12.12.2011 · Kauf´ zehn, und es gibt eins umsonst: Bislang liefen solche Bonusaktionen des Einzelhandels über Stempelkarten. In Zeiten des mobilen Internets sollen Apps die Aufgabe übernehmen.
Von Martin GroppBisher war das mit Treuekarten nach dem Motto „Kauf zehn, bekomm einen umsonst“ so eine Sache: Mal war das Stempelkissen ausgetrocknet, mal konnte die Bedienung an der Kasse den Stempel nicht finden, weil die Frühschicht ihn verlegt hatte. Oft scheiterte das Sammeln der Bonusstempel am Kunden. Die Karte? Vergessen, verlegt, verloren.
Wenn es nach Arash Houshmand geht, sollen diese Probleme bald der Vergangenheit angehören. Zusammen mit seinen drei Partnern von der Münchener Contigua GmbH hat der 26 Jahre alte Chemie-Ingenieur die Smartphone-App 10stamps entwickelt. Die Gründer wollen damit die altbekannte Treuekarte auf das Smartphone holen. Das Prinzip bleibt gleich: Der Kunde geht in ein Café oder lässt sich die Haare schneiden. Nachdem er bezahlt hat, hält der Händler einen zweidimensionalen QR-Code vor die Kamera des Handys, den eine zuvor heruntergeladene App scannt. Nach diesem ersten digitalen Stempel erscheint die Treuekarte des Händlers oder Dienstleisters auf dem Display. Gleichzeitig speichert das Smartphone die Karte, alle weiteren gesammelten Punkte, genauso wie Karten anderer Anbieter.
„Wir wollen Einzelhändlern eine Möglichkeit geben, den mobilen Absatzkanal zu nutzen, um Kunden zu binden“, sagt Houshmand. Auch solchen, die bislang wenig Berührungspunkte mit dem mobilen Internet hatten. Im August hat Contigua die Anwendung auf den Markt gebracht. Derzeit läuft die Einführungsphase, in der Interessente die App auch kostenfrei nutzen können. Beim kostenpflichtigen Service gestaltet Contigua die Treuekarten und stellt etwa Werbeplakate bereit, damit der Händler den neuen Service unter seinen Kunden bekannt machen kann. Außerdem erhält der Händler eine statistische Analyse, zum Beispiel darüber, zu welcher Tageszeit seine Kunden stempeln lassen. Nicht zuletzt soll die App es einfacher machen, Gratisaktionen bei der Steuer oder in der Bilanz anzugeben.
Einen „zweistelligen Eurobetrag“ müssen Einzelunternehmer im Monat für den Vollservice zahlen, sagt Houshmand. Für Filialisten sei der Preis Verhandlungssache. Derzeit führt Contigua sein System zum Beispiel in 70 Läden der Kaffeehauskette Coffee Fellows ein. Auch Restaurants der Kette Sushi Circle werden dieser Tage ausgestattet. An insgesamt 100 Kassen ist 10stamps derzeit verfügbar. Noch ist das Wachstum zaghaft, trotzdem sind mehrere Finanziers mit einem sechsstelligen Betrag eingestiegen. Und es gibt mit Stampr schon einen deutschen Wettbewerber.
Konkurrenz könnte auch von der anderen Seite des Atlantiks kommen. In Amerika gibt es mit Punchd ebenfalls einen Service für digitale Treuekarten. Im Sommer wurde das junge Unternehmen nach wenigen Monaten von Google gekauft. Ob und wann Google den Dienst nach Europa oder Deutschland ausweitet, sei derzeit unklar, heißt es beim Suchmaschinenkonzern. Doch sei man von dem Dienst überzeugt, weil man das Suchverhalten der Nutzer kenne, die mobil online gehen. Nach Erhebungen von Google suchen Menschen zu Hause anders als unterwegs. Wer am Schreibtisch das Internet durchforste, forsche nur in 20 Prozent der Fälle mit lokalem Bezug. Doch gut die Hälfte der mobilen Anfragen bezögen sich auf die direkte Umgebung, in der der Sucher sich gerade aufhält.
Das wissen auch die Platzhirsche: Das Gutscheinportal Groupon hat gleich zwei Kundenbindungsprogramme mit lokalem Ansatz gestartet, allerdings bisher nur in Amerika. Im Frühsommer ist Groupon Now gestartet, derzeit ist es in 25 amerikanischen Städten nutzbar. Wer die App installiert, erfährt über GPS-Ortung von nahegelegenen Schnäppchen. Wer sie bucht, bekommt einen Gutschein aufs Handy geschickt, der dann direkt beim Anbieter einzulösen ist. Das im Oktober eingeführte und bisher auf Philadelphia beschränkte Groupon Rewards ist dagegen eine virtuelle Treuekarte. Sie füllt sich, wenn der Nutzer öfter im selben Geschäft mit der bei Groupon registrierten Kreditkarte einkauft.
Deutsche Groupon-Kunden können sich per App bisher nur mobil anzeigen lassen, ob und wo in ihrer Nähe gerade eines der regulären Groupon-Angebote verfügbar ist. Ähnliches bietet auch die bereits seit Mai vorigen Jahres bereitgestellte Smartphone-Anwendung von Payback. Nutzer erhalten App-Coupons von Unternehmen um die Ecke, die damit locken, Bonuspunkte zu vergeben, wenn man bei ihnen einkauft oder ihre Dienstleistung in Anspruch nimmt.
Nach Angaben von Payback haben rund 530 000 Nutzer die App installiert. Mehr als ein Drittel von ihnen habe vorher auf Papier verschickte Coupons verschmäht. Seitdem sie die App nutzten, lösten sie 50 Prozent mehr Bonuspunkte-Gutscheine ein als Nutzer der Papiergutscheine. Allerdings sind die Angebote des Münchner Unternehmens ungesteuert. Wer sich hungrig an einem bestimmten Ort aufhält, bekommt auch mitgeteilt, ob er gerade bei einer Autovermietung Bonuspunkte erhalten könnte.
Die Treuekarten von 10stamps werden dagegen vorerst keine GPS-Anbindung oder gar Suchfunktion erhalten, um die Nutzer gezielt zu einem Anbieter zu leiten. „Wie bei der herkömmlichen Stempelkarte geht es darum, durch einen guten Service und das Bonusangebot Kunden zu Stammkunden zu machen“, sagt Houshmand. Ganz papierlos wird das aber auch bei seiner Anwendung erst einmal nicht funktionieren. Um die ersten Nutzer auf den neuen Service aufmerksam zu machen, werden die Händler wohl auch auf gedruckte Codekarten zurückgreifen. Sie sind in etwa so groß wie eine traditionelle Stempel-Treuekarte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,29 | −0,99% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2439 | −0,39% |
| Rohöl Brent Crude | 105,55 $ | −1,22% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?