28.07.2005 · Tom LaSorda ist mit Deutschland gut vertraut: Im Jahr 1991 kam der Nordamerikaner ins ostdeutsche Eisenach, um das dortige Opel-Werk zum Laufen zu bringen. Da war er gerade 37 Jahre alt. Heute ist er 51 und wird bald an der Spitze von Chrysler stehen.
Von Roland LindnerTom LaSorda ist mit Deutschland gut vertraut: Im Jahr 1991 kam er ins ostdeutsche Eisenach, um das dortige Opel-Werk zum Laufen zu bringen. Da war er gerade 37 Jahre alt. Der Anhänger japanischer Managementkonzepte wollte Eisenach so effizient machen wie eine Fabrik von Toyota. In der Tat wurde der Standort zum Vorzeigewerk, und zwar nicht nur für Opel, sondern für die amerikanische Muttergesellschaft General Motors, die Prinzipien und Prozesse von Eisenach in Produktionsstätten auf der ganzen Welt übernahm.
Deutsch hat LaSorda in seiner Zeit in Eisenach indessen nur in Ansätzen gelernt. Nach zwei Jahren berief ihn GM wieder nach Amerika und gab ihm eine leitende Position bei der Luxusmarke Cadillac. Später war er im Konzern für Qualitätssicherung verantwortlich. Im Frühjahr 2000 wechselte er in die Chrysler-Zentrale nach Auburn Hills bei Detroit, seit vergangenem Jahr ist er als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft verantwortlich.
Der Wechsel hat große Symbolik
Der Wechsel von LaSorda an die Spitze von Chrysler hat eine große Symbolik: Nun führt wieder ein Nordamerikaner (LaSorda ist gebürtiger Kanadier) das Unternehmen. Die Verteilung der Managementpositionen zwischen Deutschen und Amerikanern war seit der Übernahme von Chrysler durch Daimler-Benz im Jahr 1998 ein hochsensibles Thema. Als Daimler-Chrysler im Herbst 2000 in einer Notaktion Dieter Zetsche nach Auburn Hills schickte und den vormaligen amerikanischen Chrysler-Chef Jim Holden vor die Tür setzte, war der Aufschrei groß. Die Amerikaner fühlten sich von den Deutschen entmachtet.
Die Nationalitätendebatte spielte auch eine große Rolle in der aufsehenerregenden Klage des Investors Kirk Kerkorian gegen Daimler-Chrysler, die in diesem Frühjahr abgewiesen wurde. In Detroit haben sich die Ressentiments gegen die Deutschen gelegt, zumal Zetsche sich Respekt und Popularität erworben hat - trotz vieler harter Einschnitte, die er Chrysler verordnet hat.
Die Wahl LaSordas birgt eine gewisse Ironie
Daß ausgerechnet Tom LaSorda der neue Chrysler-Chef wird, hat eine gewisse Ironie. Denn er stammt aus einer Familie, in der harte Auseinandersetzungen mit Topmanagern Tradition haben. Sein Vater und sein Großvater waren Gewerkschaftsführer in seinem Heimatort Windsor in Kanada, das auf der anderen Seite eines Flusses von Detroit liegt. Chrysler brachte LaSordas Großvater im Zuge eines Arbeitskampfes in den vierziger Jahren sogar vor Gericht. Sein Vater war Gewerkschaftler zur Zeit der schweren Chrysler-Schieflage Anfang der achtziger Jahre und erlebte entsprechend harte Einschnitte.
Vielleicht kommt LaSorda nun sein familiärer Hintergrund zugute, denn auch heute gehören Verhandlungen mit den Gewerkschaften zu den größten Herausforderungen der amerikanischen Autoindustrie, gerade mit Blick auf die hohen Gesundheitsleistungen an Mitarbeiter und Pensionäre. Daneben wird es für LaSorda darauf ankommen, das derzeitige Momentum von Chrysler aufrechtzuerhalten. Während GM und Ford immense Quartalsverluste in Amerika ausgewiesen haben, hat Chrysler sogar seinen Gewinn gesteigert. Die gute Entwicklung hat vor allem mit erfolgreichen neuen Modellen zu tun. Hier muß das Unternehmen nachlegen, und darin dürfte die größte Herausforderung für LaSorda liegen: Bislang hat er sich vor allem als Mann des Produktionsalltags einen Namen gemacht, nicht jedoch als Auto-Visionär. Nun muß er zeigen, daß Chrysler unter seiner Führung weiterhin neue Autos auf den Markt bringen kann, die den amerikanischen Geschmack treffen.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.380,83 | −0,96% |
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| Rohöl Brent Crude | 105,55 $ | −1,22% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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