16.01.2005 · Verbraucherministerin Künast sieht keine akute Gefahr für die Gesundheit. Dennoch: Hühnereier aus Freilandhaltung sind häufig über den EU-Grenzwert hinaus mit dem Krebs erregenden Umweltgift Dioxin belastet.
Der seit Januar in der gesamten Europäischen Union geltende Grenzwert für die Belastung von Hühnereiern mit dem Krebs erregenden Gift Dioxin ist bei Eiern aus Freilandhaltung in mehreren Bundesländern überschritten worden. Das bestätigte Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) am Sonntag in Berlin.
Nach Angaben der Ministerin besteht beim Verzehr solcher Eier zwar keine akute Gesundheitsgefahr. Dioxin reichere sich aber im Fettgewebe an und gehöre nicht in Lebensmittel. Sie habe in Brüssel lange gekämpft für den Grenzwert von drei Pikogramm Dioxin pro Gramm Fett (das entspricht drei Billionstel Gramm), sagte die Politikerin. Jetzt seien die Bundesländer verpflichtet, die Einhaltung dieses Wertes zu kontrollieren. Eier, deren Dioxin-Gehalt darüber liege, müßten vom Markt genommen und vernichtet werden.
Umweltgift aus alten Zeiten
Nach Angaben der Ministerin stammt das bei bestimmten Verbrennungsprozessen entstehende Dioxin aus den sechziger und siebziger Jahren, als die Umweltgesetzgebung noch nicht so streng war wie heute. Es sei heute ein überall vorkommendes Umweltgift. Landwirte könnten die Aufnahme des Giftes durch die Hühner mit einem entsprechenden Bodenmanagement verhindern. Öko-Landwirte etwa trügen - schon wegen der Kot-Entsorgung - die oberste Schicht regelmäßig ab und mulchten den Boden anschließend.
Der Vorsitzende des Bundes der ökologischen Lebensmittelwirtschaft, Felix Prinz zu Löwenstein, sagte dieser Zeitung: „Im Moment können wir nicht absehen, ob Daten auch aus Öko-Betrieben vorliegen. Fest steht allerdings, daß es sich nicht um ein Fütterungs-, sondern um ein allgemeines Umweltproblem handelt, daß man in den Griff bekommen muß.“ Der Rückfall in „tierquälerische Haltungsformen wäre keine Lösung“.
Unterschiedliche Befunde
Die Zeitung „Bild am Sonntag“ berichtete, es gebe aus vielen Bundesländern keine Befunde, da dort nicht kontrolliert werde. Danach ist bei Freilandeiern die Dioxin-Belastung generell um das Zweieinhalbfache höher als bei Eiern aus Käfighaltung. Eier aus Käfighaltung lägen zu mehr als 99 Prozent unter dem EU-Grenzwert.
Für Baden-Württemberg teilte nach Angaben der Zeitung das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg nach Stichproben mit, daß in den vergangenen vier Jahren sieben Prozent aller Bio- und Freilandeier im Handel zuviel Dioxin enthielten. Man habe Spitzenwerte von bis zum 16,5 Pikogramm ermittelt. In der Stadt Kehl seien zum Jahreswechsel bei acht von 18 Proben deutlich erhöhte Dioxinmengen von 4,3 bis 22,2 Pikogramm festgestellt worden.
Der Sprecher des baden-württembergischen Ernährungsministeriums sagte, es handele sich um ein Problem „sehr kleiner Haltungsformen mit viel Auslauf“. Das Land werde sein bereits bestehendes Kontrollprogramm fortführen. Es spiele sich aber alles in einem Bereich ab, bei dem es keine gesundheitlich Gefährdung gebe.
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