem Genreis in Deutschland haben Filialen von Edeka und Kaufland Reisprodukte aus den Regalen genommen. Biotechnologie-Firmen hierzulande fürchten, daß die Akzeptanz für Genprodukte in Deutschland weiter sinkt.

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Der erstmals in Deutschland nachgewiesene Genreis ist unter anderem in südwestdeutschen Filialen
des größten deutschen Lebensmittelhändlers Edeka und bei der Warenhausgruppe Kaufland gefunden worden. Edeka kündigte am Donnerstag an, die betroffene Reismarke aus den Regalen zu nehmen. „Die Edeka Südwest hat den betreffenden Reis der Marke 'fit for fun Vollkornreis Marathon' aus dem Regal genommen, und wir sind derzeit dabei, dies deutschlandweit umzusetzen,“ sagte ein Sprecher der Edeka-Zentrale in Hamburg. Im Bereich der Edeka Südwest sei vorsorglich auch das Reisprodukt 'fit for fun Trix Reis-Mix Triathlon' aussortiert worden. Den Kunden werde der Kaufpreis erstattet, hieß es.

Die zur Schwarz-Gruppe gehörende Warenhauskette Kaufland teilte am Abend mit, betroffen seien Reislieferungen mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 27.4.2007, 19.6.2007 und 13.7. 2007. Die Handelsgruppe rief die Kunden seiner Supermarktketten Kaufland, Kauf-Markt und Handelshof auf, diese Ware zurückzubringen, dann werde der Kaufpreis erstattet.

Sechs Körner Genreis unter zehntausend

Zur Schwarz-Gruppe gehört auch der Discounter Lidl. Ein Lidl-Sprecher betonte aber, daß Lidl keinen US-Reis im Sortiment führe, alle bisherigen Tests bei den übrigen Sorten seien negativ verlaufen. Auch in den Märkten der Rewe-Gruppe (Rewe, Minimal, Toom, Penny) wurde nach Angaben eines Sprechers bislang kein verunreinigter Reis gefunden.

Schon vor einigen Tagen hatte der Handelskonzern Aldi Nord ein Reisprodukt aus den Regalen entfernt, weil es angeblich gentechnisch bearbeitet wurde. Zu dem aktuellen Gentechnik-Fund in Stuttgart äußerte das Ministerium, daß nach derzeitigen Kenntnissen keine Gesundheitsgefährdung bestehe. Der Anteil der Genreiskörner liege bei 0,05 Prozent oder fünf bis sechs von 10.000 Körnern. Es sei aber verboten, derartige Produkte in den Handel zu bringen.

Hersteller gehört zum Bayer-Konzern

Schon im August war die Lieferung von 20.000 Tonnen Reis aus den Vereinigten Staaten nach Rotterdam wegen des Verdachts gestoppt worden, sie enthalte Genreis vom Typ LL 601. Das Produkt, das Reis gegen Pflanzenschutzmittel widerstandsfähig macht, ist von der Gesellschaft Aventis Cropscience hergestellt worden, die zum Leverkusener Bayer-Konzern gehört. LL 601 wird gegenwärtig noch auf seine Unschädlichkeit hin überprüft.

Bayer und die amerikanische Regierung haben versichert, daß das Produkt keine Schäden für Menschen und Umwelt bringe. Die EU-Kommission will jetzt nach dem amtlichen Befund in Deutschland aber von der amerikanischen Regierung genauer wissen, wieso LL 601 überhaupt in eigentlich genfreien Reisprodukten auftauchen kann.

Möglicher Rückschlag für Biotechnologie-Firmen

Die deutsche Biotechnologie-Branche räumt unterdessen ein, daß der Genreis-Fund einen Rückschlag bedeuten könnte. Während ihrer jährlichen Pressekonferenz in Frankfurt teilte die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) am Donnerstag zwar mit, daß man erst noch genauere Erkenntnisse aus den Vereinigten Staaten abwarten müsse. DIB-Vorsitzender Bernward Garthoff gab aber zu, daß Imageschäden nicht auszuschließen seien.

Auf die Frage nach den Marktchancen für genbehandelte Lebensmittel antwortete er, daß man über die Akzeptanz erst dann urteilen könne, wenn der Verbraucher zwischen genfreien und genbehandelten Produkten wählen könne.

Grüne Biotechnologie klagt über die Politik

Die sogenannte grüne oder auf Pflanzen basierende Biotechnologie klagt seit Jahren, daß sie in Deutschland bei Produktion und Vertrieb von der Politik gebremst werde. Dabei geht es um die restriktive Auslegung der Haftung, falls sich Genpflanzen auf benachbarten Feldern fortpflanzen, und um die Frage des Abstands von Genanbauflächen zu Feldern der konventionellen Landwirtschaft.

Hier fordert die Branche großzügigere Regelungen, sieht aber noch keine eindeutigen Signale aus der großen Koalition. Damit sei auch die Forschung gefährdet, die große Fortschritte etwa bei der Entwicklung von Energieträgern aus nachwachsenden Rohstoffen erreicht habe.

Untergeordnete Rolle in Deutschland

In der gesamten deutschen Branche spielt die grüne Biotechnologie bisher nur eine untergeordnete Rolle. Bedeutender sind die „rote“ Biotechnologie für Arzneimittel und Diagnostika, deren Umsatz etwa bei 2,7 Milliarden Euro liegt, und die „weiße“ Biotechnologie für chemische Produkte, deren Umsatz die BDI auf 2 bis 3 Milliarden Euro schätzt.

Im internationalen Vergleich sieht die BDI Deutschland speziell in der weißen Biotechnologie als stärksten Standort überhaupt, unter anderem wegen der guten Zusammenarbeit zwischen großen Konzernen und kleinen, hochspezialisierten Unternehmen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters und F.A.Z.
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