In London haben am Montag acht unbequeme Wochen für die schweizerische Bank UBS begonnen. Die britische Staatsanwaltschaft, der Crown Prosecution Service, hat vor dem Southwark Crown Court mit der Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den ehemaligen Händler der Bank, Kweku Adoboli, wegen doppelten Betrugs und doppelter Urkundenfälschung begonnen. Am Freitag verliest die Staatsanwaltschaft die Anklage.
Adoboli war am 15. September 2011 festgenommen worden. Dem 32 Jahre alten Händler wird unterstellt, er habe der UBS in London mit seinen Spekulationsgeschäften einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar eingebrockt.
Adoboli muss elektronische Fußfessel tragen
Adoboli wurde nach seiner Festnahme im Juni auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen, muss im Haus eines Freundes leben, hat Ausgehverbot und muss eine elektronische Fußfessel tragen.
Der in Ghana geborene Händler soll bis zurück zum Jahr 2008 Spekulationen verschleiert haben, die er mit Index-Futures auf den S&P 500, den Dax Aktienindex und den Euro Stoxx vorgenommen haben soll. Die Spekulationen waren nicht aufgefallen, weil Adoboli die Positionen mit fiktiven Terminpositionen am Markt für börsennotierte ETFs neutralisiert und damit verschleiert haben soll.
Die Kontrolle hat versagt
Mit großer Kenntnis der Verbuchungspraxis war es Adoboli offenbar ein Leichtes, die Kontrollsysteme innerhalb der Bank - so weit vorhanden - auszuhebeln. Adoboli selbst plädiert auf „nicht schuldig“. Die Bank hatte bereits im Oktober 2011 deutliche Kontrollmängel eingeräumt und betont heute, sie habe diese Defizite ausgeräumt.
Das Verfahren findet vor 12 Geschworenen statt. Die Bank selbst ist keine Partei in dem Verfahren. Den Schlagabtausch vor den Geschworenen und dem Richter Brian Keith werden sich in den kommenden Wochen hochkarätige Spezialisten der Wirtschaftskriminalität leisten. Adoboli hat sich mit der Kanzlei Bark & Co die Fachleute an Bord geholt, die gerade versucht haben, den ehemaligen Chef von Polly Peck, Asil Nadir, zu verteidigen. Nadir wurde zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt.
Der vor Gericht für Adoboli auftretende Anwalt Paul Garlick ist ein Spezialist für Finanzregulierung. Er war früher der britischer Richter über Kriegsverbrechen in Bosnien und Herzegowina. Für die Staatsanwaltschaft indessen plädieren Sasha Wass und Esther Schutzer-Weissmann. Schutzer-Weissmann stand auf der Anklageseite gegen Asil Nadir.
Bei der schweizerischen Bank UBS brachte der Fall Adoboli das Fass zum überlaufen, zumal gravierende Kontrollmängel im Handel festgestellt wurden. Der damaligen Chef der Bank, Oswald Grübel, wurde durch Sergio Ermotti ersetzt. Die Leitung der Risikokontrolle wurde ausgewechselt und der Eigenhandel weitgehend eingestellt. Die Bank sagt, sie habe die Kontrollmängel der Vergangenheit behoben.
Aber die Londoner Finanzaufsicht FSA und die schweizerische Financial Market Supervisory Authority werden akribisch verfolgen, was die Verhandlungen aufdecken und welche Schlussfolgerungen sie - auch für ihre eigenen Untersuchungen durch KPMG - aus dem Fall ziehen müssen. Adoboli drohen im Falle der Verurteilung viele Jahre Gefängnis. Den Banken aber steht im Zweifel noch strengere Regulierung vor der Tür. Sie wäre in den Augen von Fachleuten, die moderne Handelskontroll-Systeme in Banken installieren, angebracht. Noch immer ist der Datenabgleich von Handelsabteilungen und Produktgruppen in den Banken nicht selbstverständlich, obwohl die FSA Banken seit 2008 rät, den Datenabgleich quer durch die Bank vorzunehmen. Die FSA hat seit Frühjahr 2008 immer wieder Großbanken, darunter auch die UBS, für mangelhafte Systeme und Datenübermittlung bestraft.
UBS, nicht nur ein Broker
Bertram Schröder (schroedi)
- 11.09.2012, 04:04 Uhr
Bei der obszön fortdauernden "Rettung" mit zig Millarden
Steuergeldern viel zu wenig fokusiert...
Robert Bendix (1.Senator)
- 10.09.2012, 18:59 Uhr
Der Krise Ursache
Henk Wilbert (H.Wilbert)
- 10.09.2012, 18:05 Uhr
Diese jungen Broker
Peter Gorski (petertogo)
- 10.09.2012, 16:46 Uhr