http://www.faz.net/-gqe-79bic

Kuriose Warnung : Bierbrauer sehen Reinheitsgebot durch Fracking bedroht

  • Aktualisiert am

Durch Fracking-Chemikalien verunreinigt? Die Brauer machen sich Sorgen. Bild: dpa

Die Erdgasförderung aus tiefen Gesteinsschichten (Fracking) ist schon länger höchst umstritten. Jetzt mischen sich kurioserweise auch noch die Bierbrauer ein. Sie fürchten um das deutsche Reinheitsgebot - wegen möglicher Verunreinigungen des Trinkwassers.

          Die in Deutschland sehr umstrittene Erdgasförderung aus tiefen Gesteinsschichten (Fracking) erregt abermals die Gemüter – diesmal aus kuriosem Grund: Neuerdings sorgen sich die Bierbrauer um das deutsche Reinheitsgebot, sollte die neue Technik hierzulande eingesetzt werden. Konkret hegen sie die Befürchtung, dass das Trinkwasser zu stark verunreinigt werden könnte, wie die „Bild“-Zeitung aus einem Brandbrief der Brauer an die Bundesregierung zitierte und wie ein Verbandssprecher mittlerweile bestätigt hat.

          Beim Fracking werden mit hohem Druck unter Chemikalieneinsatz Gesteinsschichten so aufgebrochen, dass das Gas nach oben entweichen kann. Durch die giftigen Chemikalien befürchten Kritiker unter anderem eine Verseuchung des Trinkwassers. Deshalb empfiehlt das Umweltbundesamt, das Fracking nur unter strengen Auflagen zu genehmigen.

          „Die bislang von der Bundesregierung vorgesehenen Gesetzesänderungen reichen nicht aus, um die erforderliche Sicherheit für die Trinkwasserversorgung sicherzustellen und den Anforderungen an das Reinheitsgebot für Bier Rechnung zu tragen“, heißt es nun in dem Schreiben der Bierbrauer, das an sechs Minister gerichtet ist, unter anderem an Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).

          Auch Bayern fürchtet Fracking-Risiken

          Ende Februar hatten das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium einen Verordnungsentwurf vorgelegt, der eine Änderung des Wasserhaushaltsgesetzes vorsieht, um strenge Auflagen für das Fracking sicherzustellen. Zudem soll es bei allen neuen Vorhaben eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben. Den Bierbrauern reicht dies aber offenbar nicht aus.

          Auch das Land Bayern pocht auf ein Moratorium für die umstrittene Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten. „Solange die Risiken des Einsatzes chemischer Substanzen beim Fracking nicht abschätzbar sind und negative Folgen für Mensch und Natur nicht ausgeschlossen werden können, darf diese Technik nicht zur Anwendung kommen“, hatte Umweltminister Marcel Huber (CSU) Anfang des Monats gefordert. Ähnlich argumentieren von SPD und Grünen regierte Länder. Das Einbringen des Fracking-Gesetzentwurfs ins Kabinett ist mittlerweile schon mehrfach verschoben worden.

          Quelle: FAZ.net

          Weitere Themen

          Fahrerbewertungsportal muss geändert werden

          Urteil : Fahrerbewertungsportal muss geändert werden

          Ist es ein Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr - oder ein Internet-Pranger? Ein Portal zum Bewerten von Autofahrern verstößt nach Ansicht von Datenschützern gegen gesetzliche Vorgaben. Ein Gericht in Münster hat das nun bestätigt.

          Die neue Kluft zwischen Briten und Franzosen Video-Seite öffnen

          Brexit : Die neue Kluft zwischen Briten und Franzosen

          Der Südwesten Frankreichs ist für viele Briten Wahlheimat. Seit den 1960er Jahren zieht es sie vor allem in die Dordogne. Doch seit dem Brexit müssen sie sich als Nicht-EU-Bürger auf Einschränkungen einstellen.

          Konsumklima in Europa auf hohem Niveau Video-Seite öffnen

          GfK : Konsumklima in Europa auf hohem Niveau

          In der Europäischen Union ist die Stimmung der Konsumenten so gut wie seit Jahren nicht mehr. Das Barometer stieg am Ende des dritten Quartals um knapp 2 Punkte auf 20,9 Zähler im Vergleich zum Vorquartal, wie die Gesellschaft für Konsumforschung am Mittwoch mitteilte.

          Topmeldungen

          Christian Lindner : Demut unter der Dusche

          Der FDP-Vorsitzende legt am zweiten Tag der Sondierungen ein Buch über die Rückkehr der Liberalen vor – und seine Rolle dabei. Zudem will er einen Autoritätsverlust bei Merkel erkennen.
          Eheschließung für alle: Kritiker des Gesetzes befürchten eine schleichende Islamisierung des sozialen Lebens.

          Türkei beschließt neues Gesetz : Ehe für alle

          In der Türkei dürfen künftig auch Muftis Paare vermählen. Kritiker sehen das Gesetz als Angriff auf den Säkularismus – und befürchten eine Zunahme von Kinderheiraten.
          Ihre Bewerbung gefällt dem Kreml: die russische Journalistin Xenia Sobtschak, hier 2012 in Moskau

          Kandidatin Sobtschak : Ein Geschenk des Glamours

          Die Journalistin Xenia Sobtschak, die schon Glamour-Girl und Heldin in Reality-TV-Shows war, will bei der russischen Präsidentenwahl antreten. Das stößt auf Kritik – aus Sicht des Kremls ist ihre Bewerbung aber von Vorteil.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.